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Dienstag, 18.09.2018

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Jeder in Erlangen bekommt sein Fett weg

Stadt macht mit beim Pilotprojekt für Speiseöl-Recycling — Start ist voraussichtlich im November - 12.09.2018 15:30 Uhr

„Jeder Tropfen zählt“: Im November beginnt voraussichtlich das Pilotprojekt zum Recycling von Altspeisefetten und -ölen. © Christin Klose/dpa-mag


"Jeder Tropfen zählt" — mit diesem griffigen Slogan wirbt die Firma Altfettentsorgung und -recycling Lesch aus Thalmässing für ihre Idee, die vor allem in den Küchen von Privathaushalten umgesetzt werden soll. Dort fällt beispielsweise nach dem Braten oft reichlich altes Fett an. Oder das Öl aus der Fritteuse, aber auch das Öl, in dem zum Beispiel Oliven oder andere Gaumenfreuden im Glas eingelegt waren. Diese Altspeisefette und -öle können nun gesammelt, sprich, in einen verschraubbaren und temperatur-resistenten 1,2 Liter Behälter mit großer Öffnung gegossen werden. Ist der Behälter schließlich voll, bringt man ihn zu einem Automaten, steckt ihn hinein und erhält dafür wieder einen leeren.

Ist der Automat schließlich zu 80 Prozent gefüllt, wird der Entsorger über Funk informiert. Rückt an und holt den Container ab. Diese speziellen Sammelautomaten müssen natürlich erst noch aufgestellt werden – je tausend Haushalte einer, so das Konzept.

Das Sammeln von alten Fetten ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Ob nun das Ganze funktioniert und die Leute auch mitspielen, soll jetzt getestet werden. Drei Kommunen haben den Finger gehoben und sind mit von der Partie. Neben der Stadt Erlangen auch der Landkreis Roth und die Nachbarstadt Fürth. Über 20 Monate soll der Feldversuch laufen. In Erlangen wurden dafür die Stadtteile Röthelheimpark, Röthelheim und Sebaldus ausgewählt. Somit wären etwa 7700 Haushalte an der Aktion beteiligt, was letztlich sieben bis acht jener Automaten erfordert.

Die "betroffenen" Stadtteilbeiräte wurden bereits über das Vorhaben informiert und mit einbezogen, hieß es im Umwelt-, Verkehrs- und Planungsausschuss. Und "von oben" gab es ebenfalls grünes Licht. Denn die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat inzwischen entschieden und der Firma Lesch die finanzielle Förderung des Projektes zugesagt. Die Firma selbst hat auch das Ganze unter ihren Fittichen. Die Stadt Erlangen ist behilflich beim Finden geeigneter Standorte für die Automaten.

Das Vorhaben soll sich am Ende in zweifacher Weise rechnen: Die Fette und Öle, die in den Küchenausguss geschüttet werden, lagern sich im Kanalsystem ab, verstopfen Röhren und Pumpen und bereiten schließlich den Kläranlagen doch einige Probleme. Zusätzliche Reinigungskosten fallen an. Und die könnten sich bald deutlich verringern.

Zum andern lässt sich mit dem Altfett auch Geld verdienen. Die Firma bringt den "Stoff" per Lastwagen nach Thalmässing, reinigt das Altfett dort, zerlegt es ohne Chemie in seine Bestandteile und verkauft es als Energieträger weiter. Aus einer Flasche Altspeisefett kann laut Info-Blatt der Firma Bio-Kraftstoff für 20 Kilometer produziert werden. Soweit der Plan, der für das Thalmässinger Unternehmen durchaus zur Erfolgsgeschichte werden könnte. 

RAINER WICH

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