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Sonntag, 16.12.2018

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JUZ Eckental ist noch selbstverwaltet

Erfahrenes Team veranstaltet Konzerte im Jugendzentrum — In 40 Jahren viele Höhen und Tiefen durchlaufen - 20.07.2018 18:30 Uhr

Die Schlüsselträger „schmeißen“ das Jugendzentrum in Eckental: Vorstandsmitglieder und Helfer seit langen Jahren waren natürlich bei der 40-Jahr-Feier des JUZ dabei. © Fotos: Isabel Krieger


Ein bisschen renoviert wurde dann doch zum 40-Jährigen, ein frischer Anstrich für die grüne Holzbaracke, ein paar neue Sessel. Eng ist es noch immer drin, zwischen Kicker und Tresen im Barbereich, der durch eine Durchreiche mit dem Konzertraum verbunden ist. Kaum zu glauben, dass auf den paar Quadratmetern zu den besten Zeiten mehrere hundert Leute Partys feierten.

Michaela Valta, die als Mitglied des Vorstands seit 15 Jahren die Musikveranstaltungen des JUZ organisiert, hat zum Jubiläum einen kleinen Rückblick erstellt. Die Fotos an den Wänden ziehen beim Sommerfest, zu dem die Mitglieder, wie immer, gekommen sind, die Blicke der Besucher auf sich. Partys, Konzerte, Lesungen, Kabarett, Barbetrieb drinnen wie draußen, Open Airs — die letzten vier Jahrzehnte war viel los.

Im dicken Ordner mit Zeitungsberichten ist noch nachzulesen, wie hart 1977 die Verhandlungen des Initiativkreises Jugendzentrum mit der Gemeinde Eckental waren, bis die Gruppe nach langem Ringen die Räume in der ehemaligen Behelfsunterkunft an der Grenze zwischen Eschenau und Eckenhaid in Beschlag nehmen durfte. Durchaus selbstbewusst hatten sie "Räume ohne jede Art von Zensur" gefordert, immerhin gebe es 1000 Eckentaler Jugendliche, aber kein Angebot.

Eckentals Bürgermeister Georg Hänfling sah das irgendwann offenbar auch so und kümmerte sich um eine Bleibe für die Jugendlichen, die sich abseits "bekannter konsumorientierter Gaststätten" treffen wollten. Mit Töpfer- und Malangeboten startete die Gruppe im April 1978. 

Später, als das JUZ immer mal auf der Kippe stand, weil sich Gerüchte um Drogen, Alkohol und anderes in der selbstverwalteten Kommune hartnäckig hielten und den Gemeinderat sowie besorgte Bürger auf den Plan riefen, boten die Macher eine Facharbeit auf, die die positiven Aspekte der selbstverwalteten Jugendtreffs herausarbeitete, der, auch das muss erwähnt werden, nie große Kosten produzierte, weil bis heute alles ehrenamtlich passiert.

Die Rettung gelang. Immer wieder erfand sich die Einrichtung in den Jahrzehnten darauf neu, setzte neue Schwerpunkte, unter anderem mit Ausstellungen, Musik und Kabarett. Älter sind die Erzählungen von Auseinandersetzungen mit Neonazis und der ein oder anderen Prügelei. Karl-Heinz Hoffmann, Gründer der 1980 verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann, soll einst mit schweren Fahrzeugen und einem Haufen Getreuer vor dem JUZ patroulliert haben, um die alternativen Linken einzuschüchtern, berichten heute noch Mitglieder.

Die Meisten von ihnen sind längst über 50, lange Haare haben die wenigsten noch, sondern gute Jobs, trotz Unkenrufen manch Außenstehender, meint Achim Greß, Fotograf und einer der langjährigen JUZ-Freunde, grinsend. Auftritte von Bands aus ganz Europa, Musik, Kabarett und unkompliziertes Zusammensein ziehen heute auch Jüngere an. Der Generationenwechsel gelingt, trotz mittlerweile weiterer Jugendtreffs im Ort.

Das hat sicher auch handfeste Gründe. Das Bier kostet moderate zwei Euro, donnerstags legt Michaela Valta, 48, längst Mutter und im Betrieb ihres Mannes tätig, noch immer heiße Scheiben aus der Musikgeschichte auf, wer mag, schaut einfach vorbei. Und alle zwei Wochen gibt es von September bis April Live-Programm. "Wir achten darauf, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist", sagt Valta. Kabarettist Matthias Egersdörfer, die Band Shiny Gnomes und viele andere sind Stammgäste im JUZ.

Seit zehn Jahren sind Andi Schmidt und Christian Borutta, beide 29, im Vorstand des Jugendzentrums, und damit zwei von "zwölf Schlüsselträgern". In der Oberstufe waren sie zu festen JUZ-Gängern geworden, hatten den ersten Auftritt ihrer Band König Dezember hier. Beide studieren in anderen Städten, doch das JUZ lassen sie nicht im Stich: "Es macht einfach Spaß, dass wir selbstverwaltet sind und keine hierarchischen Strukturen haben", sagt Borutta. Rund 20 Jahre trennen die beiden von den alten Mitgliedern, doch das spielt keine Rolle. "Es ist ein super Miteinander".

Nur eines hat sich geändert: Damit auch die "Alten" noch offiziell ins JUZ kommen dürfen (was üblicherweise nur bis 27 geht), wurde es vor einigen Jahren in "Jugend- und Kulturzentrum" umfirmiert. Nun können die Jünger dort noch locker das 60-Jährige feiern.

  

ISABEL KRIEGER

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