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Lebern verdoppelt

Transplantationszentrum fürchtet Sparpläne nicht - 22.01. 12:07 Uhr

ERLANGEN  - Das Universitätsklinikum Erlangen muss offenbar nicht mehr um sein Leberzentrum bangen. „Ich fühle nicht, dass hier die Uhr tickt“, sagt Prof. Kai-Uwe Eckardt. Planspiele, die Lebertransplantationen in München und Regensburg zu konzentrieren, scheinen unvernünftiger denn je.

Voruntersuchung im Computertomographen:  Roland Croner, geschäftsführender Oberarzt an der Chirurgischen Klinik, zählt zu den  Medizinern, die am Uni-Klinikum Lebern transplantieren.
Voruntersuchung im Computertomographen: Roland Croner, geschäftsführender Oberarzt an der Chirurgischen Klinik, zählt zu den Medizinern, die am Uni-Klinikum Lebern transplantieren.
Foto: Michael Rabenstein
Voruntersuchung im Computertomographen:  Roland Croner, geschäftsführender Oberarzt an der Chirurgischen Klinik, zählt zu den  Medizinern, die am Uni-Klinikum Lebern transplantieren.
Voruntersuchung im Computertomographen: Roland Croner, geschäftsführender Oberarzt an der Chirurgischen Klinik, zählt zu den Medizinern, die am Uni-Klinikum Lebern transplantieren.
Foto: Michael Rabenstein

Im bayerischen Gesundheitsministerium hatten Beamte 2009 die Frage aufgeworfen, ob die Leberzentren nicht konzentriert werden sollten. Dem Uni-Klinikum Erlangen würde demzufolge diese Kompetenz entzogen und nach Regensburg verlagert. Bayernweit gäbe es dann nur noch in München und der Domstadt die Möglichkeit zu Lebertransplantationen. Der gesamte fränkische Raum verlöre die Chance auf eine solche Organverpflanzung in räumlicher Nähe.

Erlangens OB Siegfried Balleis protestierte umgehend. Nach einem Gespräch mit Vertretern der Uni-Kliniken Erlangen und Würzburg, der Krankenkassen, der Deutschen Transplantationsgesellschaft, der Stiftung Organtransplantation und des Wissenschaftsrates im Ministerium hatte der damalige Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) festgeklopft, erst nach einer Frist von zwei Jahren über die Empfehlung des Wissenschaftsrates zu entscheiden; dieser hatte auf eine „effektivere Nutzung“ der Kapazitäten gedrängt. Die Ministerialbürokratie war daraufhin zur Überzeugung gekommen, man brauche keine fünf universitären Leberzentren im Freistaat — München und Regensburg seien ausreichend.



Die Übergangs- oder auch Schonfrist läuft noch und ist wohl auf drei Jahre ausgedehnt worden. Erst im Jahr 2013 stehe eine Entscheidung an, sagt eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage der EN. Bis dahin sollen die Uni-Kliniken Erlangen und Würzburg eine „Verbundlösung“ anstreben; zudem sollte ein Qualitätsnachweis erbracht werden.

Davor ist Prof. Eckardt nicht bange. In den zwei zurückliegenden Jahren sind in Erlangen 44 Lebern transplantiert worden – eine Steigerung von mehr als hundert Prozent im Vergleich zu den Vorjahren 2008 und 2009 mit 21 Organen. Parallel zu dieser Steigerung wurde das Zentrum am Uni-Klinikum durch eine Video-Minilaparoskopie zur Diagnostik und Therapie von Leber-Erkrankungen ausgebaut. Mit modernsten Instrumenten können dabei bei wenig belastenden Eingriffen die Ursachen von Leber-Erkrankungen besser beurteilt werden.

„Wir sind vorher ziemlich am Boden gelegen“, räumt Prof. Eckardt im Gespräch mit den EN ein. „Aber wir haben aufgeholt und deutlich zugelegt.“ Es sei nachvollziehbar, dass nicht in allen Uni-Kliniken das volle Angebot vorgehalten werde; Erlangen führe beispielsweise keine Lungentransplantationen durch.


