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Hitze macht die Zecken gierig

Nach der langen Kälteperiode sind die hochintelligenten Spinnentiere ausgehungert - 20.04.2018 06:00 Uhr

Auf der Lauer: Gerade im Moment sind Zecken besonders gierig. © © Pfizer/zecken.de


Der Krabbel-Gruselfaktor ist hoch bei dieser Wanderung durch den Wald nahe Höchstadt, berichtet eine Familie. Weil die Kinder spielen wollen, verlassen alle den Weg, laufen über Laub zu einem Kletterstein. Anschließend krabbeln den vier Wanderern mehrere Zecken die Beine hoch. Als binnen einer halben Stunde noch viele weitere der lästigen und gefährlichen Spinnentiere hinzu kommen, bricht die Familie den Ausflug ab.

Dr. Frank Neumann, Leiter des Gesundheitsamtes Erlangen-Höchstadt, sagt: "Die hochintelligenten Tiere haben monatelang gehungert, jetzt wo es warm wird, gehen sie auf alles los, was geht." In alten Nestern oder Tierbauten oder unterm Laub überstehen Zecken die Kältephasen gut, meint auch Rotraud Krüger, Diplom-Biologin beim Bund Naturschutz. "Sie sind praktisch ganzjährig aktiv. Man soll grundsätzlich nie die festen Wege verlassen, weil sonst die Gefahr von Zeckenbefall besteht."

Und ein Biss ist nicht immer ohne. Auch im Landkreis-Erlangen Höchstadt übertragen Zecken die Lymphe-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Beide Infektionskrankheiten sind sehr gefährlich und können unter anderem zu Nervenlähmungen und dauerhaften Gelenkentzündungen, aber auch zu lebensbedrohlichen Hirnhautentzündungen und Entzündungen des Rückenmarks führen. "Wir sind ganz klar Risikogebiet", sagt Neumann.

Seit 2014 ist auch die Borreliose meldepflichtig, deswegen kann der Leiter der Gesundheitsamts das mit Zahlen belegen. In laufenden Jahr sind noch keine FSME-Fälle gemeldet worden, was aber nicht heißt, dass es keine gab. "Das Meldeverhalten schwankt", sagt Neumann. In den Vorjahren waren es in der Regel drei Fälle pro Jahr, die aber teilweise heftig waren. FSME kann bis zum Tod führen. Neumann rät deshalb zur Vorsorge-Impfung, zumal sie gut verträglich sei.

Bei der Borreliose zeigt sich, dass die Fallzahlen im Jahr 2016 bayernweit einen Höhepunkt erlebt haben. 139 Infektionen wurden in Erlangen-Höchstadt registriert, im Folgejahr 97 und im laufenden Jahr bereits sieben.

"Spätestens wenn die sogenannte Wanderröte auftritt – eine ringförmige Hautrötung um den Zeckenbiss, die oft im Zentrum blasser ist als am Rand und allmählich nach außen wandert – ist das ein Hinweis auf Borreliose, dann sollte man schnellstens einen Arzt aufsuchen, um Schlimmeres zu verhindern", sagt Biologin Rotraud Krüger. Meist kommt dann ein Antibiotikum zum Einsatz.

Gefahr lauert im Garten

Die meisten Zecken schlagen nach Neumanns Erfahrungen gar nicht im Wald zu, sondern eher zum Beispiel bei Gartenarbeiten.Oft wandern sie noch stundenlang über den menschlichen Körper, bis sie einen richtigen Platz gefunden haben, um ihren Stich zu setzen. Vor allem die Weibchen brauchen das Blut von warmblütigen Wirbeltieren nicht nur zur eigenen Ernährung, sondern auch für die Eibildung. "Der Gemeine Holzbock, der in unseren Breiten häufig auftritt, hat einen Rezeptor, mit dem Atem, Schweiß und Buttersäure wahrgenommen werden", sagt Krüger.

Ihr Tipp: Wenn man in Zeckengebieten unterwegs ist, sollte man lange Hosen tragen und die Socken über die Hosenbeine krempeln, damit die Zecken nicht dazwischen krabbeln können. Nach der Rückkehr nach Hause sollte man duschen und den Körper absuchen. "Haben schon Zecken ,angebissen‘, entferne ich sie sofort mit den Fingernägeln, man kann auch eine Pinzette oder Zeckenzange verwenden.

" Der Weg zum Arzt sei bei Zeckenstichen trotzdem ratsam. Und es kommt darauf an, sie möglichst früh zu entfernen. "Erst wenn sie richtig vollgesogen sind, fließt der infektiöse Speichel zurück und gelangt so ins menschliche Blut", sagt Neumann. 

CLAUDIA FREILINGER UND HANS VON DRAMINSKI

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