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Falsches Spiel mit falschen Altkleidercontainern

Unter den Sammlern finden sich immer mehr Lumpen - 14.01.2014 07:00 Uhr

Schuhe und Kleider sammelt eine „Textilverbund AG Frankfurt“ mit diesem illegalen Container in der Westlichen Stadtmauerstraße. Unter der angegebenen (gebührenpflichtigen) Telefonnummer meldet sich nur ein Anrufbeantworter.

Schuhe und Kleider sammelt eine „Textilverbund AG Frankfurt“ mit diesem illegalen Container in der Westlichen Stadtmauerstraße. Unter der angegebenen (gebührenpflichtigen) Telefonnummer meldet sich nur ein Anrufbeantworter. © Harald Sippel


In Erlangen ist das Sammeln von Altkleidern klar geregelt: Vertragspartner der Stadt sind Kolpingwerk und Malteser Hilfsdienst, die somit auch offiziell ihre Container an den verschiedensten öffentlichen Plätzen aufstellen dürfen. Sie zahlen pro Sammelbehälter und Jahr einen fixen Betrag an die Stadt. Insgesamt sind 145 solcher Kästen im Stadtgebiet aufgestellt. Darüber hinaus gibt es noch Containersammelstellen auf privaten Plätzen sowie Standorte von BRK und Johanniter. Außerdem führen einige Erlanger Pfarreien regelmäßig Altkleidersammlungen durch. Soweit, so legal.

Es geht aber auch illegal, denn das Geschäft mit Altkleidern ist lukrativ. Bis zu 500 Euro werden mittlerweile für eine Tonne Altkleider bezahlt. Das zieht zunehmend auch Betrüger an, die unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit illegal Container aufstellen, die Erlöse davon tatsächlich aber in die eigene Tasche stecken.

Die „schwarzen Schafe“ unter den Altkleider-Sammlern stört es dabei nicht, wenn einige ihrer Container beschlagnahmt werden. Meist bleiben ausreichend Sammelbehälter übrig, damit sich der Einsatz für die Illegalen rechnet.

Beim Erlanger Ordnungsamt verzeichnen die Mitarbeiter seit einigen Monaten einen deutlichen Anstieg von Meldungen über illegale Altkleider-Container, weiß dessen Leiter Markus Hübner zu berichten. „Wir sind auf Hinweise angewiesen und bekommen diese auch.“ Gegen die illegalen Altkleidersammler vorzugehen ist ein „mühsames Geschäft“, sagt Hübner weiter. Kaum dass ein Container beseitigt ist, „steht an der nächsten Ecke schon ein neuer“.

Immer häufiger werde auch versucht, die Kästen so zu platzieren, dass sie sich zwar auf Privatgrund befinden, der Zugang aber über öffentlichen Grund erfolgt. Der Stadt sind in solchen Fällen die Hände gebunden und die Lumpen unter den Sammlern können ungestraft ihrem Tun nachgehen.

Befinden sich die Container auf öffentlichen Grund, handelt es sich laut Ordnungsamtschef Hübner um eine „unerlaubte Sondernutzung“. Das Aufstellen der Behälter stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Ahnden lässt sich das kaum, weiß Hübner, weil man an die illegalen Aufsteller meistens nicht herankommt.

Wichtige Einnahmequelle

Für das Kolpingwerk und den Malteser Hilfsdienst, aber auch andere soziale Organisationen sind Altkleidersammlungen eine wichtige Einnahmequelle, um zum Beispiel gemeinnützige Projekte zu unterstützen. Ein Teil der gesammelten Kleider kommen Bedürftigen zugute, ein Teil wird verkauft. Auf diese Weise hat allein das Deutsche Rote Kreuz 2011 etwa zwölf Millionen Euro eingenommen.

Erhard Nagengast, Erlanger Ortsbeauftragter der Malteser, ist überrascht und entsetzt über die Machenschaften der zwielichtigen Lumpensammler. „Dass andere damit ein Geschäft machen, halte ich für eine Unverschämtheit.“ Nicht nur, dass diese sich damit unberechtigt die Taschen füllen, indem sie andere über ihre wahren Absichten täuschen.

Den Schaden haben gemeinnützige Organisationen, denen damit weniger Geld zur Verfügung steht, um Gutes zu tun. Für Nagengast inakzeptabel. „Das geht uns verloren.“ 

Markus Hörath

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