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Die Menschen wollen immer mehr mitgestalten

Diskussion mit Günther Beckstein und Regionalbischof Prof. Ark Nitsche über die „Mutbürger“ - 08.12.2012 08:00 Uhr

BUCKENHOF  - „Mutbürger“ in Kirche und Gesellschaft hatten die Einrichtung Bildung-evangelisch und der Arbeitskreis Kirche und SPD im Landkreis Erlangen-Höchstadt in einer Diskussionsveranstaltung versucht zu finden und dazu den Bayerischen Ministerpräsidenten a. D. Günther Beckstein und Regionalbischof Prof. Ark Nitsche in den Puckenhof eingeladen.

Vor der Diskussion noch schnell eine Stärkung: (v.l.) Hans-Jürgen Luibl von Bildung Evangelisch, Regionalbischof Prof. Ark Nitsche, Alexandra Hiersemann und Ministerpräsident a.D. Günther Beckstein.
Vor der Diskussion noch schnell eine Stärkung: (v.l.) Hans-Jürgen Luibl von Bildung Evangelisch, Regionalbischof Prof. Ark Nitsche, Alexandra Hiersemann und Ministerpräsident a.D. Günther Beckstein.
Foto: Klaus-Dieter Schreiter
Vor der Diskussion noch schnell eine Stärkung: (v.l.) Hans-Jürgen Luibl von Bildung Evangelisch, Regionalbischof Prof. Ark Nitsche, Alexandra Hiersemann und Ministerpräsident a.D. Günther Beckstein.
Vor der Diskussion noch schnell eine Stärkung: (v.l.) Hans-Jürgen Luibl von Bildung Evangelisch, Regionalbischof Prof. Ark Nitsche, Alexandra Hiersemann und Ministerpräsident a.D. Günther Beckstein.
Foto: Klaus-Dieter Schreiter

Wenn sich schon Omas und Opas in der Occupy-Bewegung engagieren und plötzlich auf die Straße gehen würden, dann sei das eine andere Dimension von Unbehagen und neue Entwicklung in unserer Demokratie, stellten die Diskussionsteilnehmer fest. An Stuttgart 21 machte Diskussionsleiter Hans-Jürgen Luibl diese Tendenz zwar fest, aber Günter Beckstein fiel dazu gleich die Umgehungsstraße von Uttenreuth und Weiher ein, „die Innenminister Joachim Herrmann ja jetzt beerdigt hat“. Die Menschen würden mehr mitgestalten wollen, und dazu reiche es nicht, sie einfach nur mitzunehmen. Man müsse sie beteiligen, sagte Beckstein, der sich ausdrücklich zu Bürgerbegehren und Volksentscheiden bekannte.


Gar nicht zufrieden aber ist er damit, dass sich die Münchener in einem Bürgerentscheid gegen die dritte Startbahn am Flughafen entschieden haben. Da hätte man ganz Bayern fragen müssen, meint er. Regionalbischof Ark Nitsche hat dann in seiner Arbeit auch eine gewisse Hilflosigkeit der Menschen verspürt, weil sie sich oft von der Politik übergangen fühlen. Steigende Politikverdrossenheit sei die Folge.

Die erst kürzlich von der SPD als Stimmkreiskandidatin für die Landtagswahlen im Jahr 2013 nominierte Alexandra Hiersemann brachte als weiteres Beispiel das Aufbegehren der Bürger gegen den geplanten Windpark in Marloffstein. Aus „Wutbürgern“ würden aber „Mutbürger“ werden, wenn man sie aufkläre und beteiligen würde, beispielsweise als Mitglied in einer Windpark-Genossenschaft wie in Neunkirchen am Brand geschehen, meinte sie. Dafür wünsche sie sich manchmal auch mehr kämpferischen Einsatz der Kirche.

Ein Beitrag der Kirche sei es, den Menschen das Gefühl zu geben „du bist wer, egal was du sagst“, meinte der Regionalbischof.

Auch Beckstein warb für Toleranz und dafür, den Menschen Mut zu machen ihre Mitwirkungsmöglichkeiten wahrzunehmen. Alexandra Hiersemann kritisierte abschließend, dass es die Kirchenleute nicht verstehen würden den Menschen klar zu machen, dass die Kirche ein Teil der Gesellschaft sei.

Zwei Stunden lang diskutierten die vier in der Kirche Engagierten lebendig und frei, wobei Beckstein und Nitsche das ihnen zuvor vom Diskussionsleiter in die Hand gedrückte Manuskript dezent auf die Seite gelegt hatten. Leider aber waren nur knapp 30 Zuhörer in den Puckenhof gekommen. Der Abend hätte ein paar mehr verdient gehabt. 

Klaus-Dieter Schreiter


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