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Einst gab’s rauschende Brunnenfeste

Im 19. Jahrhundert pilgerte Bevölkerung zur „Heilquelle” — Pfingstvergnügen - 22.05.2015 19:19 Uhr

Der einst vielgepriesene Buckenhofer Gesundbrunnen ist nur noch ein Schatten vergangener Tage. © Foto: Harald Hofmann


Die Buckenhofer „Heilquelle“ am Hang unterhalb der Eisenstraße durchlebte zur Zeit des Pfingstfestes vor fast 200 Jahren eine Art von zweitem Frühling. Erstmals erwähnt und sofort gerühmt worden, war sie 1709 von dem Erlanger Landphysikus und Professor Theodor Balthasar. Der sprach ihr wahre Wunderkräfte zu und empfahl sie zur Linderung einer breiten Palette von Leiden: zur Therapie von Kopfweh, von Milz-und Nierenerkrankungen, von Augenbeschwerden, Rückenschmerzen, Magen- und Harnleiden und sogar gegen Schwermut.

Zwar meldeten sich postwendend Zweifler zu Wort, aber Theodor Balthasar konterte diese Gegenmeinungen sogleich mit einer weiteren Publikation und wartete darin mit „Exempeln“ von namentlich belegten Krankenheilungen auf.

Unterstützer sprangen dem Erlanger Landphysikus bei: 1727 führte J. S. Stedler die Quelle unter den „raren Naturalien im Land zu Franken“ auf, 1774 zählte der Erlanger Arzneimittelgelehrte Prof. Heinrich Friedrich Delius den Brunnen zu den „heilsamen Quellen“, und 1799 nannte ihn Georg Friedrich Christian Fuchs in einer Auflistung internationaler Bäder gar in einem Atemzug mit den Thermalquellen von Ischia und sibirischen Kochsalzquellen.

Bei dieser Berühmtheit des Gesundbrunnens blieb es nicht aus, dass er Gegenstand zu Besitzstreitigkeiten und zu hochfliegenden Nutzungsplänen wurde. Die markgräfliche Regierung ließ die angebliche Heilquelle, die „Eisen in Kohlensäure gelöst“ enthielt, schon kurz nach ihrer Entdeckung fassen. Zudem errichtete sie daneben ein Haus.

Da sich die Anlage an der Grenze zwischen markgräflichen und Nürnberger Territorium befand, beanspruchten die Reichsstädter die Gebietshoheit und rissen die Bauwerke ein. Die Markgrafschaft bestand jedoch auf ihrem Brunnenbesitz und erwog einen ehrgeizigen Plan.

Hochfliegende Pläne

Die Uttenreuther Historiker Erich und Regina Paulus berichten von einer im Staatsarchiv Bamberg befindlichen Akte. Sie enthält ein 1925 verfasstes Schreiben, in dem der Erlanger Amtshauptmann Hieronymus von Stutterheim dem Markgraf Georg Wilhelm die Errichtung eines größeren Badhauses in Buckenhof empfiehlt. Dazu legte der Beamte sogar einen Bauentwurf vor. Vorgesehen waren ein Gebäude mit Kesseln, Rohren und Wannen für Kalt- und Warmbäder. Ein ständiger Aufseher sollte über die Anlage wachen.

Der Landesherr signalisierte seine Zustimmung, verlangte aber die Kostenbeteiligung der davon profitierenden Kommunen Erlanger Alt- und Neustadt. Die aber waren wegen der Errichtung öffentlicher Gebäude und Straßenbauten erheblich verschuldet und konnten daher nicht das Geld für das Kurbad aufbringen. Die Pläne scheiterten.

Überliefert ist, dass im 18. Jahrhundert Badegäste in Erlangen und Buckenhof Privatlogis bezogen und sich Wasser aus dem Gesundbrunnen für Wannenbäder und Trinkkuren ankarren ließen.

Was den Trinkgenuss anbelangt: Als nach hundert Jahren der Kurbetrieb abflachte und man ihn in Publikationen schon in der Vergangenheitsform schilderte, wurde das „Heilwasser“ wenigstens noch als Basis für guten Kaffee gerühmt. Dieses Warmgetränk wurde bei vielen Landpartien nach Buckenhof und bei Picknicks am Gesundbrunnen aufgebrüht. Der idyllische Platz zog damals immer noch viele Ausflügler an – sogar zum Erleben des Sonnenaufgangs.

Das eingangs erwähnte große Brunnenfest mit viel Tamtam am Pfingstmontag 1829 könnte man somit auch als „Vorglühen“ für die anschließende Bergkirchweih bezeichnen. Die startete damals Überlieferungen zufolge erst am Dienstag nach Pfingsten und dauerte übrigens auch nur drei Tage.

 

Abhandlungen über den Buckenhofer Gesundbrunnen findet man auch in „Uttenreuth – Geschichtsbuch über ein Fränkisches Dorf am Rande der Stadt“ (2001) von Erich und Regina Paulus und in dem Band „Wanderung durch die Vergangenheit des Schwabachtals” (1999) von Fritz Fink. 

HEINZ GÖPFERT

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