Mittwoch, 21.11.2018

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Kruzifix in Forther Kirche wird restauriert

Finanzielle Zuschüsse ermöglichen die Arbeiten - 21.10.2018 11:00 Uhr

Das grüne Gewand wird von Jutta Minor (links) und Cornelia Pattersonmit mit viel grüner Farbe retuschiert. © Petra Malbrich


Ein tiefer, breiter Riss durchzieht Jesus’ Lendenschurz. Es ist nicht der einzige Riss in dem 2,20 Meter hohen und 2,80 Meter breiten Felix-Müller-Korpus, der im Foyer des katholischen Pfarramts in Forth hängt.

"Es sind viele Risse in der Skulptur. Sie bleiben. Sie können nicht mehr zurückgeleimt werden", sagt Jutta Minor. Die Diplom-Restauratorin und ihre Kollegin Cornelia Patterson haben eine Werkstattgemeinschaft in Forchheim und sind gerade dabei, die Statue im Foyer des katholischen Pfarramts in Forth zu restaurieren. Am aufgerissenen Korpus können sie nichts mehr richten. Das Holz ist durch zu trockene Luft aufgerissen, vielleicht war das Holz auch nicht gut abgelagert, nennen die beiden Restauratorinnen Gründe dafür. Die Risse zu schließen mache auch wenig Sinn, da Holz immer arbeitet.

Ihre eigentliche Aufgabe in den nächsten Tagen besteht aus Retuschieren. Auf den ersten Blick lenken die tiefen Holzrisse in dem Korpus vom eigentlichen Makel ab: den Fehlstellen an der Figur. "Sie ist substanzgefährdet", erklärt Minor.

Farbe ist abgeblättert

Denn bei mehr als der Hälfte der Statue fehlt die Farbe. Diese ist abgeblättert. Am grünen Gewand wurde schon viel retuschiert, also schon viel Farbe erneuert. Die Christus-Statue wird während der Zeit der Restaurierung mit einem Strahler beleuchtet. "Es ist Tageslicht. Das lässt die Farben realistisch erscheinen", sagt Patterson.

Die beiden Frauen greifen zu einer grünen Tube, die auf dem Arbeitstisch steht. Für ihre Arbeit verwenden sie fertige Tubenfarbe. Die einzelnen Farbtöne mischen sie für jede Fehlstelle auf und retuschieren dann. Mit einem Pinsel und einem Feuchtschwamm wurde der Korpus gereinigt. "Der Schwamm ist nebelfeucht. Er saugt den Schmutz auf", erklärt Minor. Gelockerte Teile der Fassung wurden mit Hautleim geklebt.

Das vorherige Reinigen der Figur ist notwendig, um dann retuschieren zu können. 50 Stunden sind die beiden Frauen mit diesen Arbeitsgängen an dem Felix-Müller-Kruzifix aus Nadelholz aus dem Jahre 1937 beschäftigt. Es ist anders als die Kreuze, die üblicherweise in Gotteshäusern hängen. Aber: "Es ist typisch Felix Müller und es ist typisch für den Expressionismus", erklärt Jutta Minor.

Eiserne Krone

Außergewöhnlich wirkte es auf die Menschen, weil der Expressionismus stark von der afrikanischen Kunst beeinflusst ist. "Man sieht es am Gesichtsausdruck", sagt Jutta Minor. Dieser ist maskenhaft. Auffallend die konkav nach innen gebogene Form des Gesichts, die wulstigen Lippen und übergroße Augen, die an afrikanische Masken erinnern.

Die eiserne Krone mit dem geflochtenen Band zeichnet den Erlöser als Christkönig aus. Das vom Bistum Bamberg auf 10 000 Euro geschätzte Kreuz, ein Unikat und unverkäuflich, hing in der Apsis. Die Gläubigen fühlten sich damals wohl vom Ausdruck des am Kreuz leidenden Christus verstört. Es musste abgenommen werden, der Pfarrer wurde versetzt und die Statue jahrelang hinter der Orgel auf der Kirchenempore versteckt.

Erst mit dem Neubau 1970 wurde die Statue ins Foyer des neuen Pfarrzentrums geholt und hängt dort, jedoch ohne das rote Kreuz. Für die 1300 Euro teure Restaurierung fehlte immer das Geld. Durch einen Zuschuss vom Dommuseum Bamberg, durch das Felix-Müller-Museum in Neunkirchen und durch die Sparkasse Forchheim war es nun möglich, das Kruzifix restaurieren zu lassen.

Auch weiterhin werden im Winter vor den tiefen Holzrissen Jesu die Werktagmessen gefeiert. Pfarrer Andreas Hornung interpretiert das so, dass sich Jesus für die Menschen das Herz aufreißt. Jedenfalls ist in der Kirche selbst für die Statue kein Platz mehr. Für die Gläubigen, die sich im Foyer zum Empfang treffen oder dort Gottesdienst feiern, ist die Statue jedoch zum Beschützer geworden.PETRA MALBRICH 

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