Dienstag, 11.12.2018

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Engagement gegen Ausgrenzung und Gewalt

Emmy-Noether-Gymnasium ist „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ - 10.10.2014 19:00 Uhr

Feierstunde: Schüler und Lehrer haben sich verpflichtet, gegen Rassismus vorzugehen. Alt-Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg hat die Patenschaft für die Schule übernommen. © Harald Sippel


Die Patenschaft haben Alt-OB Dietmar Hahlweg und Peter Ohlendorf, Produzent des Films „Blut muss fließen“, übernommen. Zur Verleihung waren auch Stadträte und als Vertreterin der Stadt die CSU-Fraktionsvorsitzende Birgitt Aßmus gekommen.

„Schule ohne Rassismus“ ist – mit 1200 teilnehmenden Schulen — das größte deutsche Schüler-Netzwerk. Und es wird immer engmaschiger. Das vielfache Engagement lässt hoffen – vor allem angesichts aktueller Bilder von in einem deutschen Aufnahmelager misshandelten Flüchtlingen oder angesichts des NSU-Prozesses. Zudem komme dem EmmyNoether-Gymnasium ein besonderer Auftrag allein schon wegen seiner jüdischen Namensgeberin zu, sagte die Direktorin der Schule Gertrud Reichert-Brod bei der Titelverleihung.

Am Ende des Festabends bekam die Schule ein Schild überreicht, auf dem der Titel steht. Bernd Höfer, Regionalkoordinator des beim Bezirksjugendring verankerten Schüler-Netzwerks machte dabei deutlich: „Ein Schild aufhängen und das war’s dann – so funktioniert es eben nicht.“ Und er erinnerte daran, dass die Schule eine Selbstverpflichtung eingegangen sei, Rassismus, Gewalt und Ausgrenzung zu thematisieren.

70 Prozent der an der Schule Tätigen – von Schülern über Lehrer bis hin zum technischen Personal – hat diesen Codex unterschrieben. „Das müsst ihr jeden Tag mit Leben füllen“, sagte Höfer.

Der Ablauf des gesamten Abends ließ keinen Zweifel daran, dass genau dies geschieht. Das Emmy-Noether- Gymnasium hat ausgesprochen engagierte Schüler und Lehrer, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Sie führen bereits seit längerem Aktionen unter dem Motto „Gegen Rassismus“ durch und planen dies auch weiterhin. „Ich wünsche mir für unsere Schule eine Kultur des Hinschauens und Helfens – eben Courage“, sagte der Schüler Konstantin Neuwert.

Der Lehrer Axel Loyens wies in seiner Rede darauf hin, dass Rassismus jederzeit im Alltag anzutreffen sei und in extremer Form immer zu Völkermord führe. Bestürzend waren seine Schilderungen von Begegnungen mit Neonazis und deren Gewalttaten — und erschreckend, dass öffentliche Bekenntnisse einer derartigen Gesinnung — etwa eintätowierte Nazi-Embleme – fast schon nebenbei im Stadtbild auftauchen, als sei gar nichts weiter dabei.

Diesen Hinweis griff Alt-Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg auf. Er habe jahrelang das Gefühl gehabt, „dass Rassismus in unserem Land keine Chance mehr hat“, und sei im liberalen Erlangen darin bestärkt worden“, sagte er.

Doch die von Loyens genannten Beispiele zeigten, dass „trotz des Mottos ,Offen aus Tradition‘ auch wir in Erlangen allen Grund haben, aufmerksam zu sein.“

Eine besondere Verantwortung schrieb er der Schule „im Umgang mit Gefährdeten“ zu.

Denn Menschen, die anfällig seien für rassistisches Gedankengut gebe es in jeder menschlichen Gemeinschaft, vermutlich also auch in „Schulen ohne Rassismus“.

Man müsse darauf achten, dass auch diese sich angesprochen und nicht von vornherein ausgegrenzt fühlen. Andernfalls würden daraus Verhärtungen resultieren und am Ende Radikalismus. 

EVA KETTLER

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