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Erlanger E-Werk im Trompeten-Sturm genommen

Die aus Rumänien stammende Fanfare Ciocârlia heizte gut gelauntem und tanzbereitem Publikum mächtig ein - 04.11.2016 17:00 Uhr

Ließen die Posaunen von Jericho verstummen: Die Fanfare Giocârlia bei ihrem Auftritt im E-Werk. © Foto: Millian


Als vor 18 Jahren mit dem Film „Schwarze Katze, Weißer Kater“ eine vom serbischen Regisseur Emir Kusturica verfilmte Liebeserklärung an den Balkan und die Donau in unsere Kinos kam, waren die Zuschauer auch von der Filmmusik der Kapelle Zabranjeno pušenje begeistert – so wilde Rhythmen hatte man selten gehört. Danach gab es kein Halten mehr, die vertrackten ungeraden Metren und extrem schnellen Rhythmen eroberten die Gehörgänge der Mitteleuropäer.

Große Disco

Seit ihrer Entdeckung Mitte der 90er Jahre erobert nun die Fanfare Ciocârlia Europa im Sturm. Mit ihrer gepfefferten Blasmusik – Vorsicht: extrem lautstark! – erreicht die Band heute auch ein Publikum, das man eher im Punk-Milieu oder in den nächtlichen Discos vermuten könnte. Und so verwandelte sich der große Saal im Erlanger E-Werk in eine große Disco, als von der Bühne Neunachtel-Metren herunterfetzten und in die Beine (meist weiblicher) Tanzfreaks fuhren.

Dass die Band offenbar einen Wettbewerb um die schnellsten Läufe auf Tuba, Trompete oder Saxofon gewinnen will, tut der Sache kaum einen Abbruch, da sie atemberaubend sicher zu intonieren versteht – da verwischt kein Ton, da gehen kein Solo und kein Trommelwirbel verloren, da bleibt große Durchhörbarkeit trotz des wilden Blasinstrumente-Getümmels auf der fast überladenen Bühne.

Manchmal wünscht man sich als bloßer Zuhörer einen Wechsel der Gangart in etwas ruhigere Gewässer – aber selbst ein Blues (den die Band übrigens selbst bei „Summertime“ aus der West Side Story absolut stilsicher hinbekommt) endet im wilden Tanzrhythmus — stets begeistert beklatscht von einem Publikum, das fetzigen Sound will und fetzigen Sound bekommt.

Einer der Komponisten des Filmemachers Emir Kusturica ist der 66-jährige bosnische Jazzer und Rockmusiker Goran Bregovic. Er hatte in den 70ern den Jugo-Sound „erfunden“ und viele Hits über die Grenzen seines Landes gebracht. Die auch nicht mehr ganz junge Fanfare Giocârlia ist eine würdige Vertreterin des Balkan-Sounds.  

PETER MILLIAN

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