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Mittwoch, 26.09.2018

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Erster offener Jugendtreff von Eckental wird 20

Ein Platz zum Chillen und für Kreativität - 02.09.2018 08:59 Uhr

Vielfältige Möglichkeiten bietet der offene Jugendtreff „Postclub“ in Forth wie Kickern oder Billard. Man kann aber auch einfach nur chillen. © Harald Hofmann


"Einerseits wollten die Jugendlichen Räume, in denen sie sich treffen können, andererseits gab es in Eckental eine erstarkende rechtsradikale Szene", erzählt Gemeindejugendpflegerin Ina Zänkmann. Deswegen habe der Gemeinderat des Marktes Eckental beschlossen, dass etwas für die Jugend getan werden müsse und 1997 erstmals eine Gemeindejugendpflegerin installiert: Yvonne Steinstö. Diese begann damit, gemeinsam mit dem Kreisjugendring des Landkreises Erlangen-Höchstadt (ERH) Jugendtage in den Orten der Gemeinde zu veranstalten, um Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen abzufragen.

Heraus kam als erster gemeindlicher Jugendtreff "The Postclub", eröffnet am 13. Juni 1998. Denn hier stand gerade die gemeindeeigene Wohnung über der Post in der Lutherstraße 12 frei. Nach der Eröffnung durch den Bürgermeister und die Besichtigung der Räume wurde ein Kickerturnier im Jugendtreff ausgerichtet und von 19 bis 22 Uhr spielte im Hof die Band "Risky Whisky".

Von Anfang an gab es eine pädagogische Kraft, die die Jugendlichen begleitete — zunächst auf ehrenamtlicher Basis. "Im Jahr 2000", erinnert sich Ina Zänkmann, "bin ich in den Postclub als pädagogische Fachkraft gekommen." Zielgruppe waren Jugendliche zwischen 12 und 27 Jahren. Die Themen der ersten Jahre: Rechtsradikalismus bei Jugendlichen, Selbstverwaltung, Ehrenamtlichen-Team, die Organisation von Partys.

Schwerpunkt sozialräumlicher Arbeit war es laut Zänkmann, den Postclub gut in den Ort zu integrieren, gute Kontakte zu Nachbarn und Vereinen, Feuerwehr und Kirche herzustellen. Daraus ergab sich auch die Beteiligung des Jugendtreffs an gemeinsamen Aktionen wie dem Flohmarkt des Sozialkaufhauses oder dem Sommerfest des ASV Forth.

Mit der Schließung der Postfiliale 2004/2005 erhielt der Postclub noch einen Mehrzweckraum und ein kleines Büro im Parterre. Gleichzeitig wurde der Besucherkreis erweitert. Gezielt werden seither Kinder der 3. und 4. Klassen angesprochen, beim Postclub junior mitzutun, jeden Freitag von 15 bis 17 Uhr. Da macht die Leiterin Paulina Roßbach kreative Angebote, die Kinder können aber auch selbst Vorschläge unterbreiten, was sie gern tun möchten.

Roßbach ist seit zwei Jahren pädagogische Fachkraft im Postclub. 23 Wochenstunden Zeit hat sie dafür. Zehn Stunden davon sind Öffnungszeiten. Für die Jugendlichen ab 12 Jahren ist am Dienstag von 18 bis 21 Uhr und am Freitag von 18 bis 22 Uhr geöffnet.

Was ist anders als früher? Die Jugendlichen "sind gar nicht mehr so wild auf Selbstverwaltung", lacht Roßbach. Sie hülfen gerne mit, wollten jedoch ungern zu viel Verantwortung tragen. Viele Jugendliche kämen einfach, um zu "chillen", sich mit Freunden zu treffen, Billard zu spielen oder zu kickern. Sie fänden es gemütlich hier in den kuschelig kleinen Räumen in dem Sandsteinhaus.

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Das Bodypainting im Postclub genossen Daniel Konrad (links) und Marco Schötz. © Postclub


Die Kinder dagegen haben gern Wettkämpfe, wissen Zänkmann und Roßbach, also Turniere in allen möglichen Bereichen. Zurzeit aber, bei der Hitze sind Wasserschlachten im Feuerwehrhof besonders angesagt. Kinder und Jugendliche, erzählt Roßbach, freuen sich, dass der Postclub in den Ferien nur eine Woche geschlossen hatte. Wenn Kumpels oder Freundinnen mit ihren Eltern in Urlaub sind, sei es besonders gut, mal jemanden im Postclub zu treffen, zum Plaudern, zum Musik hören, zum Spielen oder eben zum Wasserbomben werfen.

Auch wenn Paulina Roßbach häufig Vorschläge für Aktivitäten unterbreitet, ist ihr wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen selbst mitentscheiden, was im Jugendtreff passiert, etwa wie sie die Wände gestalten oder, in welchem Raum der Kicker stehen soll; denn die Jugendlichen sollen sich ja hier wohl fühlen.

Und das tun sie wohl, am Dienstag kommen laut Leiterin zirka 20 bis 25 Jugendliche, am Freitag sind es 25 bis 35 Jugendliche am Abend und davor am Nachmittag so um die 20 Kinder. Aber nicht nur die Jugendlichen sind im Postclub angekommen, der Postclub ist auch im Ort angekommen. "Der Jugendtreff hat sich etabliert. Er wird von den Eltern geschätzt und gehört zu Forth wie die Grundschule", sagt Zänkmann, mit der es im Übrigen eine gute Zusammenarbeit gebe. Gut klappt auch die Kooperation mit der Gemeinde. "Wir bekommen viel Unterstützung von Gemeinderat und Verwaltung", betonen Zänkmann und Roßbach wie aus einem Mund. Zum Beispiel noch in diesem Jahr eine neue Küche für den Postclub, denn die jetzige Einrichtung stammt noch aus dem Gründungsjahr. 

Dieter Köchel Redaktion Erlangen E-Mail

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