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Erlangen nach dem StUB-Entscheid: Jetzt spricht die CSU

CSU-Kreisvorsitzende Alexandra Wunderlich zum Ausgang des Bürgerentscheids - 12.03.2016 06:00 Uhr

Nach dem Bürgerentscheid in Erlangen können die Planungen für die Stadt-Umland-Bahn im Zweckverband beginnen. © Eduard Weigert


So sagte die CSU-Kreisvorsitzenden Alexandra Wunderlich am Wahlabend gegenüber den Erlanger Nachrichten: "Es ist eine Schlacht verloren, aber nicht der Krieg." Ein Zitat, für das sie in den sozialen Netzwerken heftige Kritik einstecken musste. Dazu und über den Zustand der CSU nach der Abstimmung befragten wir die Erlanger Kreisvorsitzende.

Frau Wunderlich, gegen wen führt die CSU "Krieg"? Ging es Ihnen bei der Abstimmung etwa vor allem darum, dem Oberbürgermeister Janik eine persönliche Niederlage zu bescheren?

StUB-Gegnerin: CSU-Kreisvorsitzende Alexandra Wunderlich. © F.: Rödel


Alexandra Wunderlich: Zunächst einmal bedaure ich ausdrücklich meine Wortwahl. Wer mich kennt, weiß, dass mir alles Martialische fern liegt. Die aufgeheizte Stimmung der letzten Wochen fand am Sonntagabend einen für uns sehr unerfreulichen Abschluss, auch weil wir nach vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern einen knapperen Ausgang des Bürgerentscheids erwarten konnten. Unsere kritische Haltung zur StUB und der damit verbundenen Kostenbelastung für den Stadthaushalt teilen immerhin 40 Prozent der Abstimmenden. Die Auseinandersetzung um unsere Kritikpunkte war und ist auch weiterhin legitim, aber klar ist auch: Wir führen keinen "Krieg". Nicht in der Sache und schon gar nicht gegen Personen.

Ist die CSU ein schlechter Verlierer?

Alexandra Wunderlich: Nein, wir respektieren als gute Demokraten diese deutliche Entscheidung, und ich bin sicher, das wissen die Erlangerinnen und Erlanger auch.

Mit ihrem Eintreten gegen die StUB hat sich die CSU Erlangen in der Region isoliert und den eigenen Stimmkreisabgeordneten und bayerischen Innenminister Joachim Herrmann, einen erklärten StUB-Befürworter, im Regen stehen lassen. Selbst Parteifreunde aus Nürnberg und im Landkreis Erlangen-Höchstadt schütteln darüber den Kopf. Auch insgesamt hat die CSU Erlangen in Sachen StUB einen regelrechten Schlingerkurs hingelegt: vom Gegner zum Befürworter und wieder zum Gegner. Waren Sie bei der Entscheidung, sich gegen die StUB auszusprechen schlecht beraten?

Alexandra Wunderlich: Es gab in unseren Parteigremien und in der Stadtratsfraktion eine ausgesprochen intensive Meinungsbildung und am Ende standen offene Abstimmungen. Diese ergaben klare Mehrheiten gegen die Stadt-Umland-Bahn und den Auftrag an den Vorstand, das auch mit Nachdruck öffentlich zu vertreten. Dass Innenminister Joachim Herrmann eine andere Auffassung vertritt, war zum Zeitpunkt dieser Abstimmungen allen bekannt. Wir waren uns aber auch alle einig, dass eine Volkspartei wie die CSU einen solchen Dissens in einer (!) Sachfrage aushält und dass die jeweils andere Position zu respektieren ist. Dass wir in der Region isoliert wären, kann ich nicht erkennen.

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Die Parteikollegen in Nürnberg und im Landkreis tun sich aber leichter in ihrer Abwägung, denn die finanziellen Beträge für die Investition stellen Erlangen vor eine riesige Herausforderung, während Nürnberg und Herzogenaurach zusammen nur ca. die Hälfte des Erlanger Anteils zu tragen haben. Das bitte ich nicht zu vergessen. Und als Stadträtin sage ich: Wir haben als Erlanger Mandatsträger auch unsere eigene Verantwortung. In der CSU-Fraktion sind wir in der ganz großen Mehrheit nicht überzeugt, dass Erlangen sich dieses Projekt finanziell wirklich leisten kann.

Politisch haben Sie als Kreisvorsitzende die Niederlage beim Bürgerentscheid zu verantworten. Werden Sie weiter im Amt bleiben?

Alexandra Wunderlich: Man formuliert in einer Partei gemeinsame Positionen und setzt sich dafür ein. Mal gewinnt man dann gemeinsam, mal verliert man gemeinsam. Ich habe keinen Grund zurückzutreten, aber wir haben viel Arbeit vor uns.

Wie will der CSU-Kreisverband Erlangen nach der Entscheidung vom Sonntag weiter mit dem Thema Stadt-Umland-Bahn umgehen?

Alexandra Wunderlich: Konstruktiv-kritisch. 

Interview: MARKUS HÖRATH

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