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Eichenleichen statt Baumschutz

Im Erlanger Stadtteil Sieglitzhof hat die städtische Verordnung erst einmal wenig Wirkung gezeigt - 08.02. 14:00 Uhr

ERLANGEN  - Vier mächtige, wohl gut 100 Jahre alte Eichen sind von einem nachbarschaftlichen Streitobjekt zu einer Art Präzedenzfall in Sachen Baumschutz geworden. Dem Vorwurf, das städtische Umweltamt nehme seine eigenen Prinzipien nicht ernst, wird seitens der Gescholtenen heftig widersprochen.

Alles ist winterlich kahl. Nur: die Eichen im Vordergrund werden es auch bleiben. Die Bäume dahinter sind jedoch unverändert gesund.
Alles ist winterlich kahl. Nur: die Eichen im Vordergrund werden es auch bleiben. Die Bäume dahinter sind jedoch unverändert gesund.
Foto: Edgar Pfrogner
Alles ist winterlich kahl. Nur: die Eichen im Vordergrund werden es auch bleiben. Die Bäume dahinter sind jedoch unverändert gesund.
Alles ist winterlich kahl. Nur: die Eichen im Vordergrund werden es auch bleiben. Die Bäume dahinter sind jedoch unverändert gesund.
Foto: Edgar Pfrogner

Gemessen an dem Baumfrevel im Raum Fürth, bei dem ein bislang Unbekannter Dutzende junger Bäume absägt und durch seine etwas irre anmutenden Taten für Schlagzeilen sorgt, sind die nachbarlichen Verstimmungen aus dem Erlanger Schronfeld allerdings eine ganze Nummer kleiner: Vier – wie man mittlerweile weiß: dem Tod geweihte – Eichen auf einem Privatgrundstück hatten (wie berichtet) den Pensionär und Naturliebhaber Otto Ortner und seine Bekannten in der Nachbarschaft auf den Plan und später zur Tat gerufen. Als sie die Bäume verenden sahen, wollten sie das städtische Umweltamt an seine eigene Baumschutzverordnung erinnern, die den beabsichtigten Baumtod untersagt.



Doch das Amt sah in dem Baumsterben der vier Eichen keinen subjektiven Akt, sonderen die Natur selbst am Werk: Baumschädlingen hätten die Eichen dahingemeuchelt, ergab eine „Nachsicht“ vor Ort. Von einem „Gutachten“ will das Amt nicht sprechen.

Die Nachbarn jedoch beriefen sich erst einmal auf den gesunden Menschenverstand: Vier Eichen auf Privatgrund könnten wohl kaum an Schädlingen eingehen, wenn weitere Eichen, keine drei bis vier Meter entfernt prächtig gedeihen und keinerlei Anzeichen von Schädigung zeigten. Für sie war schnell klar: Die Eichen waren bewusst geschädigt worden, um ihnen den Garaus zu machen — von wem auch immer. Dass die mächtigen Bäume durch Eichenpracht- und Borkenkäfer, wahlweise auch durch den Weidenbohrer geschädigt wurden, wollte und will Otto Ortner bis heute nicht akzeptieren: „Die Schädlinge würden doch vor einem Drahtzaun nicht haltmachen“.

Und Ortner hat einen Fürsprecher gefunden, dem zu widersprechen auch dem Umweltamt schwerfiele: Forstamtsleiter Peter Pröbstle sagt unumwunden: Die Bäume sind von Menschenhand geschädigt worden. Dem würde nicht einmal Umweltamt- Leiter Reiner Lennemann widersprechen, wenngleich er mit Schuldzuweisungen vorsichtig ist: „Wir haben Rückschnitte der Baumkronen erlaubt, die offenbar über das verträgliche Maß hinausgingen – das war ein Fehler.“ Vermutungen von Ortner und seinen Mitstreitern, da habe wohl jemand noch zusätzlich nachgeholfen, will er nicht nachgehen: „Wir sind keine Baumpolizei.“ Zumal sein Amt nach Gesprächen mit dem Besitzer überzeugt davon sei, dass dieser die Bäume selbst gerne erhalten hätte.

Für Otto Ortner, der sich von der Behörde stets „für etwas dumm verkauft“ hielt, wird dieses Zurückrudern gleichwohl eher unbefriedigend bleiben. Lennemann und die Umweltreferentin Marlene Wüstner aber wollen, dass Frieden einkehrt: „Das ist kein Kriminalfall“, sagt Lennemann, „weitere Ermittlungen würden nur hohe Kosten verursachen.“ 



PETER MILLIAN

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