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Erlanger Stadtwerke sagen Ja zur Windkraft

Kommunalunternehmen zieht Bilanz: 3,8 Millionen Euro als Sonderabschreibung im Jahr 2012 - 30.07.2013 07:00 Uhr

Die Stadtwerke betreiben Windkraftanlagen bei Würgau — drei Mal 3000 Kilowatt. Die Masten ragen 140 Meter in die Höhe. © Böhner


„Das ist nicht das, was man als Vorstand anstrebt“, gesteht ESTW-Chef Wolfgang Geus zähneknirschend ein. Ein Millionenverlust in einem Bereich, in dem sich der Stadtwerke-Vorstand wenigstens eine schwarze Null erhofft hatte – das ist bitter. „Schuld“ haben an diesem Ergebnis laut dem kaufmännischen Vorstand der Stadtwerke, Matthias Exner, vor allem die Windkraftanlagen in Rannungen (Landkreis Bad Kissingen) und Urspringen (Landkreis Main-Spessart), die nicht den prognostizierten Gewinn erwirtschaftet haben. 2012 sei ein eher unterdurchschnittliches Windjahr gewesen, versucht Geus das Ergebnis zu erklären.

Während in Rannungen im vergangenen Jahr rund ein Viertel weniger Strom produziert wurde als erwartet, war es in Urspringen fast ein Drittel weniger. An beiden Windkraftanlagen sind die Stadtwerke mit jeweils 100 Prozent beteiligt. Zur „Cashcow“, also zum Goldesel entwickelt sich hingegen die Windkraftanlage im oberfränkischen Würgau (Landkreis Bamberg).

Auch hier sind die Erlanger Stadtwerke mit 100 Prozent beteiligt. Während die Anlagen in Rannungen und Urspringen eine Nennleistung von jeweils drei Mal 2000 Kilowatt haben, kommt die Würgauer Windkraftanlage auf drei Mal 3000 Kilowatt. Dabei ragen die Masten in Würgau 140 Meter in die Höhe, während die Anlagen in Unterfranken jeweils auf eine Höhe von „nur“ 100 Meter kommen. Dies und die Tatsache, dass die Würgauer Windräder technisch auf dem neuesten Stand sind, bringt eine deutlich höhere Windausbeute und somit mehr Strom.

Rendite erwartet

Derzeit sei es aber noch zu früh, verlässliche Aussagen über die Rentabilität der aller Windanlagen zu machen, sagt Matthias Exner. Mittel bis langfristig rechnet die Vorstandsspitze aber mit Renditen in Höhe von fünf Prozent. Insgesamt ist sich jedoch der Vorstand sicher, mit der Investition in die Windparks in Unter- und Oberfranken die richtige Entscheidung getroffen zu haben und wieder in die Gewinnzone zu fahren. „Wir sind überzeugt davon, dass grüne Energie notwendig ist.“

Deshalb wollen die Stadtwerke ungeachtet die Konzernverlusts weiter in Windkraft investieren — auch in die vorhandenen Standorte in Rannungen und Urspringen. „Da wissen wir jetzt, wie der Wind weht“, sagt ESTW-Chef Wolfgang Geus. Konkrete Überlegungen gebe es derzeit aber noch nicht. „Wir warten die Wahlen ab“, sagt Geus weiter und kritisiert die mangelnde Planungssicherheit durch die Politik.

Die Stadtwerke setzen dabei nicht allein auf Windkraft. Energie erzeugen die ESTW auch aus Wasserkraft. Zum einen mit einer eigenen Anlage (Werker) aber auch über eine Beteiligung an der Regnitzstromverwertung (RSV), die an der Thaler- und der Wöhrmühle und in Wellerstadt Wasserkraftwerke betreibt. Mit Photovoltaikanlagen und sogenannten Blockheizkraftwerken an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet können darüber hinaus zahlreiche Erlanger Haushalte mit Strom und Wärme aus regenerativen und umweltfreundlichen Quellen versorgt werden.

Darüber hinaus wurde ein alter Gaskessel im Heizkraftwerk der Stadtwerke durch eine zweite Gasturbine ersetzt. Das Investitionsvolumen dafür betrug 12,4 Millionen Euro. Dadurch erhalten weitere 10.000 Erlanger Haushalte umweltfreundlich erzeugten Strom durch Kraft-Wärme-Kopplung.
  

MARKUS HÖRATH

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