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Mit Beständigkeit den Wandel meistern

Die Krise in der bayerischen Brauindustrie trifft auch den Mittelständler Kitzmann aus Erlangen - 23.02.2011 21:58 Uhr

Die mittlerweile manifeste Krise in der bayerischen Brauindustrie macht auch vor einem mittelständischen Betrieb wie der Privatbrauerei Kitzmann nicht halt: Seit Oktober gibt es im Bereich der kaufmännischen Angestellten Kurzarbeit, Brauerei-Chef Peter Kitzmann reagiert damit auf die Rückgänge bei Produktion und Vertrieb.

Seit 25 Jahren hat Braumeister Karl-Heinz Maderer (r.) bei Kitzmann die Produktpalette ausgebaut. Sein Nachfolger Benjamin Kloos will daran zunächst nichts ändern. © Bernd Böhner


 



Während die Gesamtheit der bayerischen Brauer einen Absatzrückgang im Jahr 2010 von 3,2 Prozent und einen Gesamtabsatz erstmals unter 22 Millionen Hektoliter beklagen, musste die Privatbrauerei von der Südlichen Stadtmauerstraße zusätzlich Federn lassen — in Erlangen ist ein schlechter Bierabsatz während einer verregneten Bergkirchweih immer noch ein zusätzlicher Schaden.

Entgegenkommen verlangt

Peter Kitzmann sieht aber auch in einem immer risikoreicheren Absatz über den Handel einen Störfaktor. Dieser verlange heute von den Brauereien ein derart großes Entgegenkommen, dass immer weniger am Flaschenbier im Handel verdient werde — und die hauseigene Kundschaft unter den Wirten werde zusätzlich verprellt. „Viele Wirte sehen auch nicht, dass ein Bier-Liefervertrag weit mehr beinhaltet, als nur das Bier selbst.“

Zusammen mit seinem neuen Diplom-Braumeister Benjamin Kloos — der wird noch bis Mitte März vom langjährigen Braumeister Karl-Heinz Maderer mit den Gegebenheiten der Erlanger Braustätte vertraut gemacht — will Kitzmann künftig stärker die „Qualitätsschiene“ bedienen, auf der seine Brauerei mit dem mehrfachen Gewinn des „European Beer-Stars“ bereits erfolgreich gefahren ist.

Diese Auszeichnung hat ihm bekanntlich auch den bislang entferntesten Kunden beschert: Ein großer Getränkevertrieb im Südtiroler Pustertal, der die Kitzmann-Biere mit großem Erfolg und zu guten Konditionen für den Erlanger Hersteller vermarktet. Der nach 25 Jahren scheidende Braumeister Karl-Heinz Maderer sieht aber auch in einer Rückbesinnung auf den unverändert gültigen Werbeslogan „Unser Erlanger Bier“ für die Brauerei Kitzmann Chancen, langfristige Stabilität zu erreichen, sich weniger anfällig für Marktverwerfungen zu machen: „Die Anpassung des gesamten Produktionsprozesses an veränderte Kapazitäten birgt auch viele Chancen.

Kein „Industriebier“

Eine dieser Chancen besteht darin, Bieren wieder mehr „Gesicht“ zu geben, sie als Spezialität aus diesem Hause zu kennzeichnen.“ Diese Einschätzung teilt auch Maderers Nachfolger Benjamin Kloos, der bei seiner Lehr-Brauerei in Westdeutschland und seiner Gesellenzeit in einer Brauerei im Hohenloher Land gelernt hat, „dass man Bier heute nicht mehr ohne den Begriff ,Spezialität‘ verkaufen kann. Der größte Feind eines Bieres ist der Ruf als ,Industriebier‘ — egal wie gut es ist.“

Kloos wird nach seinen eigenen Worten keinen „Umsturz“ in der Brauerei Kitzmann anstellen. „Die Brauerei ist in einem guten Zustand, braut mehrfach ausgezeichnete Biere — was soll ich da erst einmal groß ändern?“ Das sieht auch Brau-Herr Peter Kitzmann nicht anders.

In einem Umfeld, in dem sowohl die kleinen fränkischen Spezialbrauereien als auch die Großbrauereien Tucher — dort hält übrigens Kitzmanns Schwester Elisabeth ihren Kontakt zum Braugewerbe — und Kulmbacher starke Marktkonkurrenz sind, sind Tugenden wie verlässliche Qualität, Nähe zum Kunden, Bodenständigkeit und Traditionspflege wichtige Eigenschaften.

„Damit“, sagt der scheidende Braumeister Karl-Heinz Maderer, der in seinen letzten zehn Berufsjahren noch einmal bei einer mittelständischen Spezialbrauerei durchstarten will, „ist diese Brauerei immer gut gefahren. Ich bin sicher, dass das auch weiterhin ein erfolgreiches Konzept sein wird.“ 

Peter Millian Lokalredaktion

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