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Mit spektakulärem Gestus

Junge Philharmonie Erlangen musizierte in Atzelsberg - 11.09.2017 19:39 Uhr

Musizierspaß: Die Stimmung steigerte sich im Verlauf des kurzweiligen Konzerts des größten Erlanger Laienorchesters in der Schloss-Scheune. © Harald Sippel


Es ist inzwischen ein Trend, klassische Musik innerhalb eines besonderen äußeren Rahmens anzubieten. Zu "Klassik am See" gesellt sich seit vergangenem Jahr das Konzertevent "Klassik am Schloss".

Das Ganze ist zwar nicht so gigantisch aufgebaut wie "Klassik am See", sondern mehr eine fröhlich-festliche musikalische "Familienfeier" der Jungen Philharmonie Erlangen in den gemütlichen Räumen der umgebauten Scheune von Schloss Atzelsberg. Spaß macht’s dem von ganz Jung bis Alt querbeet gemischten Publikum mit etwa 180 Besuchern auch.

Die Stimmung steigert sich im Verlauf des kurzweiligen Konzerts, die Temperaturen in der Scheune auch. Es war klug gewesen, die geplante Freiluftveranstaltung nach innen zu verlegen. Denn wer möchte schon bei schattigen 15 Grad draußen lauschen?

Passender Auftakt

Georg Friedrich Händels "Feuerwerksmusik" bildet den passenden Auftakt. Das kam zwar klanglich weniger strahlend, dafür aber tänzerisch und weich fließend im Friedensstück "La Paix" ("Der Frieden") unter ebensolchem Dirigat von Tristan Uth daher. Der unkonventionelle Dirigent des größten Erlanger Laien-orchesters, das für dieses Konzert jedoch auf rund 45 Mitspieler beschränkt ist, moderiert munter, weist mit spektakulärem Gestus auf die Möglichkeiten der Musik, des jeweiligen Werks bestens und präzise, unermüdlich hin.

Große Begeisterung erzeugt auch bei den Allerjüngsten die solistische Darbietung des "Konzerts für Marimba und Streichorchester" des französischen Komponisten Emmanuel Séjourné (*1961). Dieses changiert mit filmischen und jazzigen Anklängen von geheimnisvoll zart bis ins Mystische, von spannend bis virtuos in den zwei Sätzen. Der aus Polen stammende Solist Radoslaw Szarek verblüfft mit waghalsigem, fast artistischem Einsatz an der Marimba. Da sind Einzelbewegungen und Abläufe optisch nicht mehr wahrnehmbar.

Angeregt in die Pause

Die Streicher haben untermalende Wirkung statt die eines gleichgestellten Gegenparts. Begeisterter Beifall und zwei reizvolle Zugaben, ein Arrangement von Astor Piazzollas "Libertango" und eine Eigenkomposition "Choral" des polnischen Solisten Szarek, entlassen angeregt in die Pause.

Zu dieser spendiert die Junge Philharmonie jedem Zuhörer großzügigerweise ein Pausengetränk nach Wahl. Das gepflegte Gartenambiente von Schloss Atzelsberg sorgt für entspanntes Verweilen.

Wenig Probenzeit

Felix Mendelssohns populäre "Italienische Symphonie" stellt eine Herausforderung für die Junge Philharmonie dar, die ja für dieses Konzert nur wenig Probenzeit zur Verfügung hat. Da ist es klug, den Eingangssatz gemäßigt lebhaft zu spielen. Intonatorisch und klanglich könnte die Partitur noch sauberer umgesetzt sein. Schön ist der Streicherfluss im zweiten Satz, gut glückt der finale "Saltarello".

Musizierspaß und engagiertes Bemühen befördern den freudigen Applaus des Publikums, dem eine filmische Zugabe aus "Braveheart" folgt.  

SABINE KREIMENDAHL

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