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Erlangen: Stadt sucht nach Wohnraum

Beim Wachstumsprozess sollen Bürger miteinbezogen werden - 16.03.2018 06:00 Uhr

Wohnungen schaffen: An der Schenkstraße verdichtet die Gewobau nach, unter anderem durch Aufstockungen und der Errichtung weiterer Häuser, die ins bestehende Areal hineingebaut werden. © Harald Sippel


Mit der Veranstaltung "Bezahlbarer Wohnraum — Lebenswerte Stadt" möchte die Stadt am Freitag den Bürgern im Rathaus die Herausforderungen nahe bringen, die ihrem Handeln zugrunde liegen.

OB Florian Janik hat vor vier Jahren sein Amt mit dem Versprechen angetreten, bis 2020 in Erlangen 1000 neue Wohnungen zu schaffen. Der Bedarf, so viel zeichnet sich jetzt schon ab, dürfte indes noch größer werden. 1830 Anträge auf Sozialwohnungen liegen der Stadt derzeit vor. In den letzten beiden Monaten konnten jedoch gerade mal neun Wohnungen vergeben werden.

"Wir stehen unter Zeitdruck", erklärt Sozialbürgermeisterin Elisabeth Preuß im Vorfeld der Veranstaltung "Bezahlbarer Wohnraum — Lebenswerte Stadt" gegenüber dieser Zeitung. "Wir müssen das Verfahren beschleunigen." Das, so hofft man nun bei der Stadt, könne erreicht werden, wenn man einen Umweg einschlägt. Den Umweg über die Bürgerbeteiligung. "Wir erhoffen uns, dass wir somit bedürfnisorientiert und zügig arbeiten können und damit schneller ans Ziel kommen", so Preuß.

Das Thema "Wohnen" ist einer von vier Themenkomplexen, derer die Stadt sich intensiv annehmen will. Begonnen wurde Mitte 2016 mit dem Bereich Langzeitarbeitslosigkeit (künftige Bereiche sind "Teilhabe" und "Flüchtlinge"), im Herbst 2017 folgte dazu ein zweiter Workshop. Dabei wurde ein Maßnahmenkatalog erarbeitet, der jetzt umgesetzt wird. Und ganz wichtig: Mit am Tisch saßen von Anfang an Arbeitslose. Denn entscheidender Bestandteil des Konzepts war, Betroffene miteinzubeziehen.

Das ist jetzt genauso. "Aus Sicht der Wohnungssuchenden": Unter diesem Titel werden heute die Ergebnisse von Interviews vorgestellt, die mit vier Gruppen durchgeführt wurden — mit Studierenden, mit zwei Frauengruppen, mit einer Gruppe von Menschen, die beim Sozialamt auf der Warteliste für eine Wohnung stehen.

Wohnungssuchende befragt

"Wir haben die befragt, die bisher keine Lobby hatten und deren Meinung sonst nicht gehört wird", sagt Elisabeth Preuß. "Menschen, die seit Jahren verzweifelt auf eine Wohnung warten, Wohnungslose, prekär Wohnende". Die Interviewten sind eingeladen, weiterhin dabeizubleiben. Andere Interessierte können noch dazustoßen.

Denn das Forum Wohnen will künftig einmal jährlich eine Veranstaltung für die Gesamtstadt abhalten. Vor allem aber sollen mobile Foren in den Stadtteilen stattfinden, in denen gebaut werden soll. Verwaltung und Politik wollen vor Ort mit den Bürgern sprechen. Zum Beispiel in Büchenbach Nord.

Durch die Interviews wird die Sicht von Betroffenen aus den vier Fokusgruppen deutlich. "Es ging um die Erfahrungen bei der Wohnungssuche. Darum, was sie sich an Verbesserungen wünschen und was in ihren Augen die größten Probleme sind", sagt Bernd Schnackig. Der Diözesansekretär beim Erzbistum Bamberg und Mitglied des Ratschlags für soziale Gerechtigkeit, der im Jahr 2010 ins Leben gerufen wurde, stellt die Ergebnisse bei der heutigen Veranstaltung vor.

So klagten beispielsweise die Studierenden über die oftmals sehr kurzen Fristen bei der Studienplatzvergabe, die dazu führen, dass eine Bleibe unter großem Zeitdruck gesucht werden muss. "Die Studierenden erfahren zu wenig Unterstützung von der Universität oder vom Studentenwerk, um kurzfristig eine Wohnung zu finden", sei ein Ergebnis der Befragung, so Schnackig. Dann würden auch schon mal Mietpreise von 360 Euro für eine zwölf Quadratmeter große Studentenbude gezahlt. Die Alternative? Sich eine preisgünstige Wohnung im Umland suchen. Dagegen spricht jedoch aus Studentensicht der unzureichende ÖPNV-Anschluss.

Das Preisniveau in Erlangen sei aber selbstverständlich auch für andere Bevölkerungsgruppen ein großes Problem, so Schnackig. Wie groß, lassen Wartezeiten von mehreren Jahren auf eine Sozialwohnung erahnen. Eine Antwort gab es auch auf die Frage, warum mögliche Lösungsansätze wie zum Beispiel Wohnungstausch nur bedingt funktionieren. Denn wer bereit sei, nach dem Auszug seiner Kinder eine große gegen eine kleine Wohnung einzutauschen, werde unter Umständen damit konfrontiert, dass der Mietpreis kaum geringer sei. "Dann verlieren die Leute die Lust, an einem Wohnungswechsel festzuhalten."

Hingewiesen haben die Interviewten auch auf Diskriminierungen. Die erleben Ausländer ebenso wie Familien oder Alleinerziehende mit Kindern. "Leute ohne Kinder werden von Vermietern bevorzugt", berichtet Bernd Schnackig. 

EVA KETTLER

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