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Ausgelöst wurde die heftige Diskussion durch die detaillierten Kostenberechnungen, die Norbert Siewertsen vom gleichnamigen Architekturbüro in Baiersdorf dem Gremium unterbreitete. Die energetische Sanierung der Turnhalle und die Umwidmung zur Versammlungsstätte soll demnach rund 630000 Euro kosten.
Das ist eine Summe, die die im Sommer 2009 von dem damals beauftragten Architekturbüro, das mittlerweile aus dem Projekt ausgestiegen ist, angegebenen Kosten in Höhe von 370000 Euro um rund 70 Prozent überschreitet. Eine gewaltige Summe angesichts der angespannten Haushaltslage der Gemeinde, auf die die Gemeinderäte aller Fraktionen zunächst sehr geschockt reagierten.
In der von Siewertsen erläuterten Bruttosumme sind die vom Ingenieurbüro Weber + Korpowski kalkulierten Kosten für die technischen Anlagen wie Elektro, Heizung, Lüftung und dergleichen ebenso enthalten wie die Kosten für den Brandschutz.
Matthias Moyano vom Ingenieurbüro für Brandschutzplanung (BSP) in Bamberg hatte sein kombiniertes Brandschutzkonzept für Schule und Turnhalle den Räten bereits in der letzten Sitzung vorgelegt. Nun ging er noch auf einige vom Landratsamt geforderte Maßnahmen ein und zeigte sich zuversichtlich, dass sein Gesamtkonzept in den nächsten Tagen abgesegnet werde.
Laut Architekt Siewertsen könnten die verschiedenen Gewerke noch in diesem Jahr ausgeschrieben werden, im März/April 2012 könnte mit dem Bau begonnen und bis Juli/August alles fertig gestellt werden. Die Abrechnung ist dann noch vor dem 31. Dezember 2012 möglich, und somit wäre die staatliche Förderung im Rahmen des Konjunkturprogramms von 172000 Euro gesichert. Für die Gemeinde bedeutet das: Statt der bisher kalkulierten 200000 Euro müsste sie nun zirka 460000 Euro schultern.
Paul Steins und seine Kollegen von der CSU sind dazu unter keinen Umständen bereit. Auch Willi Schneider und Helmut Bokämper von den FW äußern Bedenken. Alle Räte suchen nach Sparmöglichkeiten, aber Siewertsen weist darauf hin, dass es hier nicht nur um Energiesparmaßnahmen gehe, sondern um die Sanierung einer in vieler Hinsicht baufälligen Turnhalle.
Die Frage der Umstellung auf eine energiesparende und kostengünstigere Pelletheizung werde, wenn man sich jetzt gegen das Projekt entscheide, in drei oder vier Jahren erneut auftauchen, wenn die alte Ölheizung für Schule und Turnhalle ersetzt werden müsse.
Gisela Marquardt (SPD) zeigt sich ebenfalls erschüttert über die Höhe der Umbaukosten, wies aber darauf hin, dass Poxdorf die Turnhalle unbedingt brauche: „Nicht nur die Schüler haben hier ihren Sportunterricht, auch die Vereine nutzen sie, beispielsweise für Gymnastik und Jugendfußball. Und wir alle brauchen sie für kulturelle und soziale Veranstaltungen wie Konzerte, Theateraufführungen und Bälle. In Poxdorf gibt es sonst keinen Ort, an dem so etwas stattfinden kann."
Geschäftsstellenleiter Andreas Pfister gab zu bedenken, dass die Gemeinde verpflichtet sei, für die Schüler ihrer Schule den Sportunterricht zu sichern. Außerdem dürfe man auch den Aspekt der Gesamtattraktivität des Wohnortes nicht aus den Augen verlieren. Deshalb werde er, wenn der Gemeinderat das Projekt wolle, Finanzierungsmöglichkeiten erarbeiten und mit dem Landratsamt über die mögliche Höhe der Kreditaufnahme verhandeln.
Ehe es zur Abstimmung kam, zeigte Bürgermeisterin Gunhild Wiegner zusammenfassend die Alternativen auf: Man habe die Wahl zwischen den hohen Schulden für eine energetisch sanierte, brandschutzsichere und als Versammlungsstätte nutzbare Turnhalle und den Kosten für die Renovierung der Turnhalle und eine neue Heizung für Schule und Turnhalle. Diese Kosten würden sich zwar über Jahre verteilen, die staatliche Förderung von 172000 Euro ginge dann aber verloren.
Der Gemeinderat sprach sich mit acht zu vier Stimmen für die Ausschreibung der Gewerke noch in diesem Jahr aus.DAGMAR NIEMANN
