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Leben und arbeiten in Bruck

Projektentwickler Jürgen Jost plant ganz Großes - 10.05.2017 06:00 Uhr

Der renommierte Industrie- und Innendesigner Markus Benesch stellte seine Ideen — hier einen farbenfrohen Korridor — vor. Und so sollen die Nutzer des Gebäudes wohnen. © Ralf Rödel


Projektentwickler Jürgen Jost hat das Projekt "Brucklyn" genannt, und das kommt nicht von ungefähr. Über Bruck spricht er von einem "Glasscherbenviertel", das "in Verruf" gekommen sei. "Das sah hier furchtbar aus", sagt er, "eine Industriebrache", auf der er "etwas extrem Innovatives" machen will.

Auf der Industriebrache entstehe das "deutschlandweit innovativste Quartier für innovatives Wohnen und Arbeiten", schwärmt Jost. Für das Design hat er den renommierten Industrie- und Innendesigner Markus Benesch gewonnen, der zwar aus München stammt, aber überwiegend in Mailand, London und New York kreativ ist. Er arbeitet allerdings nicht für jeden, hat sich aber für Projektentwickler Jost entschieden, weil der vor allem etwas für junge Leute mache.

Der Star-Designer stellte während der Pressekonferenz seine Entwürfe vor, die in der Halle teilweise schon als Schauobjekte umgesetzt sind. Büros gibt es in Garagenform, als "Amt" mit vertrockneter Zimmerpflanze, als "Yogafant" für sportliche Aktivitäten mit Trainer, und auch als "Farm" mit Stalllampe, eben mit Kuhstallfeeling. Benesch sagt, hinter den Bürotüren werden sich unterschiedliche Welten verbergen, für jeden jungen Unternehmer je nach seinem Berufsbild etwas anderes.

Das Quartier habe auch etwas "nomadisches", sagt er, denn es werde sich kaum jemand für zehn Jahre dort einmieten, sondern eher für ein paar Monate, um dann weiter zu ziehen. "Der Co-Worker geht nicht in eine graue Amtsstube, er muss sich wieder finden in seinem Umfeld".

In diesem Umfeld ist auch die Küche komplett eingerichtet. Selbst Kaffeemaschine und Toaster fehlen nicht. Die Toiletten sind darum auch nicht 0-8-15, sondern von besonderem Design.

Projektentwickler Jost ist sich sicher, dass es dafür Bedarf gibt. Es könne sich beispielsweise auch ein Kreativteam vom Fraunhofer Institut einmieten, ein Projektteam von Siemens, oder ein Anwalt, der erst einmal sehen will, wie sich sein Geschäft entwickelt.

Diese Hightech-Büros befinden sich innerhalb der großen Halle, in deren Innenraum sich das Zusammenleben entwickeln soll. Für die jungen Start-ups will Jost sogar kostenlose Beratung in juristischen und finanziellen Angelegenheiten bieten.

Das Quartier "Brucklyn" soll ein Hightech-Gründerzentrum werden mit leistungsfähiger Laborinfrastruktur sowie Wohn- und Boardinghäusern. Insgesamt werden um die Scheinwerferhalle herum sechs Gebäude entstehen, in denen 1000 Menschen leben sollen. Die Gesamtfläche beträgt 21 000 Quadratmeter, darin sind auch Büro- und Laborflächen, Einzelhandel und Gastronomie vorgesehen.

Auf den Dächern soll es einen Pool, ein Basketballfeld und andere Freizeitmöglichkeiten geben. Natürlich wird auch ein Kinderhaus errichtet, und eine Car-Sharing-Station ist auch vorgesehen. Das Parkhaus ist für 310 Stellplätze konzipiert.

In "Brucklyn" wird erstmals Wasserstofftechnologie für eine nachhaltige Energieversorgung eingesetzt. Der Wasserstoff-Langzeitspeicher ist Teil eines lokalen Verbundprojektes von der Friedrich-Alexander-Universität (FAU), dem Fraunhofer Institut und der Erlanger Hydrogenious, die ein Spin-off-Unternehmen der FAU ist.

Der Professor für Gebäudetechnologie an der Hochschule Darmstadt, Mike de Saldanha, kümmert sich um die Energieeffizienz. Zu dem ganzheitlichen Energiekonzept gehören auch Solaranlagen und Geothermie sowie Elektromobilität, die von BMW kommen soll. Vorgesehen ist nämlich, dass Elektrofahrzeuge nicht nur geladen werden, sondern dass sie auch Energie in das Netz im Quartier wieder abgeben können. Durch energetische und digitale Vernetzung sollen die Energieflüsse optimiert und eine hohe Effizienz erreicht werden.

"Brucklyn wird Dank Erlanger Technologie nahezu CO2-neutral sein", verspricht Jürgen Jost. Leider seien die Erlanger Stadtwerke für das Konzept nicht offen gewesen, klagt er. Man habe die Hand für eine Zusammenarbeit ausgestreckt, die sei aber nicht angenommen worden.

Die Scheinwerferhalle soll zusammen mit einem Wohnkomplex bereits im September bezogen werden, das gesamte Quartier soll bis 2020 fertig sein. 

KLAUS-DIETER SCHREITER

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