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Erlangen: Plattenspieler-Manufaktur liefert in alle Welt

Das 1978 gegründete Unternehmen Clearaudio ist bekannt für Hifi-Geräte höchster Präzision - 20.09.2016 15:00 Uhr

Robert Suchy hat 2008 zusammen mit seinen Geschwistern Veronika und Patrick die Geschäftsleitung von Clearaudio übernommen.

Robert Suchy hat 2008 zusammen mit seinen Geschwistern Veronika und Patrick die Geschäftsleitung von Clearaudio übernommen. © Ilona Hörath


In seinem Büro in der Spardorfer Straße hängt die goldene Schallplatte von Gitarrengott Santana: Das Geschenk eines Freundes zu Robert Suchys 40. Geburtstag. Eine goldene Schallplatte habe er sich immer gewünscht, erzählt er. Jetzt hat er sogar zwei. Die andere steckt in einer edlen nachtblauen Samtbox. Ein Kunde hat sie ihm geschenkt, es ist Wagners „Tristan und Isolde“. „Man kann sie wirklich abspielen“, sagt Robert Suchy, der zusammen mit seinen Geschwistern Veronika und Patrick die Geschäfte der Erlanger Edel-Hifi-Schmiede Clearaudio führt.

Robert Suchy berichtet von Kunden, die „vor Freude Tränen in den Augen haben“, wenn sie Musik von Schallplatte hören. Zum Beispiel auf Clearaudios Plattenspieler-Einsteigermodell für rund 1000 Euro oder einem Spitzenmodell, das schon mal 100 000 Euro oder mehr kosten kann. Tränen in den Augen – das mag vielleicht ein wenig pathetisch klingen. Doch Suchy lebt die Idee, spricht vom „Zauber des Musikhörens“ von „Gänsehautfeeling, wenn man Musik in ihrer Reinheit und Klarheit erlebt“.

Tatsächlich gibt es seit einiger Zeit eine Renaissance der Vinyl-Platte. Selbst Filialisten räumen der schwarzen Scheibe wieder Platz im Regal ein. Laut Bundesverband Musikindustrie sorgte die Schallplatte 2015 mit einem Wachstum von 32,2 Prozent für 3,3 Prozent der Umsätze im Musikmarkt. „Plattenspieler sind wieder salonfähig“, weiß Robert Suchy. Und auch die Jugend entdecke das Nischen-Medium neu.

Gegründet wurde Clearaudio 1978 von Robert Suchys Vater Peter. Dieser startete zunächst mit der Entwicklung und dem Bau von Lautsprechern, später kamen Tonabnehmer hinzu. Ab 1990 konzentrierte sich Clearaudio voll und ganz auf die Herstellung von Plattenspielern. Nicht irgendwelche, sondern „qualitativ hochwertige Produkte, die einen ein Leben lang begleiten“, sagt Robert Suchy, der seit 2008 mit seinen Geschwistern die Geschäftsführung innehat. Vater Peter tüftelt aber noch immer im Hintergrund weiter. „Nimm das Beste, mach es besser und dann ist es gerade gut genug“ — nach diesem Leitspruch des Vaters handelt das Geschwistertrio, entwickelt Tonabnehmer, Tonarme, Laufwerke und spezielle Plattenwaschmaschinen und liefert diese mittlerweile in 81 Länder der Welt.

In einigen Plattenspielern wird zum Beispiel sogenanntes Panzerholz verbaut. „Das verleimte Holz wird unter dem Druck von 60 Tonnen gepresst, so dass es sehr steif wird“, erklärt der gelernte Feinmechaniker Robert Suchy, „und keine störenden Resonanzen mehr erzeugt, wenn die Platte spielt.“ In anderen Modellen sorgen zum Beispiel berührungslose Magnetantriebe für einen „absolut ruckel- und rumpelfreien Lauf des Plattenspielers“. „Es gibt überall Potenziale, die Lagerung des Plattentellers und die Materialien zu verbessern.“

Das Familienunternehmen mit seinen rund 50 Mitarbeitern steht gut da. „Wir sind überproportional ungewollt gewachsen“, sagt Suchy, „und haben in jedem Jahr zwischen einer halben und einer Million mehr Umsatz gemacht.“ Zehn Millionen Euro waren es 2015, in diesem Jahr erwartet er 11 Millionen Umsatz, als Hauptmarkt gelten die USA. In den vergangenen beiden Jahren war die Nachfrage nach den exklusiven Clearaudio-Plattenspielern sogar so groß, dass es zu Produktionsengpässen kam. „Die haben wir beseitigt.“ Zu 20 Prozent produziert Clearaudio auch für andere Edel-Hersteller wie etwa McIntosh oder Marantz.

Mehr als 60 Prozent der Plattenspielerteile stellt Clearaudio im Firmengebäude an der Spardorfer Straße selbst her, dazu kommt der komplette Zusammenbau. Plattenteller oder spezielle Holzzargen stammen von Zulieferern, „möglichst aus der Region oder aus Bayern“. Aus Platzgründen befindet sich ein Teilelager in Tennenlohe. „Erlangen hat ein Riesenproblem mit Gewerbeflächen, Unternehmen können nicht wachsen“, meint Robert Suchy.

Ja, man habe darüber nachgedacht, nach Baiersdorf oder Forchheim umzuziehen. Aus wirtschaftlicher Sicht hätte man längst Erlangen verlassen müssen, sagt Suchy weiter. Aus „Treue zu den Mitarbeitern und auf Grund der Verwurzelung in der Stadt bleiben wir hier und machen das Beste daraus.“

Nach Robert Suchys Einschätzung wird Vinyl sich noch weitere fünf Jahre verkaufen. Um jedoch gerüstet zu sein, plant Clearaudio das Produktportfolio und damit die „Premiummarke Clearaudio im hochwertigen Hifi-Sektor“ auszubauen. „Wir wollen innerhalb von fünf Jahren ein Vollsortimenter werden.“ Das heißt, dass Clearaudio dann auch hochwertige Verstärker, Lautsprecherboxen und Kopfhörer anbieten wird.

Erstmals veranstaltet Clearaudio einen Tag der offenen Tür. Am Freitag, 23. September, von 14 bis 18 Uhr kann man einen Blick hinter die Kulissen der Manufaktur werfen. Da es wenig Parkplätze gibt, empfiehlt sich die Anfahrt mit ÖPNV (Haltestelle Rennesstraße) oder dem Fahrrad. 

ILONA HÖRATH

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