Plötzlich liegt Waischenfeld nicht mehr in der grünen Fränkischen Schweiz, sondern direkt auf der Grünen Insel: Zum zweiten Mal lockte das „Shamrock Castle Festival“ zahlreiche Fans irischer Folkmusik an die Waischenfelder Burg. Mitveranstalter des Ein-Tages-Events, bei dem in diesem Jahr sechs Bands auftraten, ist die Erlanger Speedfolk-Gruppe „Fiddler’s Green“. Benannt ist das Festival übrigens nach dem kleinen dreiblättrigen Kleeblatt, das als inoffizielles Nationalsymbol Irlands gilt.
Genügend dieser Symbole fanden sich auch auf dem Zeltplatz direkt neben der Burg, auf dem schon am Vorabend des Konzerts trotz strömenden Regens zahlreiche Fans ihre Zelte aufschlugen. Am Veranstaltungstag selbst hatten die Veranstalter dann deutlich mehr Glück mit dem Wetter: Bei strahlendem Sonnenschein konnten sich die Besucher im gemütlichen Burghof auf einem kleinen Markt mit Souvenirs eindecken, an irischen Spezialitäten laben und natürlich den von „Fiddler’s Green“ persönlich ausgewählten Bands zuhören.
Für Abwechslung war gesorgt: Klassisch-irisch präsentierten sich „The Sandsacks“, künstlerisch-kreativ das Trio „K.C. McKanzie“. Die ungarische Band „Paddy & the Rats“ drückte mit ihrer rockigen Mischung aus Folk und Punk dann aufs Gas wie ein Guinness-Lieferant auf dem Weg zu einem Pub, dem das schwarze Gold ausgegangen ist. Das war im letzten Jahr auch auf dem „Shamrock Castle Festival“ passiert. Dieses Jahr wurde jedoch genügend Guinness angeliefert. Nach einem eher ruhigen Auftritt der schottischen „Paul McKenna Band“ markierten die Briten der „Bleeding Hearts“ mit ihrem druckvoll-wütenden Folkrock den ersten Höhepunkt des Abends.
Der zweite „folkte“ (sic!) auf dem Fuße: „Fiddler’s Green“ mussten sich die Gunst des Publikums nicht erst erarbeiten – die meisten Festivalbesucher waren an den T-Shirts als eingefleischte Fans zu erkennen. So konnten die Erlanger ihren Streifzug kreuz und quer durch das bunte Programm der letzten 20 Jahre routiniert und souverän absolvieren. Dabei gab es neben zahlreichen Klassikern von älteren Alben auch Balladen und Instrumentalstücke wie das Intro „Shamrock Tunes“ zu hören. Sänger Ralf „Albi“ Albers gab die Ballade „Still Real“ von seinem Soloalbum zum Besten, Akustik-Versionen als „Vorband ohne Namen“ folgten. In der zweiten Konzerthälfte konzentrierten sich „Fiddler’s Green“ vor allem auf ihre Speedfolk-Stücke und heizten dem Publikum mit zahlreichen Aktionen ein. Bei „Donkey Riding“ mussten die Zuschauer Huckepack reiten, zu „Rocky Road To Dublin“ sollte das Publikum vor der Bühne die Plätze tauschen oder auch in einem Kreis um einen großen Baum im Schlosshof tanzen („Huldigt dem Baum!“).
Das Fazit vor Ort und im Gästebuch der Band fiel eindeutig aus: Das Konzert war eines der Besten, die „Fiddler’s Green“ je gespielt haben, und das Festival selbst war ein voller „Er-folk“.
