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Erlangen: Letzter Vorhang im Mühlentheater ist gefallen

Die Kleinkunstbühne in Kleinseebach ist nach der schweren Erkrankung ihres Chefs Gerd Fischer Geschichte - 25.11.2016 06:00 Uhr

Das Theater in der Kleinseebacher Mühle ist Geschichte, die Gastronomie wird wohl weitergehen. © Foto: Harald Sippel


Seit 1992 hatte das Mühlentheater im Möhrendorfer Ortsteil Kleinseebach – eigentlich war das Mühlentheater aber ein Ort für sich – seinen Theater-, Musical-, Kabarett- und Kleinkunstbetrieb aufgenommen, hatte sich die angegliederte Gastronomie als attraktiver Veranstaltungsort für private und öffentliche Feiern und Feste etabliert. Damals war es noch das zweite Standbein des Musiklehrers, Schauspielers, Parodisten und Opernsängers Gerd Fischer, der seit 1982 im Nürnberger Stadtteil Gostenhof das „Tassilo“-Theater betrieb. Für dieses Theater kam im März 2013 das Ende – Fischer hatte seine (auch finanziellen) Kräfte überschätzt, er sagte damals, er habe sich selbst verheizt.

Drei Jahre zuvor — es war das Jahr 2010 – war auch das Mühlentheater in schwere Turbulenzen geraten, es war eine Zitterpartie, bis es weitergehen konnte. Da hatte Fischer, um den künstlerischen Betrieb zu retten, die Immobilie verkaufen müssen – der historische Gebäudekomplex aus dem 19. Jahrhundert war bereits auf Versteigerungs-Listen aufgetaucht. Der neue Eigentümer, dessen Namen Fischer wunschgemäß nicht nennen will – so viel ist bekannt, dass es sich um einen praktizierenden Psychologen handelt – , hatte Fischer den Fortbestand des Theaters garantiert. Mit der schweren Erkrankung des heute 73-jährigen Theatermachers ist nun aber der „Motor“ des Kulturbetriebs ausgefallen. Fischer erklärt im Gespräch mit den EN, dass er davon ausgehe, dass zumindest der gastronomische Betrieb in dem Anwesen wieder aufgenommen wird, „der neue Eigentümer renoviert gerade“. Er selbst habe in dem Wohnhaus gegenüber dem Theater ein dauerhaftes Wohnrecht.

Als Hauptgründe für die Turbulenzen machte Fischer vor sechs Jahren ausbleibende Zuschüsse des Freistaats und des Bezirks verantwortlich, richtig kritisch wurde es, als ein fest eingerechneter 50 000-Euro-Landeszuschuss wegbrach.

Bereits im Frühjahr 2006 hatte das bayerische Kultusministerium kritisiert, dass Fischers Bühne die Förderkriterien nicht erfülle und er deshalb keine weiteren Gelder bekomme. Die Voraussetzung, nämlich jährlich 100 Vorstellungen, davon die Hälfte mit einem eigenen Ensemble, konnte Fischer nicht erfüllen. Auch die Zuschüsse aus dem Kreistag Erlangen-Höchstadt blieben aus.

Nach einer trotzdem erfolgreichen Rückkehr der Bühne – mit Musicals und Stars wie Ottfried Fischer sowie leichter Krimi-Kost ließ sich offenbar doch Geld verdienen – machte dem Intendanten seine fortschreitende Krankheit immer mehr zu schaffen, bis im Frühjahr 2016 die letzte Aufführung stattfand. Seitdem ruhen der Theater- und der gastronomische Betrieb. Auf der Internet-Seite des Mühlentheaters Kleinseebach steht derzeit nur: „Diese Domain steht zum Verkauf“. Der kranke Gerd Fischer zeigt wenig Optimismus, dass es einen Interessenten zum Kauf dieser Homepage gibt. 

PETER MILLIAN

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