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Maler Axel Gercke erhält Preis von Kulturstiftung

Vom Graffiti-Künstler zum Kulturpreisträger und Familienvater - 15.01.2015 15:54 Uhr

Ein Blick in die künstlerische Arbeit und ins Atelier gewährt der Maler Axel Gercke mit diesem Selbstbildnis. © Repro: privat


Sportlich: Axel Gercke vor einem seiner Radfahrer-Bilder. © Foto: Harald Sippel


Axel Gercke gehört nicht zu den demonstrativ „lockeren“ Künstlern, deren Existenzgrundlage nicht mehr ist als das Vertrauen auf das eigene Talent und die Hoffnung auf möglichst viele glückliche Zufälle im Leben. Lange vorbei sind die von Gercke sogenannten goldenen Jahre seiner Jugend, in denen er Graffiti an Hauswände malte und für die Bühnen-Shows von Michael Jackson schwärmte. Heute ist der mittlerweile fast 36-Jährige ein äußerst disziplinierter Arbeiter, der für eine Familie zu sorgen hat. In Kürze erwartet seine Frau ihr zweites Kind. Da kommt dem Vater das Erlanger Preisgeld „gerade recht“, wie er sagt. An Anerkennung für sein künstlerisches Können und sein von Anfang an hartnäckiges Ringen um handwerkliche Perfektion hat es allerdings nie gefehlt.

Bereits während seiner Studienzeit an der Nürnberger Kunstakademie erhielt er im Jahr 2006 einen Klassenpreis und im Jahr darauf den sehr begehrten Bayerischen Kunstförderpreis. Er wurde Meisterschüler von Johannes Grützke und — nach dessen Wechsel in den Ruhestand — Meisterschüler von Peter Angermann.

Letzterer lobte Gerckes Art der Malerei in einem Katalog-Beitrag: „Ohne Umschweife und überflüssige Manierismen kommt er zur Sache. Er folgt traditionellen Ansätzen und findet dabei ganz eigene, originelle Lösungen, die trotz oder gerade wegen ihrer bewussten kritischen Zeitferne einen sehr zeitgemäßen Ausdruck darstellen.“

In Gerckes Atelier lässt sich Peter Angermanns Einschätzung der Arbeitsweise seines ehemaligen Studenten nachvollziehen. Neben Staffelei und Arbeitstisch türmt sich Literatur zur Kunst des 19. Jahrhunderts. Da gibt es Bücher über Camille Corot, Edouard Manet, Carl Spitzweg, Caspar David Friedrich, aber auch ein umfängliches historisches Werk über klassische Maltechniken. Weil er von seinem polnischen Freund Jacek Pasieczny gehört hatte, dass in dessen Heimat die besagten alten Techniken noch gelehrt werden, hat Axel Gercke 2005/2006 sogar ein Austausch-Semester an der Kunstakademie in Krakau absolviert.

Wenn er heute einen Stapel von Sportschuhen aus Herzogenaurach, eine Shell-Tankstelle, einen Lasten-Kran oder einen Mountainbike-Fahrer malt, dann folgt er dabei den Lehren aus der Vergangenheit.

Ein jedes Bild ist Frucht eines langen Entstehungsprozesses im Atelier. Selbst Landschafts-Bilder, die ganz die Wiedergabe eines einzigen und einmaligen Natureindrucks zu sein scheinen, setzen sich aus diversen, zu verschieden Zeiten entstandenen Skizzen oder aus Elementen mehrerer und voneinander unabhängiger fotografischer Vorlagen zusammen.

Gerckes Atelier-Fußboden ist bedeckt mit solchen Vorarbeiten und mit Farb-Proben sowie Entwürfen zur farblichen Komposition auf schmalen Papierstreifen. Gemälde, die derart kalkuliert entstehen, sind selbstverständlich weit davon entfernt, einfache Naturnachahmung zu sein. Des Künstlers Städte-Ansichten von Danzig oder Krakau sind gemalte Reflexionen über geschichtliche Ereignisse.

Seine Bilder von Radfahrern im Gebirge, mit denen er einige Preise gewonnen hat, und die auch als Vorlagen für die Gestaltung von Plakaten und Buch-Schutzumschlägen verwendet wurden, sind nicht nur malerische Darstellungen von sportlichen Aktivitäten. Gercke schuf damit auch Sinnbilder seiner Auffassung vom Leben als eine Herausforderung zu Höchstleistungen

Ein bisschen Entspannung vom Ernst des Lebens findet Axel Gercke bei der Entwicklung von Foto- und Video-Projektionen, mit denen er an seine jugendliche Graffiti-Periode anknüpft. So hat er während der „Blauen Nacht“ 2009 die Nürnberger Burg illuminiert und 2011 das Wawel-Schloss in Krakau.

Ebenfalls ein Rückgriff auf die Graffiti-Ästhetik der frühen Jahre war seine prämierte Bemalung einer Auto-Karosserie im Rahmen eines Wettbewerbes des Kredit-Unternehmens „Easy Credit“ im Jahr 2010. 

BERND ZACHOW

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