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Erlanger Experte: "Man muss Nanopartikel testen"

Tagung befasst sich mit Folgen der Substanzen auf Mensch und Natur - 18.02.2016 12:00 Uhr

Herr Professor Alexiou, woran erkenne ich, wenn in meiner Zahnpasta Nanopartikel sind?

Christoph Alexiou: Erkennen können Sie selber das nicht wirklich, weil die Teile sehr, sehr klein sind. Die Hersteller der Produkte müssen aber auf der Verpackung angeben, aus was die Zahnpasta oder eine Creme besteht.

 

Welche Folgen hat das?

Alexiou: Langzeitstudien müssen noch erstellt werden. Deshalb muss man untersuchen, in welchen Grenzen potenzielle negative Einflüsse auf den Menschen oder die Umwelt zu erwarten sind. Da gilt der Spruch von Paracelsus: Die Dosis macht das Gift.

 

Das heißt konkret?

Alexiou: Wir haben gezeigt, dass bestimmte Nanopartikel keine negativen Einflüsse haben, sondern dass sie der Körper normal aufnimmt. Man hat zum Beispiel den Gehalt von Titandioxid, also Nanopartikeln in Sonnenschutzmitteln, untersucht und festgestellt: Hier gibt es keine negativen Folgen. Aber das ist eben nur ein Produkt. Für weitere Aussagen muss man jede Substanz testen.

 

Ob es riskant ist, wenn die Hände mit Farben in Berührung kommen, die Nanopartikel enthalten? Forscher streiten darüber.

Ob es riskant ist, wenn die Hände mit Farben in Berührung kommen, die Nanopartikel enthalten? Forscher streiten darüber. © Gerti G. / photocase.com


Ließen sich Nanopartikel in Alltagsprodukten ersetzen?

Alexiou: Das ist schwierig, weil die Zubereitungen von diesen Produkten immer besser und wirkungsvoller werden. Dass Schuhcremes immer wasserabweisender sind, liegt mit daran, dass sie Nanopartikel enthalten, die sie wasserabweisender machen. Auch Lacke werden widerstandsfähiger gegen Verschmutzung und mechanische Irritationen.

 

Wie ist es in der Krebstherapie? Alexiou: Wir können mit Nanopartikeln in der Krebstherapie einen gezielten Wirkstofftransport vermitteln. Wenn jemand eine Chemotherapie erhält, bekommt er sie systemisch, also in die Vene oder in Tablettenform. Das verteilt sich im ganzen Körper. Die Nebenwirkungen sind relativ hoch.

 

Die Medikamente werden durch Nanopartikel also gezielter in der Therapie eingesetzt?

Alexiou: Ja, man koppelt an die Nanopartikel die Medikamente und lenkt sie entsprechend zum Tumor, bei uns zum Beispiel mit Hilfe von Magnetfeldern. So therapiert man wirklich nur das bösartige Gewebe und schont die gesunden Körperteile. Gezielter Wirkstofftransport zum Tumor und Schonung gesunden Gewebes — das ist der Vorteil von Nanopartikeln in der Krebstherapie.

Die Veranstaltung steht am Freitag, 19. Februar, ab 9 Uhr, im Rudolf-Wöhrl-Hörsaal (Östliche Stadtmauerstraße 11) allen Interessierten offen. Anmeldung und Info: (09131) 85-3 31 42 (Tel.) sowie (0 91 31) 85-3 48 08 (Fax) und seon@uk-erlangen.de

www.hno-klinik.uk-erlangen.de/seon-nanomedizin/  

Interview: SHARON CHAFFIN

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