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Kultur und Kommerz

Mit neuer Organisationsstruktur Überleben gesichert - 19.07.02

20 Jahre E-Werk: Das bedeutet für die Besucher Kultur-Events ohne Ende vom Konzert über Literatur und Kleinkunst bis zum Kabarett, Bildung und Information, Parties, Tanz und Kino, Gruppenarbeit und -treffs. Das bedeutet für die Macher aber auch eine ständige Gratwanderung zwischen Kultur und Kommerz. Und trotz allgemeiner Sparzwänge bei immer höheren Ansprüchen ist es geglückt, das Kultur- und Kommunikationszentrum durch neue Organisationsstrukturen für die Zukunft zu sichern.


Grund genug für ein fünftägiges Jubelfest vom Geburtstag am Mittwoch, 24. Juli, bis zum darauffolgenden Sonntag, das die ganze Angebotsvielfalt des Hauses widerspiegelt. (Eine ausführliche Vorschau aufs Programm folgt auf der Kulturseite.)

„Das Angebot hat sich im Lauf der Jahre immer wieder den Publikumserwartungen angepasst, der Anspruch und die Ziele sind aber geblieben“, betont Berndt Urban, Geschäftsführer der „E-Werk-Kulturzentrum GmbH“. Und Programmplaner Michael Heine umreißt den Anspruch im Unterschied zu Clubs oder rein kommerziellen Anbietern, dass das E-Werk Gängiges verkauft, um etwa interkulturelle Veranstaltungen, noch Unbekanntes, Förderungswürdiges anbieten zu können, beispielweise junge Talente unter den Newcomern oder um Gruppenarbeit zu finanzieren — wie die eben erst als jüngste Gruppe aufgenommenen jungen Erlanger Autoren von „Wortwerk“.

Mit der Umstrukturierung des E-Werks vor zwei Jahren, bei der aus dem bis dahin gemeinnützigen Trägerverein und der Bewirtschaftungs-GmbH eine einzige GmbH hervorgegangen ist, gelang es nach Ansicht Urbans, eine Konsolidierung der unter Zuschusskürzungen leidenden Einrichtung durch Kosteneinsparungen zu erreichen. Die Zusammenfassung statt des Nebeneinander von Verwaltungs- und Organisationsstrukturen von Verein und GmbH zu einer Lohn- und Finanzbuchhaltung hat Synergie-Effekte gebracht. Die befürchtete noch stärkere Kommerzialisierung ist ausgeblieben, wenn auch nicht übersehen werden kann. dass das E-Werk Kasse machen muss.

Rund 20 Prozent Zuschuss

Der Zuschussanteil der Stadt an den Gesamteinnahmen hat sich nämlich von ehemals fast 50 Prozent im Eröffnungsjahr — als gerade mal der erste Bauabschnitt fertig war — auf knapp 20 Prozent verringert, wenn er in absoluten Zahlen auch gestiegen ist. Rund 1,75 Millionen Euro hat das E-Werk 2001 selbst erwirtschaftet. 430 000 Euro betrug der Zuschuss. Darin enthalten ist aber auch der städtische Beitrag zum Bauunterhalt. Rechnet man von den rund 243 000 Besuchern die nicht „zuschusswürdigen“ Gäste bei Kneipe, Berg-Werk und Faschingsveranstaltungen ab, bleibt ein Pro-Kopf-Zuschuss von 2,15 Euro pro Besucher.

Kulturreferent Dieter Rossmeissl sieht zwar auch die kommerziellen Zwänge. Für ihn überwiegen aber die Vorteile, die die Unabhängigkeit der GmbH von der Stadtverwaltung mit sich bringt. Die klare Trennung der soziokulturellen Einrichtung als selbstständiges Unternehmen — allerdings mit durchaus gemeinnützigen Zielen — „macht das E-Werk zum Partner der Stadtverwaltung, nicht zu ihrem Vollzugsorgan“, betont er. Deshalb liegt für ihn in der Freiheit der Programmgestaltung und der Nichteinbindung in städtische Strukturen gerade die Stärke der Kultureinrichtung. „Sie nimmt den unterschiedlichsten Gruppen Schwellenängste und ermöglicht ihnen den Zugang. Sie kann prompter auf veränderte Bedürfnisse reagieren, ohne ausschließlich dem Kommerz nachzugeben.“

Die Preisgestaltung sei nach wie vor moderat, unterstreicht Heine das Bemühen um Angebote auch für weniger betuchte Jugendliche. Alkoholfreie Getränke bei Jugendveranstaltungen zu Sonderpreisen gehören ebenso dazu wie etwa der Donnerstag-Club „Umsonst & Drinnen“, der gleichzeitig der Förderung der lokalen Musikerszene dient.

Drehen sich gegenwärtig die Überlegungen vor allem um eine gelungene Programm-Mischung, so war das E-Werk in den 20 Jahren seines Bestehens auch immer wieder Ort und Mittelpunkt gesellschaftspolitscher Auseinandersetzungen: Des Sympathisantentums mit Terroristen wurde es bezichtigt, es galt als Keimzelle des Widerstandes gegen die WAA-Wackersdorf, weil die Filmgruppe einen Streifen produziert hatte, der heute bestenfalls zeitgeschichtliches Dokument ist. Ja, selbst zum Schauplatz rechter Gewalt ist es geworden. Und das immer nur, weil die E-Werk-Organisatoren jungen Leuten ein Meinungsforum bieten wollten, statt sie auszugrenzen und dadurch der Gesellschaft zu entfremden. 





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