Mittwoch, 26.09.2018

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Klassik-Nachwuchs aus der Nähe von Erlangen

Jasmina Weiss und Henrike Fröhlich siegen bei "Jugend musiziert" - 02.06.2018 11:00 Uhr

Die 17-jährige Gitarristin Jasmina Weiss (links) aus Röttenbach und die 18-jährige Querflötistin Henrike Fröhlich aus Höchstadt haben erfolgreich am 55. Bundeswettbewerb „Jugend musiziert" teilgenommen und sind mit je einem zweiten Preis nach Hause gekommen. © Hans von Draminski


"Jugend musiziert" hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer ernstzunehmenden Talentschmiede entwickelt: Wer bei dem Wettbewerb die wechselnden Jurys überzeugt, oft über lange Zeiträume hinweg, hat gute Chancen, wenn sie oder er die Musik zum Beruf machen will. "Jumu"-Preisträger sind im späteren Leben nicht selten gefragte Solisten und verlässliche Orchestermitglieder.

Auch für Henrike Fröhlich und Jasmina Weiss, die vom Bundeswettbewerb, nach Regional- und Landeswettbewerb die dritte und höchste nationale Ausscheidungsstufe bei "Jugend musiziert", mit beachtlichen 23 beziehungsweise 22 Punkten nur knapp an ersten Preisen vorbeigeschrammt sind, soll der Weg in die musikalische Richtung gehen – allerdings unter völlig unterschiedlichen Vorzeichen.

Während Henrike sich derzeit bei verschiedenen Musikhochschulen unter anderem in Berlin und Freiburg um einen Studienplatz bewirbt – "die in Essen wäre mein Favorit" –, strebt Jasmina zunächst ein "normales" Studium wie das der Psychologie an. Freilich mit der Option, dass auch aus dem Musizieren mehr werden könnte.

Nicht verwunderlich, wenn man seit dem achten Lebensjahr Musik macht. "Ich fing an der Musikschule in Hemhofen mit Gitarre an", erzählt Jasmina, deren erstes Instrument noch geliehen war. Mit zehn kam noch das Klavier hinzu.

Die Zahl der Musikinstrumente im Weiss’schen Haushalt könnte in den nächsten Jahren noch steigen: "Am liebsten würde ich jedes Instrument der Welt spielen", lächelt Jasmina. Henrike fing ebenfalls früh mit dem Musizieren an, spielte zunächst Blockflöte und stieg relativ schnell auf die ungleich schwieriger zu handhabende Querflöte um. "Da muss man schon einmal viel kräftiger hineinblasen", erklärt sie, während die Finger über die silbern glänzenden Klappen ihrer Flöte streichen.

Die Stückauswahl für den Bundeswettbewerb war bei beiden spätestens seit dem gewonnenen Landeswettbewerb fest: "Da ändert man nichts mehr", meinen die beiden jungen Frauen, die sich erst beim gemeinsam gegebenen Interview kennen gelernt haben, fast unisono. Das heißt, dieselben Stücke immer wieder zu üben. "Zwischendurch spiele ich aber was anderes, um nicht verrückt zu werden", lacht Henrike Fröhlich.

Jasmina Weiss wäre die ausschließliche Konzentration auf klassische Musik zu wenig, wie sie betont. Vor einiger Zeit hat sie damit begonnen, selber zu komponieren – Songs im Sänger-Songschreiber-Stil, die sie am liebsten mit einer eigenen Band auf die Bühne bringen würde.

"Klassikerin" Henrike Fröhlich ist zwar keine Komponistin, setzt sich dafür aber intensiv mit Musica Nova auseinander. Beim Bundeswettbewerb spielte sie beispielsweise ein Stück des zeitgenössischen Komponisten Armin Sharifi. "Eigentlich gab es dafür noch nicht einmal Noten – also mailte ich Sharifi an, nachdem ich das Stück auf YouTube gehört hatte", berichtet Henrike von ihren Recherchen.

Ihr Engagement für die E-Musik des 21. Jahrhunderts brachte ihr bei "Jugend musiziert" 2015 bereits einen Sonderpreis ein, außerdem räumte sie schon einmal den Jugendkulturpreis des Landkreises Erlangen-Höchstadt ab und nahm insgesamt dreimal am "Jumu"-Bundeswettbewerb teil.

Kein Konkurrenzdenken

Jasmina könnte mit dem auf "Jugend musiziert" aufbauenden Internationalen Jugendwettbewerb dagegenhalten, bei dem sie ebenfalls einen zweiten Preis bekam – aber eigentlich ist den beiden Frauen Konkurrenzdenken fremd. Henrike Fröhlich immerhin kritisiert, dass beim Bundeswettbewerb auch junge Musikerinnen und Musiker antraten, die schon Unterricht bei Hochschuldozenten nehmen: "Das sind im Grunde Jungstudenten, die dann bei den Wertungsspielen meistens deutlich vorne lagen", meint Henrike. Hintergrund: Die beiden jungen Frauen traten in der Altersgruppe V (römisch fünf) der 17- und 18-Jährigen an. Darüber gibt es noch die VI für junge Erwachsene zwischen 19 und 21; vom 22. bis zum 27. Lebensjahr könnte man theoretisch in der Altersgruppe VII antreten. Hat man allerdings zwischenzeitlich ein (Musik-)Studium begonnen, ist die Teilnahme an "Jugend musiziert" nicht mehr möglich.

So war der 55. Bundeswettbewerb für Henrike Fröhlich und Jasmina Weiss wohl ihr letzter Einsatz bei "Jugend musiziert". Jetzt wartet auf sie das Leben – und ganz gewiss jede Menge Musik. 

HANS VON DRAMINSKI

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