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Kreatives Potpourri

26 Stationen lockten bei »Kunst auf der Couch« - 10.05.2010

Zweiter Anlauf: Nachdem ein Regenschauer die Textilkünstlerin Heidi Drahota gezwungen hatte, alle Exponate nach innen zu räumen, drapiert sie erneut Tücher und Taschen im Freien. © Michael Müller


»963 Millionen hungern« heißt das 2,20 mal 1,55 Meter große Wandtuch von Heidi Drahota, das Besuchern bei Familie Racher in Bruck sofort ins Auge sticht. Das an der hölzernen Fassade befestigte Werk zeigt auf leuchtend rotem Seidenuntergrund den afrikanischen Kontinent - überzogen von dunklen Wollfäden, die die aufgerissene und unfruchtbare Erde symbolisieren. »Ich habe vergangenes Jahr angefangen, thematisch zu arbeiten«, berichtet die Nürnbergerin. Bei der ersten Kunst-Tour war die Hauptschullehrerin vor allem durch farbharmonische Tücher, Taschen und Schmuckstücke aufgefallen, die sie auch dieses Mal mitgebracht hat.

Zu den kritischen Arbeiten sei es gekommen, nachdem eine Bekannte Drahota gefragt hatte, ob sie bei der Ausstellung ,Schicksalsfäden‘ in Fürth mitmachen wolle, erinnert sich die 49-Jährige und ergänzt: »An und für sich war ich schon immer ein politischer Mensch.« In der Folge schrieb die Textilkünstlerin dann beispielsweise mit der Nähmaschine zigfach das Wort »satt« auf ein weißes Tuch und zeichnete daneben zwei Kinder.

Auf Filzüberzüge für Blumentöpfe, Vasen und Schalen hat sich indes Susanna Wanke spezialisiert. »Gefilzte Hüte und Taschen sieht man inzwischen an jeder Ecke«, erklärt die Erlangerin. Weil sie selbst nicht so viele Exponate beisteuern konnte, hat Wanke zwei weitere Künstlerinnen in ihre Wohnung in die Michael-Vogel-Straße eingeladen: Schwägerin Eva Simoneit-Wanke und Frauke Meckel zeigen ihre Bilder in Mischtechnik. Den Kontakt zu Meckel, die auf der Leinwand eindrucksvoll mit Naturmaterialien wie Erde, Harz und Rinde experimentiert, hat der Veranstalter »Bildung evangelisch« hergestellt.

Mangas und Kleiderkunst

Das Prinzip von »Kunst auf der Couch« ist dem »Artist’s Open Houses Festival« entlehnt, dem laut Eigendarstellung größten kostenlosen Ereignis für Bildende Kunst in Großbritannien mit über 1300 Teilnehmern in diesem Jahr. In Erlangen haben heuer 26 Privatleute ihre Türen geöffnet - sechs mehr als 2009. Interessierte konnten erneut ein breites kreatives Spektrum bestaunen, das auch Mangas, Sprayart und Kleiderkunst einschloss.

Neben zahlreichen Stationen, die schon im Vorjahr dabei gewesen sind, gab es unter anderem in Büchenbach und Alterlangen, aber auch im Zentrum etliche neue Ausstellungsräume. So beteiligte sich etwa Krankengymnastin und Heilpraktikerin Claudia Stickel erstmals mit ihren Specksteinskulpturen, die zumeist ästhetische Frauenkörper darstellen.

»Die letzte Ausstellung im Garten fand ich ganz toll, jetzt das Haus zu öffnen, hat mich etwas Überwindung gekostet«, gesteht derweil Schmuckdesignerin Katja Ehmcke aus Bruck, die aufgrund des wechselhaften Wetters die Schau nach Innen verlegt hat. ASTRID MENHARDT 

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