Organspende rettet Leben:  Prof.  KaiUwe Eckardt.
Organspende rettet Leben: Prof. KaiUwe Eckardt.
Foto: Hans-Martin Issler
Organspende rettet Leben:  Prof.  KaiUwe Eckardt.
Organspende rettet Leben: Prof. KaiUwe Eckardt.
Foto: Hans-Martin Issler

Derzeit dezentralisiert sich die Verteilung eher wieder. In Regensburg werden im Jahr rund 40 Lebern transplantiert; Würzburg hat drei solcher Operationen durchgeführt — am dortigen Uni-Klinikum ist an der Chirurgie nun sogar eine entsprechende Professur ausgeschrieben worden — nicht gerade ein Zeichen für Zentralisierung. Generell meint Prof. Eckardt: „Kein Leberzentrum mehr im fränkischen Raum, das wäre ein klarer Versorgungsnachteil für die Patienten in der Metropolregion.“

Festzuhalten bleibt: Das Transplantationszentrum insgesamt stand nie zur Disposition, sondern es ging nur um die Frage, ob dort weiterhin Lebern transplantiert werden sollen, betont der Sprecher des Uni-Klinikums, Johannes Eissing.

Obwohl im vergangenen Jahr 7,4 Prozent weniger Organspender als 2010 zur Verfügung standen, kann das Zentrum auf ein erfolgreiches 2011 zurückblicken: „Wir konnten unsere Zahlen in den vergangenen zwei Jahren deutlich steigern“, sagt Zentrumsleiter Eckardt — nicht nur bei den Lebern, wo es gelang, die Anzahl der transplantierten Organe sogar zu verdoppeln. Auch neuere Verfahren wie die Nierenlebendspende über Blutgruppengrenzen hinweg wurden erfolgreich weiterentwickelt: „Bei postmortalen Nierentransplantationen steht Erlangen 2011 auf Platz acht der deutschen Zentren und ist damit das aktivste bayerische Zentrum.“ Insgesamt wurden 2011 in Erlangen 141 Organe — Nieren, Bauchspeicheldrüsen, Lebern und Herzen — verpflanzt.

Über dem Bundesdurchschnitt

Zählt man Nierentransplantationen von Hirntoten und aus Lebendspenden zusammen, wurden in Erlangen 104 solcher Verpflanzungen durchgeführt. Fast jede dritte Nierentransplantation ist hier eine Lebendspende: „Damit liegen wir derzeit deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Dass dabei 28 Prozent blutgruppenunverträgliche Nierentransplantationen waren, ist besonders bemerkenswert.“

Die blutgruppenungleiche Verpflanzung ermöglicht vielen Empfängern eine Lebend-Nierentransplantation, die vor wenigen Jahren noch unmöglich war. Erlangen war bayernweit das erste Zentrum, das 2006 eine solche Operation durchgeführt hatte.

Mit elf Bauchspeicheldrüsen-Transplantationen, die bei Diabetikern üblicherweise in der Kombination mit Nierentransplantationen gemacht werden, hat Erlangen zusammen mit den Uni-Klinika in Bochum (31) und Hannover (16) in Deutschland am erfolgreichsten. Zudem wurden in den vergangenen beiden Jahren 26 Herzen transplantiert. Um die Wartezeit zu überbrücken, müssen häufig Kunstherzen implantiert werden. Dadurch können auch extrem lange Wartezeiten von Kindern von derzeit bis zu zwei Jahren überbrückt werden.

„Auch wenn es sehr erfreulich ist, dass unser Zentrum entgegen dem bundesweiten Trend seine Aktivitäten ausbaut, so macht uns der Rückgang bei den Organspenden doch große Sorgen“, sagt Eckardt. „Viele Patienten, denen durch eine Transplantation geholfen werden könnte, haben keine Chance, diese Option zu nutzen.“ Er appelliert an die Bevölkerung, über einen Spenderausweis ihre Einstellung zur Organspende zu dokumentieren.

www.dso.de 



VON HANS PETER REITZNER

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