Sonntag, 18.11.2018

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Erlangen: "Himbeerpalast" für Philosophen und Theologen

Beschluss zum Kauf der ehemaligen Siemens-Hauptverwaltung eröffnet für die Erlanger Universität neue Möglichkeiten. - 06.07.2018 18:00 Uhr

Eine Grünfläche erstreckt sich im Hof des kastellartig gebauten „Himbeerpalastes“ in Erlangen, den die Universität bis 2023 beziehen soll. © Harald Sippel


Derzeit, und bis zum voraussichtlichen Ende des geplanten Umbaus im Jahr 2023, ist die Philosophische Fakultät der FAU auf mehrere Standorte verteilt, die sich teilweise in einem baulich bedenklichen Zustand befinden. Mit dem 46 000 Quadratmetern Fläche des "Himbeerpalastes" als künftigem Standort wäre eine Konzentration der Philosophischen Fakultät und des Fachbereichs Theologie mit ihren rund 50 verschiedene Disziplinen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie den religionsbezogenen Wissenschaften möglich. Bis auf das neue Juridikum sollen die Gebäude abgerissen werden und Platz machen für Neubauten des Uniklinikums und der Medizinischen Fakultät.

Mit dem Umzug ins neue Chemikum im Südgelände soll das alte Gebäude in der Henkestraße für ein neues Hörsaalzentrum abgerissen werden. Dazu wird aber erst noch das zweite neue Chemikum auf dem Südgelände, wie seit fünf Jahren geplant, benötigt. Als Übergangslösung ist der Bau zweier temporären Hörsäle für je 800 Studenten in Holzbauweise auf dem Südgelände geplant, denn auch das Kollegienhaus mit seinen vielen großen und kleinen Hörsälen muss demnächst renoviert werden.

Für die universitären Zwecke müsste die denkmalgeschützte ehemalige Erlanger Siemens-Hauptverwaltung – so hat die Universität ihr Raumprogramm schon definiert – durch eine Innenhofbebauung für eine neue Zentral-Bibliothek und durch einen Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft ergänzt werden. Der Umzug in den Himbeerpalast wird eine deutliche Verlagerung nach Süden bedeuten – eine Entwicklung, die den absehbaren Verlagerungseffekt durch den Bau des Siemens-Campus und den Umzug des Unternehmens aus der Stadtmitte heraus noch verstärkt und die Stadtplanung vor große Herausforderungen stellen wird.

Das Haus selbst – von 1948 bis 1953 in fünf Bauabschnitten entstanden und bis heute weitgehend unverändert – gilt in seiner Stahlbetonbauweise als "für die Ewigkeit gebaut", erlaubt aber im Inneren bauliche Veränderungen. Im 1949 entstandenen Südflügel, dem ersten Bauteil, wurde im fünften und sechsten Flur (dem dritten und vierten Stockwerk) ein Vortragssaal eingebaut, der fast 400 Personen fasst und – neben Firmenzwecken – auch Konzerten und Theateraufführungen diente. Der ganze Komplex, der einst 3500 Arbeitsplätze beherbergte – heute sind es unter 1000 – wirkt mit seiner geschlossenen Bauweise fast wie ein Kastell. Im Baustil orientiert sich der von Hans Hertlein konzipierte Palast an der Bautradition der 1920er Jahre und ähnelt der Berliner Siemensstadt.

Ausschließlich Neubauten bestimmen dafür das Gesicht der Technischen Fakultät der FAU. Diese ist derzeit auf mehrere Standorte verteilt und soll künftig auf dem Campus im Erlanger Süden zusammengeführt werden. Zudem soll ein Teil des nahen und im Bau befindlichen Siemens-Campus erworben werden. Damit soll der weiter wachsenden Bedeutung der Fakultät Rechnung getragen werden – einer Fakultät, die bei ihrer Gründung auf 1500 Studierende ausgelegt war, heute aber über 11 000 Studentinnen und Studenten ausbildet. Noch offen sind allerdings viele Fragen, die sich aus der beschlossenen Neugründung einer Technischen Universität Nürnberg ergeben.

Als Wermutstropfen gilt die Entscheidung des Kabinetts, die Lehrerbildung in Nürnberg zu belassen. Zwar muss die Erziehungswissenschaftliche Fakultät aus baulichen Gründen umziehen – aber nicht nach Erlangen, wo sie aus Gründen eines kompakten Lehrbetriebs eher hingehört. Allerdings soll der neue Standort im Nürnberger Norden von Erlangen aus gut erreichbar sein. 

PETER MILLIAN

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