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Merlin-Methode bringt Rettung für Herzkinder

Neues Operationsverfahren in Erlangen entwickelt - 13.04.2011 14:00 Uhr

Selig schläft die Hauptperson: die kleine Franziska mit ihren Eltern Stefan und Eva-Maria und dem Herzchirurgen Professor Robert Cesnjevar, der mit seinem Team die neue Behandlungsmethode entwickelt hat. © Bernd Böhner


Die kleine Franziska wurde mit einem nicht erkannten hypoplastischen Linksherzsyndrom geboren. Kinder mit diesem Herzfehler können ohne Operation nicht überleben, denn bei ihnen sind die linke Herzkammer und die herznahe Hauptschlagader nur verkümmert angelegt. Lediglich die rechte Herzkammer ist ausreichend.

Erst als Mutter und Kind nach der Entbindung wieder zu Hause waren, traten Komplikationen auf. Ein Kinderkardiologe stellte die genaue Diagnose und überwies das eine Woche alte Baby ins Erlanger Herzzentrum.

Rund 8000 Kinder kommen in Deutschland jährlich mit einem Herzfehler auf die Welt, 50 bis 80 dieser kleinen Patienten sind Linksherzhypoplasten. Für sie gibt es seit 27 Jahren nur das relativ komplexe und auch risikobehaftete Norwood-I-Verfahren, bei dem die Sterblichkeitsrate durchschnittlich bei zirka 30 Prozent liegt.

Die Erlanger Kinderherzchirurgie konnte die Sterblichkeit zwar unter 15 Prozent drücken, dennoch arbeiteten Cesnjevar und sein Team an der Entwicklung einer besseren Operationsmethode, mit der sie die Sterblichkeit der Linksherzhypoplasten auf des Niveau anderer Neugeborenen-Operationen, nämlich fünf bis sieben Prozent, senken wollten.

Keine Nähte

So entwickelten sie das Merlin (Modified-Erlangen-Less-Invasive-Norwood-Operation)-Verfahren: Statt einer aufwändigen Aortenbogen-Rekonstruktion wird dabei das Blut aus dem Lungenarterienstamm direkt mit der Körperschlagader verbunden. Ein zentrales Drosselventil reguliert die Lungendurchblutung, Nähte am Herzmuskel oder in den Lungenarterien sind nicht mehr nötig.

„Wir können so die Belastung des Babys wesentlich geringer halten, da ein Großteil der OP am schlagenden Herzen ausgeführt wird, und ein separater Kreislauf die Sauerstoffversorgung des Gehirns immer gewährleistet“, sagt Professor Cesnjevar. Da die Lungenarterien und der Herzmuskel des Einkammersystems bei der Merlin-Methode nicht direkt operiert werden, entstehen auch keine Schäden am Lungenarteriensystem und an der Kammermuskulatur. Der Herzmuskel kann also nach der Operation unbeeinträchtigt seine Arbeit tun.

Wie beim Norwood-Verfahren sind auch bei der Merlin-Methode zwei weitere Operationen — im Alter von vier Monaten und von zwei Jahren — erforderlich. „Danach“, meint Professor Cesnjevar, „gelten die Kinder als geheilt und können ein völlig normales Leben führen.“

Als die kleine Franziska mit der lebensbedrohlichen Diagnose in Erlangen eingeliefert wurde, klärten die Spezialisten die Eltern umfassend über die neue Behandlungsmethode auf. „Wir wären auch den herkömmlichen Weg mit Eltern und Kind gegangen“, versichert Cesnjevar. Aber nach 48 Stunden Bedenkzeit entschieden sich die Eltern für das Merlin-Verfahren.

Franziska ist das erste Baby weltweit, das mit der neuen, schonenden Methode operiert wurde — in einem sechsstündigen komplikationslosen Eingriff. Gestern konnte sie von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt werden. 

Christiane Benesch

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