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Erlanger Forscher testen Energiespeicher der Zukunft

Carbazol könnte Energie- und Wärmeversorgung revolutionieren - Pilotanlage in Nürnberg - 11.08.2012 22:00 Uhr

Erlangen/Nürnberg  - Er gilt als Energiespeicher der Zukunft. Vor allem für die Energie- und Wärmeversorgung von Wohnhäusern eignet sich der Stoff Carbazol. Nach jahrelanger Forschung an der Uni Erlangen soll demnächst eine Carbazol-Pilotanlage in der Praxis getestet werden.

Die Professoren Wolfgang Arlt (li.) und Peter Wasserscheid haben Carbazol, das Trägermedium für Wasserstoff, entwickelt.
Die Professoren Wolfgang Arlt (li.) und Peter Wasserscheid haben Carbazol, das Trägermedium für Wasserstoff, entwickelt.
Foto: Mathias Orgeldinger
Die Professoren Wolfgang Arlt (li.) und Peter Wasserscheid haben Carbazol, das Trägermedium für Wasserstoff, entwickelt.
Die Professoren Wolfgang Arlt (li.) und Peter Wasserscheid haben Carbazol, das Trägermedium für Wasserstoff, entwickelt.
Foto: Mathias Orgeldinger

Der als Energiespeicher der Zukunft gehandelte Stoff Carbazol soll bereits im kommenden Jahr in der Praxis getestet werden. Von 2013 an solle eine Pilotanlage das Nürnberger Museum für Industriekultur mit regenerativer Energie versorgen, berichteten Forscher der Erlanger Universität der Nachrichtenagentur dpa. Der Stoff N-Ethlycarbazol, so seine chemisch korrekte Bezeichnung, wird aus Erdöl oder Kohle gewonnen. Es gebe auch Überlegungen, eine Pilotanlage für die Gewinnung von Strom aus Carbazol in dem einen oder anderen Privathaushalt zu testen, sagte der zuständige Forschungsleiter Professor Wolfgang Arlt.

Einsatz in der häuslichen Energieversorgung


In einigen Jahren könnte der Hightech-Energiespeicher dann auf breiterer Basis für die häusliche Energieversorgung eingesetzt werden, ergänzte der Leiter der Energiegruppe an Arlts Lehrstuhl, Karsten Müller. Forscher des Bayerischen Wasserstoffzentrums an der Uni Erlangen nutzen bei der Entwicklung des neuen Energiespeichers die Eigenschaften von Carbazol, größere Mengen Wasserstoff binden zu können.

Im Unterschied zu reinem Wasserstoff lasse sich Carbazol so ohne größere Energieverluste und ohne teuren Druckbehälter lagern. Anders als beim leicht brennbaren Wasserstoff gebe es bei dem nur schwer entflammbaren Carbazol zudem nur ein geringes Sicherheitsrisiko. Carbazol-Anlagen sind nach Arlts Angaben zusammen mit einer 110 Quadratmeter großen Photovoltaikanlage in der Lage, ein Einfamilienhaus komplett mit Strom zu versorgen. Die Anlage erzeuge mittels Sonnenenergie Wasserstoff. Damit werde dann das in einem Tank gelagerte Carbazol aufgeladen. Später werde dieser eingelagerte Wasserstoff wieder freigesetzt und in einer Brennstoffzelle in Strom zurückverwandelt, erläuterte Arlt. Zugleich könnte die bei dem Prozess entstehende Abwärme für die Beheizung von Teilen des Gebäudes verwendet werden. Der Stoff Carabazol verbrauche sich dabei nicht.

Einsatz in Wohngebäuden

Wegen der Größe der Anlage und der komplexen Abläufe erwarten die Forscher den Einsatz der Carbazol-Technik vor allem in Wohngebäuden. In den Heizungskellern sei in der Regel genügend Platz für eine solche Anlage vorhanden. Damit könnte diese dezentrale Form der Energieversorgung einen Ausbau der Stromtrassen im jetzt geplanten Umfang überflüssig machen, schätzt Professor Arlt.

Möglich sei aber auch der Einsatz der Carbazol-Technik in Autos mit Brennstoffzellentechnik, erläuterte Müller. Hier dürften die Entwicklungen allerdings noch einige Jahre dauern, erwartet der Forscher vom Department für Chemie- und Bio-Ingenieurwesen der Uni Erlangen. Derzeit arbeiteten Projektgruppen an verschiedenen Anwendungen. Eine Gruppe teste derzeit beispielsweise, wie viele Wasserstoff-Be- und -Entladungen der Stoff Carbazol aushalte. 

dpa


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