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Erlangen: Burschenschaft bietet rechten Gruppen Plattform

Gesellschaftliche Gruppen wenden sich gegen Messe in der Burschenschaft Frankonia - 16.06.2015 12:00 Uhr

Das Haus der Burschenschaft Frankonia in der Loewenichstraße 16 ist Anfang Juni mit Farbbeuteln beworfen worden. Der genaue Schaden ist noch nicht bekannt.

Das Haus der Burschenschaft Frankonia in der Loewenichstraße 16 ist Anfang Juni mit Farbbeuteln beworfen worden. Der genaue Schaden ist noch nicht bekannt. © Foto: Harald Sippel


Die „Messe“ findet am Samstag, 4. Juli, auf dem Gelände der Burschenschaft Frankonia in der Loewenichstraße 16 statt. Das Rahmenthema der Veranstaltung lautet „Geopolitik und Einwanderung“. 14 Aussteller und acht Vorträge haben die Veranstalter bisher angekündigt.

Organisiert wird der „Zwischentag“ vom Verein „Journalismus und Jugendkultur“, dessen Vorsitzender Felix Menzel ist. Unter der Überschrift „Die Auswanderung tötet Afrika – die Einwanderung tötet Europa“ schreibt Chefredakteur Felix Menzel auf der Internetseite der Jugendzeitschrift „Blaue Narzisse“ im Hinblick auf die Messe: „Wer sich einwanderungskritisch äußert, ist damit kein Ausländerfeind, sondern muß im Gegenteil auch ihre Ausbeutung im Blick haben. Genau dies soll auf dem vierten „zwischentag“ geschehen – selbstverständlich jedoch nicht als eine inhaltlich feste Vorgabe, sondern als ein Diskussionsangebot.“ Die Politikwissenschaft ordnet die Jugendzeitschrift der Neuen Rechten zu.

Die Aktion Courage Erlangen kritisiert, dass der Verein „Journalismus und Jugendkultur“ und die Burschenschaft „Vertretern der akademisch-intellektuellen Rechten ein Forum“ geben. „Nationalistisches, rassistisches und diskriminierendes Denken und Handeln soll hoffähig gemacht werden“. Den Aufruf der Aktion Courage unterstützt ein breites Bündnis: Darunter die Stadt, der DGB, die CSU, die SPD, die FDP, die Grünen, die Grüne Liste, Amnesty International, Bildung Evangelisch, das römisch-katholische Dekanat, das evangelisch-lutherische Dekanat, der Ausländer- und Integrationsbeirat und ver.di. Aktion Courage wirft dem Verein weiter vor, dass er sich „gegen eine von ihm selbst konstruierte „Islamisierung und Überfremdung“ wende: „Diese rassistische Ideologie unterscheidet Menschen nach ihrer geographischen Herkunft. Sie erkennt die Gleichwertigkeit aller Menschen nicht an.“

Brief der Burschenschaft an Oberbürgermeister Janik

Inzwischen hat sich die Burschenschaft Frankonia in einem Brief an Oberbürgermeister Florian Janik gewandt. Die Frankonia thematisiert darin einen Farbbeutelanschlag auf ihr Haus in der Loewenichstraße. „Es ist zu vermuten“, schreibt Wolfgang Fischer, zweiter Vorsitzender des Altherrenverbandes der Erlanger Franken e. V., „dass die jüngste Straftat im Zusammenhang mit der demnächst auf unserem Haus stattfindenden Freien Messe „Zwischentag“ steht und der Einschüchterung des Vermieters und der Gäste oder gar der Verhinderung der Veranstaltung dienen soll.“

Nachdem das Stadtoberhaupt sich in den EN deutlich von der Veranstaltung distanziert hatte („Ich finde es widerlich, wenn sich Rechte in unserer Stadt tummeln.“), hatte Fischer mehrere Fragen an den OB formuliert — darunter etwa welche Maßnahmen er und die Stadt „ergreifen, damit die Veranstaltung „Zwischentag“ friedlich und ungestört ablaufen kann?“

Oberbürgermeister Janik meinte dazu: „Als Stadt sind wir natürlich — gemeinsam mit der Polizei — verantwortlich für die Sicherheit.“

Politisch lehnt der OB die Veranstaltung aber nach wie vor ab: „Sie bringt jede Menge geistiger Scharfmacher in die Stadt, die nach außen harmloser wirken als Nazis in Springerstiefeln. Sie stellen sich aber mit einer Messe wie dieser gegen die demokratische, offene und pluralistische Gesellschaft. Ihnen muss man mit demokratischen Mitteln in aller Deutlichkeit entgegentreten, auch und gerade vor Ort“, sagte Janik auf Anfrage.

  

RALF H. KOHLSCHREIBER

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