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Erlangen: Landesgartenschau-Gegner machen mobil

Gegner müssen etwas mehr als 4000 Unterschriften sammeln - 18.11.2016 06:00 Uhr

Wie viel Freizeitaktivität verträgt die Wöhrmühlinsel (unser Bild zeigt hier den ehemaligen Campingplatz)? © Harald Sippel


Die Kleinen gegen die Großen im Stadtrat: Während sich CSU-Fraktion und Ampel-Koalition klar für die Landesgartenschau in Erlangen aussprechen, lehnen Freie Wähler, ÖDP und Linke diese geschlossen ab. Verbündete haben sie dabei nicht nur mit Umwelt- und Naturschutzaktivisten in Stadt und Landkreis. Auch der Landesverband Bayern der Tierschutzpartei übt Kritik an den Plänen der Stadtratsmehrheit. Mit dem Bürgerbegehren „Stoppt die Landesgartenschau in Erlangen“ blasen die Gegner des Projekts jetzt zum Gegenangriff.

Die Hürde für ein erfolgreiches Bürgerbegehren ist allerdings hoch: In die Unterschriftenlisten müssen sich mindestens fünf Prozent der wahlberechtigten Erlangerinnen und Erlanger eintragen. Zum Vergleich: Beim Bürgerbegehren für die Stadt-Umland-Bahn (StUB) waren genau 4120 Unterschriften gefordert. Die Listen sollen in Geschäften ausliegen, außerdem können sie im Internet heruntergeladen werden. An wechselnden Standorten in der Stadt will die Initiative darüber hinaus mit einem Infostand für ihre Sache werben und ebenfalls Unterschriften sammeln.

Die Gegner der Landesgartenschau fürchten dabei vor allem eine nachhaltige Zerstörung des Biotops Regnitzinsel. Das Gelände westlich der Autobahn, auf dem die Landesgartenschau stattfinden soll, liegt mitten im Landschaftsschutzgebiet. „Die Stadt spricht von einer ökologischen Aufwertung, das Gegenteil ist der Fall“, sagt der Umwelt- und Tierschutzaktivist Klaus Tuffner. Für völlig unnötig hält Tuffner darüber hinaus die geplanten Sport- und Freizeitflächen sowie die Grillplätze auf diesem Areal. Das sei „völlig unnötig im Biotop“.

Nicht nur ökologische Bedenken führen die Gartenschau-Kritiker ins Feld: Sie fürchten auch eine Verschwendung von Steuergeldern. So komme es im Wiesengrund immer wieder zu starken Hochwässern, meint Frank Höppel (ÖWG). Bei einer Überflutung des Geländes würden deshalb Beete und andere Anlagen beschädigt oder zerstört. Dies führe wiederum zu unnötig hohen Kosten. Zwar habe es in den vergangenen fünf Jahren dort „keine schlimmen Hochwasser“ gegeben. „Das heißt aber nicht, dass das in Zukunft so bleibt.“

Sowohl für Höppel als auch für Anton Salzbrunn (Die Linke) ist die Landesgartenschau ein „Luxusprojekt“ mit unkalkulierbaren Kostensteigerungen. Salzbrunn prophezeit: „Die Stadt wird auf einem Großteil der Kosten sitzen bleiben.“ Einzelne Bestandteile wie zum Beispiel die geplante Brücke über die A 73 seien teuer und aufwendig zu bauen, weil eine große Höhendifferenz überwunden werden müsse. Um Barrierefreiheit zu gewährleisten, müssten teure Aufzüge installiert werden. Deshalb sei die Brücke, so Klaus Tuffner, „reine Geldverschwendung“. Geld werde stattdessen an anderen Stellen, zum Beispiel für Turnhallen, dringender benötigt. Völlig ungeklärt sei zudem die Zukunft des Jugendhauses auf der Wöhrmühlinsel – und welche Wege die rund 8000 Radler, die täglich den Wiesengrund queren, im Falle einer Gartenschau befahren können. Die von der Stadt vorgelegte Broschüre sei, so Frank Höppel, „eine dicke Ideensammlung, aber kein fertiges Konzept“. Konzeption und Attraktivität des Geländes sind aus Sicht der Gegner  ebenso fraglich.

Die Auffassung der Befürworter, dass eine Landesgartenschau in Erlangen auch wirtschaftlich erfolgreich werden kann, teilen die Kritiker nicht: „Wir haben da berechtigte Zweifel“, so Anette Wirth-Hücking (FWG).

Nicht zuletzt wollen die Gartenschau-Gegner den Großparkplatz erhalten, der im Zusammenhang mit der Landesgartenschau bebaut werden soll.

Barbara Grille (ÖWG) geht davon aus, dass dies vor allem der Altstadt schaden würde. „Durch die lange Bauzeit werden weniger Kunden in die Altstadt kommen.“ Grille weiter: „Was soll an der Bebauung des Großparkplatzes attraktiv sein?“ Gunter Moll (FWG) erkennt in der Landesgartenschau sogar ein „Trojanisches Pferd“, um mehr Geld beim Verkauf des Großparkplatzes herausschlagen zu können. 

MARKUS HÖRATH

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