|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Nein, die Befürchtungen, dass hier ein Schullektüre-Klassiker einzig und allein zwecks Kasse machender Vorstellung dank ins Theater zwangsverpflichteter Schülermassen ins Programm gehievt wurde, hatten sich als gegenstandslos erwiesen. Nicht so häufig gelingt einem Theater die Wiederbelebung eines erst gefeierten, in späteren Jahren dann eher verschmähten Stücks so packend und energetisch, wie es dem Staatstheater Mainz mit Borcherts 1947 uraufgeführtem Erfolg gelungen ist.
Die episodisch aufgefächerte Geschichte vom Kriegsheimkehrer Beckmann, der nach vergeblichem Selbstmordversuch Menschen und Gott nach Moral und Verantwortung fragt, lassen die Mainzer auf kargster Bühne ablaufen: In komplett schwarz abgehängter Umgebung ist mittig ein keilförmiger, hölzerner Guckkasten übriggeblieben, in den sich Beckmann aber selten verirrt – sein Platz ist ganz unten, auf der Ebene darunter. Dort wird er erst mal ordentlich mit Wasser aus Eimern übergossen, die „Elbe“ im Friesennerz will ihn nicht, beschimpft ihn, versetzt ihm Gummistiefel-Tritte in den Hintern.
Beckmann muss wohl oder übel weiterleben, sein dramatischer Reigen von Begegnungen beginnt: Der liebe Gott ist ein jammernder Alter mit Gehstock, der „Andere“ ein jovialer Dauer-Optimist, der Oberst ein unverständiger Sarkast, und so weiter, und so fort.
Antworten auf seine Fragen erhält Beckmann keine, überall trifft er nur auf Eigennutz, Unverständnis und Selbstmitleid. Wie leicht wäre es gewesen, hier auf platte Aktualitäten zu setzen. Aber Regisseur Matthias Fontheim vertraut in allen Bereichen dem Original und zieht alle Details zu einer intensiven Inszenierung zusammen, die freilich nicht zuletzt vom extensiven Monologisieren der Hauptfigur lebt.
Wie Akteur Andre Willmund als Beckmann schreit, flüstert, leidet und mit seinen inneren Dämonen kämpft, ist ungemein packend, verkommt aber nie zur um Aufsehen heischenden Performance eines eitlen Mimen. Nein, hier ist alles an seinem Platz: die emotionalen Affekte, die knapp und scharf umrissene Typenzeichnung, die menschliche Tragik in straffem Fortgang. Und eben weil es keine Aktualisierungs-Mätzchen gibt, wird das Sujet wieder sehr lebendig. Sehr beeindruckend!

|