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Donnerstag, 20.09.2018

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Malen mit Kindern in der Galerie in Forth

Jeden Mittwoch bekommt Galerist, Maler und Kunsthändler Günter Rocznik Besuch von nebenan - 18.02.2018 06:30 Uhr

Günter Rocznik am Maltisch mitten in der Ausstellung „Sehn-Sucht-Bilder“ mit Annegret Schildknecht und den Kindern Hazem, Nour, Sermia, Shaima und Erik. © Fotos: Dieter Köchel


Es wirkt, als müsse es so sein und nicht anders, wenn man im dritten Stock die Galerie betritt: Erik, Shaima, Nour, Hazem und Sermia sitzen um einen alten Tisch voller Kreiden, Wachsmalkreiden, Wasserfarben und Buntstifte und zeichnen und malen. Zurzeit inmitten der Ausstellung "Sehn-Sucht-Bild". Ganz konzentriert sind sie dabei.

"Ich wollte, dass die Kinder einfach loslegen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen." Deshalb hat Günter Rocznik den Buben und Mädchen Farben auf den Tisch gestellt und sie sich selbst überlassen, während er seinen eigenen Dingen nachgegangen ist. Nur ab und zu hat er mal nachgeschaut und bei Bedarf einen Hinweis gegeben.

Nebeneinander aufgereiht stehen die heiteren Bilder, die die Kinder gemalt haben.


Heute ist das anders. Annegret Schildknecht ist bei den Kindern. Sie ist durch eine Ausstellung auf Günter Rocznik aufmerksam geworden. Sie sind ins Gespräch gekommen. Und im Herbst hat der Galerist sie gefragt, ob sie denn ein wenig mit den Kindern arbeiten wolle, ehrenamtlich, versteht sich. Und sie wollte.

"Wissen Sie, mir macht es Spaß, Kinder und Senioren zu animieren, aktiv zu werden", sagt sie, dabei ist sie in Eckenhaid schon als Vorlesepatin in der Kita unterwegs und macht auch ein Unterhaltungsprogramm für Senioren.

Dieses Mal hat sie den Kindern das Buch "Eulenglück" von Celestino Piatti mitgebracht, ein Bilderbuch mit einer einfachen Geschichte und großformatigen , schlichten Bildern.

Die Hühner, Enten und Gänse können es nicht glauben: Die beiden Eulen oben im Baum sind glücklich! Einfach glücklich über das, was ihnen der Tag bringt: froh bei Regen oder Sonnenschein, zufrieden mit den Blumen und Schmetterlingen, erfreut über grünes Gras und fallendes Laub. Glück, so die Botschaft, ist es, sich an den kleinen Dingen freuen zu können. Begeistert nehmen die Kinder die Motive auf, zeichnen das Eulenpaar oder eine einzelne Eule. Danach folgt als Motiv eine Sonnenblume, die nicht nur goldgelb leuchtet sondern auch mit einem strahlenden Lächeln Freude verbreitet. Das malen die Kinder ebenso gern, ehe sie ein wenig durch die Räume im Dachgeschoss toben.

Und ihre Herzen schlagen noch einmal höher, als ihnen Annegret Schildknecht Krapfen anbietet. Herzhaft beißen sie hinein, ehe es weitergeht im Malprogramm. "Die Freude der Kinder ist mein Lohn und dafür bin ich dankbar", lacht sie. Die Mädchen und Buben zwischen fünf und zehn Jahren, als wollten sie das vorführen, zeigen ihr mit leuchtenden Augen ihre fertigen Bilder. Die Zeichnungen werden nebeneinander an die Fußleiste der Wand gestellt und geben ein fröhliches Gesamtbild.

Günter Rocznik, der auch hier im Dachgeschoss wohnt und die Kinder mit ihren Eltern – samt und sonders Asylsuchende – als Nachbarn hat, sagt ganz lapidar: "Auch an manchen anderen Tagen wollen die Kinder gern malen. Wenn ich in Stimmung bin, lass ich sie." Manchmal aber hat er zu tun und vertröstet sie dann auf den nächsten Mittwoch.

Da hätte er auch gern deutsche Kinder aus Forth dabei. Denn ganz ohne Ambitionen ist Rocznik nicht im Haus der Diakonie, das auch Asylbewerberheim ist. In seinem Kopf steckt die Idee, ein Bindeglied zwischen der Eckentaler Bevölkerung und den Asylsuchenden zu sein. Auch deshalb wünscht er sich, dass noch deutsche Kinder zum Malen in

die Galerie kommen, jeden Mittwoch, ab 16 Uhr. 

DIETER KÖCHEL

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