-1°

Montag, 24.04. - 07:22 Uhr

|

zum Thema

Hilfe für Kinder mit MS und Epilepsie in Erlangen

Spezielles Zentrum der Uniklinik hat nun ein erweitertes Behandlungsangebot - 28.02.2017 11:30 Uhr

Prof. Regina Trollmann sieht sich den MRT-Befund eines jungen Patienten an. Bei Kindern und Jugendlichen mit MS sind MRT-Bilder oft besonders aussagekräftig.

Prof. Regina Trollmann sieht sich den MRT-Befund eines jungen Patienten an. Bei Kindern und Jugendlichen mit MS sind MRT-Bilder oft besonders aussagekräftig. © Foto: Uni-Klinikum


Das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) des Universitätsklinikums hat eine ganz besondere Stellung. Denn bundesweit gibt es nur vier derartige Einrichtungen, in denen verschiedene Experten in der Kinder- und Jugendmedizin zusammenarbeiten. Nun hat ebenjene Anlaufstelle an der Loschgestraße ein erweitertes, multidisziplinäres Behandlungsangebot für junge Patienten mit neurologischen Erkrankungen hinzubekommen: nämlich für Minderjährige, die an Multipler Sklerose (MS) oder Epilepsie leiden.

Um Kinder und Jugendliche noch besser versorgen zu können, hat die Uniklinik das bestehende interdisziplinäre Angebot nun auch auf Patienten mit pädiatrischen Epilepsiesyndromen und pädiatrischer Multipler Sklerose erweitert. Für die Leiterin der Neuropädiatrie der Kinder- und Jugendklinik und des SPZ, Prof. Regina Trollmann, ist das ein wichtiges Zeichen für die gesamte Region: "Das ist ein Signal, das zeigt, dass wir die modernen Therapien auch bei jüngeren Patienten einsetzen", sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung.

Bisher, erläutert die Expertin, wurden diese Patientengruppen von bis zu 200 Betroffenen neurologisch in der Hochschulmedizin behandelt. Nun aber können sie für diesen Bereich das SPZ besuchen.

Was aber macht das SPZ, in dem unter anderem auch minderjährige Mukoviszidose-Patienten behandelt werden, so wichtig?

Da ist vor allem die interdisziplinäre Zusammenarbeit: Neben Kinderneurologen und Kinderärzten arbeiten dort zwei psychosoziale Teams, bestehend aus Psychologen, Sozialpädagogen, Ergotherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten und Pflegekräften. Ziel des Teams sei es, betont die Leiterin, die Betroffenen und ihre Familien nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch und psychosozial zu begleiten — und zwar engmaschig, von der Diagnosestellung über spezielle Therapien und Verlaufskontrollen bis hin zur Integrationshilfe und psychosozialen Unterstützung. Gerade das sei bei Kindern mit epileptischen Anfällen notwendig.

Erhebliche Folgen

Denn die Betroffenen gehen oft in eine Regelschule oder lernen einen Beruf, wie gesunde Gleichaltrige. "Epilepsiepatienten haben aber ein erhöhtes Risiko für Abweichungen im Verhalten und in der Lernfähigkeit, also in ihrer Merk- und Verarbeitungsgeschwindigkeit", erklärt Prof. Trollmann.

Das könne sich bei Menschen mit Epilepsie als verlangsamtes Arbeitstempo bemerkbar machen oder als schulische Leistungsminderung interpretiert werden. Aufgabe des SPZ sei es, diese "Teilleistungsstörungen" einzuordnen und sie in ein Therapiekonzept einzubetten.

Schon eine leichte Sprach- und Kommunikationsabweichung könne erhebliche Auswirkungen auf den späteren Lebensweg eines Kindes haben. "Mit dem zusätzlichen Angebot verbessert sich die Situation der Kranken auf jeden Fall", sagt die SPZ-Leiterin. 

sc

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.