Mittwoch, 12.12.2018

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Erlangerin bringt Gummistiefel auf die Tanzfläche

Sylvia Mograbi führt südafrikanischen Gumboot Dance in Franken ein - 31.05.2016 15:00 Uhr

Expertin für Tänze aus Afrika: Sylvia Magrobi (Vordergrund) mit ihrer Gumboot-Dance-Gruppe. © Rainer Windhorst


Bei Jeans und Gummistiefeln denken die meisten zuallererst an Schlammwanderung und Überschwemmung, nicht an Kultur. Doch was beim Erlanger Frühling auf den ersten Blick etwas ungewohnt aussah, ist eine alte südafrikanische Tradition. Mit nichts als Händen, Füßen und Gummistiefeln wird beim Gumboot Dance kraftvolle Musik erzeugt.

Südafrikanische Minenarbeiter haben den Tanzstil einst als Kommunikationsmittel eingeführt. Gespräche waren in den Minen strengstens verboten, weshalb sich die Kumpel etwas Neues einfallen lassen mussten: Sie fingen an, durch Klopfgeräusche ihrer Stiefel eine eigene Sprache zu entwickeln. Dabei durften der Rhythmus und die Musik natürlich nicht zu kurz kommen: der Gumboot Dance war geboren. Heute ist der Tanz tief in der südafrikanischen Kultur verankert. Weibliche Gumboot Dancer findet man jedoch nur selten. Anders bei Sylvia Mograbi. In ihren Gruppenkursen im Erlanger Logenhaus schwingen hauptsächlich Frauen ihre Hüften, nur ab und zu stoßen auch Männer dazu. „Alterstechnisch ist von Mitte 20 bis 50 alles dabei. Da gibt es keine Grenzen.“ Bundesweit ist sie die einzige Anbieterin des Tanzes.

Beim Gumboot Dance gibt es letztendlich nur drei Hauptklänge die erlernt werden müssen: das Klatschen der Hände, das Trommeln auf den Gummistiefeln und das Stampfen der Gummistiefel auf dem Boden. Außerdem sind an den Stiefeln noch Rasseln montiert, sie tragen zu einem volleren Klang bei. In Viertelnoten wird dann „gesteppt“, das heißt durch gleichmäßiges Stampfen ein Grundrhythmus erzeugt. Darauf wird dann mit allen zu Verfügung stehenden Mitteln ein abwechslungsreicher Beat aufgebaut. Ähnlich wie beim Schlagzeug also. Klatschen, schnipsen, singen: alles ist erlaubt. „Sobald man weiß, wie man seinen Gummistiefel als Instrument benutzen kann, entstehen dann auch eigene Ideen für Choreographien“ sagt Mograbi. Bei ihren Kursen in Erlangen sind Neulinge immer gern gesehen. „Das Tolle an dem Tanz ist auch die kurze Eingewöhnungszeit. Bei anderen Instrumenten muss man ewig üben bis man etwas Akzeptables präsentieren kann. Hier geht das ganz schnell und man hat trotzdem eine große Gestaltungsfreiheit.“

Bei dem Wort Afrotanz haben viele zunächst einmal Schwarzafrikaner im Kopf, die sich stilsicher und flüssig zur Musik bewegen. Ob das Deutsche, die den Rhythmus nicht im Blut haben, überhaupt können? „Alles Quatsch“ betont Mograbi. „Ich bin ja schließlich auch nicht in Afrika geboren. Meiner Meinung nach ist jeder Mensch musikalisch, man muss es nur aus ihm herausholen.“ Es gebe auch Leute, die sich schwer tun und länger brauchen. „Aber ich kenne auch genügend Afrikaner, die nicht musikalisch sind. Wenn man sich nur darauf einlässt und in die Musik eintaucht, dann ist alles erlernbar.“

Die Erlangerin kam zum ersten Mal in Ghana mit der afrikanischen Tanzkultur in Kontakt. Eine Liebe auf den ersten Blick. Ihre nächste Station: eine Ausbildung zur Afro-Tänzerin in Los Angeles. In der Millionenmetropole war Body Percussion ein großes Thema. Dort lernte sie dann auch die Tradition des Gumboot Dance näher kennen. Die Einfachheit der „Körpermusik“ hat sie schon damals begeistert. „Man muss keine Trommeln mitschleppen und keine Instrumente aufbauen. Mit dem eigenen Körper hat man sein Instrument immer dabei und kann sofort loslegen.“

Der Gumboot Dance vereint die Welt der Body Percussion mit der des Tanzens. Er lebt vom sogenannten „Unison“, vom gegenseitigen Einklang der Tänzer. Die Bewegung müssen perfekt synchronisiert sein. „Wenn alle zusammen spielen, ganz präzise, dann entfaltet sich die Kraft, die den Tanz so einzigartig macht.“

Eine Choreographie, auch „Routine“ genannt, besteht aus sogenannten „Rhythm Blocks“. Klingt kompliziert, beschreibt aber letztendlich nur die einzelnen Takte des Tanzes. Nach und nach werden so mehr und mehr Bewegungen einstudiert und am Ende zusammengesetzt. Bis zu zehn Minuten kann eine Choreographie dauern. Ohne Kondition geht also nichts.

„Unsere fertigen Routines führen wir dann zu verschiedenen Anlässen auf“ sagt Mograbi. Ihre Tanzgruppe hat ihr Können unter anderem bei den Afrika Kulturtagen in Forchheim und am vergangenen Sonntag beim Tag der Kulturvereine in Erlangen unter Beweis gestellt. Beim Fürther Stadtlauf hat es einen weiteren Auftritt gegeben.„Mit dem Namen Gumboot Dance können allerdings auch dort die allerwenigsten etwas anfangen.“ sagt Mograbi. „Ich wurde auch schon des Öfteren gefragt ob das etwas mit einem Gummiboot zu tun hat.“

In Deutschland ist der Tanzstil also nach wie vor weitestgehend unbekannt. Doch genau das will Sylvia Mograbi mit ihren Shows und Kursen verändern.

Weitere Information zum Thema auf www.sylvia-mograbi.de 

JONAS WIRTH

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