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Drangvolle Enge herrschte in der großen Gaststube des Sportheims in der Jahnstraße. Trotz der schneidenden Kälte hatten sich hier gut hundert Bürgerinnen und Bürger eingefunden, um sich über den Fortgang der Baumaßnahmen im Dorf, über die missliche Haushaltslage und den Hochwasserschutz, vor allem aber über das Ende der gemeindlichen Jugendarbeit Informationen aus erster Hand zu beschaffen.
Jugendpfleger Armin Stingl berichtete über seine Arbeit und kündigte noch Ferienprogramme für die Oster- und Pfingstferien sowie einige Einzelprojekte bis zum Ende seiner Beschäftigungszeit an. Dann eröffnete Bürgermeisterin Gunhild Wiegner die Diskussion mit der Frage: „Braucht Poxdorf Jugendpflege?"
Zahlreiche Bürger sprachen sich eindeutig dafür aus: „Man sollte in die Zukunft der Kinder investieren!“, so Reiner Pracht. „Die Zusammenarbeit mit der Pfarrgemeinde St. Georg funktioniert wunderbar, das sollte man nicht aufs Spiel setzen!“, findet Gemeindereferentin Margit Kaiser. „Sparen müssen wir, aber nicht an der falschen Stelle, nicht bei unserer Jugend! Außerdem ist die Vernetzung durch den Zweckverband mit den beiden anderen Gemeinden auch noch ein Wert“, so die Meinung von Monika Martin. Und Wilmya Zimmermann gibt zu bedenken: „In den meisten Gemeinden im Landkreis überwiegt die ältere Bevölkerung. Gerade für die sollte es aber auch Jüngere als Ansprechpartner geben. Auch deshalb sollten wir überlegen, wie wir Jüngere halten und wie wir unsere Dörfer für junge Familien attraktiv machen können.“
Es gab freilich auch Gegenstimmen: Man könne doch nicht einfach darüber hinwegsehen, dass die Haushaltslage extrem angespannt sei. Und 2012 werde das alles noch viel, viel schlimmer. Der Jugendbeauftragte Thomas Heilmann bläst ins gleiche Horn: „Auch ich will die Ansiedlung junger Familien in Poxdorf fördern, aber eine so hohe Verschuldung kann ich nicht verantworten.“
Hannah Gawehns bezog im Namen einer Elterngruppe Stellung. Diese Eltern ersuchen den Gemeinderat, die Entscheidung, den Jugendpfleger nicht über den Sommer 2012 hinaus zu beschäftigen, zurückzunehmen, alternative Finanzierungsmöglichkeiten eingehend zu prüfen und dann eine andere Entscheidung zu treffen, denn „die bisher geleistete Arbeit und die Vernetzung mit den Nachbargemeinden darf nicht zunichte gemacht werden“.
Kinder und Jugendliche kehrten ihrem Heimatdorf nicht den Rücken aufgrund der gemeindlichen Haushaltslage, sondern weil es dort keinen Raum für ihre Bedürfnisse und keinen verständnisvollen Ansprechpartner gebe. Jugendarbeit trage dazu bei, junge Menschen von sozial unerwünschtem Verhalten wie Besäufnissen und Vandalismus abzuhalten.
Jugendarbeit sei zudem ein wesentlicher Standortfaktor für Familien bei ihrer Entscheidung über einen dauerhaften Wohnsitz. Und: „Jugendarbeit kann mit dazu beitragen, dass Jugendliche nicht in die Fänge radikaler Gruppierungen geraten, die deren Bedürfnis nach Rückzugsorten und Gemeinschaft ansprechen.“
Hannah Gawehns übergab der Bürgermeisterin eine Liste mit 150 Unterschriften, die in der vergangenen Woche gesammelt worden waren. Die Unterzeichner bitten ebenfalls darum, dass der Gemeinderat seine Entscheidung nochmals überdenkt, da „es nicht angehen könne, dass Poxdorf als eine der einkommensstärksten Gemeinden im Landkreis die Mittel für Kinder und Jugendarbeit nicht aufbringen will.“
Bürgermeisterin Gunhild Wiegner legte im Wechsel mit Geschäftsstellenleiter und Kämmerer Andreas Pfister ihren Rechenschaftsbericht für das Jahr 2011 vor. Der pro-Kopf-Schuldenstand in Poxdorf liege demnach bei 215 Euro, der Gesamtschuldenstand belaufe sich auf 325792 Euro. Seit 2004 seien die Schulden kontinuierlich abgebaut worden.
Für dieses Jahr werden die Verbindlichkeiten aber wegen der Investitionen der Gemeinde in Bauprojekte wie beispielsweise dem Rathaus, wegen energetischer Sanierung, dem Brandschutz und Umbau der Schulturnhalle zur Versammlungsstätte sowie dem Hochwasserschutz wieder steigen, so die Bürgermeisterin.
