|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Statt einer „Beerdigung“ mit dem üblichen Ausdruck des Bedauerns und kondolierender Gäste ist also von einem Stück außergewöhnlicher Kontinuität in einer Stadt zu berichten, die in den letzten Jahren jede Menge Fachgeschäfte verloren hat. Annette Pfeiffer ist immerhin die vierte Generation, die den Betrieb und das Ladengeschäft in der Hauptstraße 52 führen wird. Dieses wurde 1876 vom Pfeiffer-Vorfahr Valentin Fürsattel als Handschuhmanufaktur gegründet.
Hatte das Unternehmen in der Kaiserzeit mit seinen auf Firmen bedachten Mode noch gute Zeiten erlebt, änderte sich dies mit dem Ersten Weltkrieg und den Wirren des „revolutionären“ Bayerns und der Weimarer Zeit. 1929, nach dem Tod von Valentin Fürsattel, übernahm Gerhard Pfeiffer — der Vater des heutigen 70-jährigen Seniorchefs — die finanziell desolate Firma und baute sie mit Fleiß, Sparsamkeit und Weitsicht wieder auf. Zu Beginn der 30er Jahre wurde die Fertigung in die Hauptstraße 52 verlegt — das Haus ist heute noch die Adresse des Geschäfts und im Familienbesitz.
Während des Zweiten Weltkriegs mussten schon einmal die Frauen „ran“: Gerhard Pfeiffer war Soldat und bis 1947 in französischer Kriegsgefangenschaft, in dieser Zeit wurde die Firma von seiner Frau Ilse und seiner Schwester Johanna geführt. Zwar wurden während des Krieges viele Handschuhe für die Wehrmacht produziert, doch bei der Eröffnung des Einzelhandelsgeschäft im Jahr 1947 mangelte es an Umsatz, da es einfach nicht genügend Ware gab. Trotzdem wurde 1948, unmittelbar nach der Währungsreform, wieder mit dem Auf- und Ausbau der Handschuhfabrik begonnen. Das war eine Zeit, als es sich noch lohnte, in Deutschland eine so arbeitsintensive Produktion wie die Handschuhherstellung zu betreiben. Und sie verkauften sich gut: 1950 wurde in Nürnberg „Der Kleine Handschuhladen“ eröffnet, in Konstanz folgte die Eröffnung eines weiteren Geschäftes. Damals wurden in der Handschuhherstellung etwa 60 Leute beschäftigt, die rund 1000 Paar Handschuhe in der Woche schnitten.
Ein schwerer Schlag war 1952 der Tod von Gerhard Pfeiffer, der bei einem Verkehrsunfall umkam. Wieder mussten die Frauen — Jürgen Pfeiffers Mutter Ilse und Tante Johanna Pfeiffer — die Leitung übernehmen, was nur durch die Unterstützung der Belegschaft möglich war. Der heutige Seniorchef trat 1954 in die Firma, ist seit 1965 Handschuhmachermeister, der — nach dem 100. Firmenjubiläum, 1988 die Ladenfläche verdoppelte. Die Handschuhherstellung allerdings hat er aufgeben müssen — mit Heidi Haas hat er die letzte Näherin, die noch Handschuhe reparieren kann — Neuware kommt längst aus Osteuropa.
Für Annette Pfeiffer ist die lange Tradition des Hauses Verpflichtung und ein wenig Bürde — vor allem aber eine Herausforderung. Ihre Devise: Die große, teils bundesweite Stammkundschaft pflegen, und durch frische Mode neue und junge Kundinnen und Kunden gewinnen.
