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Schon früh hielt es die Erlanger Fans nicht mehr auf den Sitzen: Ihr Team brauchte Unterstützung. Stehend peitschte der „8. Mann“ seine Mannschaft voran – gegen aggressive Gegner mit Bundesligaerfahrung und gegen die Schiedsrichter, die ein ums andere Mal eine gewisse Einseitigkeit in ihren Entscheidungen erkennen ließen. Und das wirkte: Der Rückhalt von der Tribüne und der eigene, wieder einmal beeindruckende Kampfgeist sorgten in Hälfte zwei für die Wende im Spiel.
Dabei sah es anfangs nicht so aus, als würde das Team von Trainer Frank Bergemann neben dem verletzten Georg Münch (Ellenbogenverletzung) den zusätzlichen Ausfall von Kapitän Daniel Stumpf (Innenbanddehnung im Knie) wegstecken können. Zu wenig passte zusammen, und der Bundesliga-Absteiger erspielte sich – obwohl ebenfalls verletzungsbedingt noch nicht wieder komplett – aus einer sicheren 6:0-Abwehr heraus Tor um Tor. Der Vorsprung der Gäste wuchs immer wieder auf bis zu vier Tore an, während die Erlanger Deckung nicht gewohnt sicher agierte und Fehlpässe und Fehlwürfe Nervosität ins Spiel brachten. Konterchancen waren nicht vorhanden, das Fehlen von Daniel Stumpf war deutlich zu merken. „Unsere Automatismen haben heute nicht funktioniert“, sagte Frank Bergemann nach dem Spiel. „Und Kogut hat uns von einer Peinlichkeit in die nächste rutschen lassen.“
Auch der Start in Hälfte zwei verlief holprig, Friesenheim zog noch einmal mit drei Toren auf 14:11 davon. „Dann haben die Jungs ihre Nerven weggeschmissen“, beschreibt Bergemann was dann passierte. Es folgten die Minuten von Christoph Nienhaus und Oliver Hess: Mit sechs Toren – unterbrochen durch zwei Treffer von Friesenheims Backovic – drehten sie die Partie und der HCE lag plötzlich mit 17:16 vorn. Zum 17:17 und 18:18 konnte der Gast noch ausgleichen, dann hatte sich der Kampfgeist des HCE Bahn gebrochen: Hess und Daniel Pankofer, mit neun Toren bester Torschütze, sorgten mit dem 21:18 für die Vorentscheidung. Nach dem 23:19 in der 56. Minute war das Spiel dann zugunsten der „Bergemänner“ gelaufen.
Die Begeisterung kannte nach der Schlusssirene keine Grenzen mehr. „Es war toll, wie wir heute gefightet haben,“, freute sich der Erlanger Coach und sah über die unruhige erste Halbzeit hinweg: „Heute zählen nur die Punkte, aber es ist unser Markenzeichen, dass wir die Qualität haben, auch solche Spiele zu kippen.“ Dass das weiterhin Platz drei und damit einen Aufstiegsplatz bedeutet, ficht Frank Bergemann allerdings nach wie vor nicht an: „Wir schauen weiterhin nur von Spiel zu Spiel.“ Auch Daniel Stumpf war von der Leistung seiner Kollegen begeistert. „Aber das macht einen wahnsinnig, wenn man da nur zuschauen kann. Von draußen ist das alles noch viel schlimmer.“ Der durch eine Innenbanddehnung im Knie diesmal kalt gestellte Kapitän ist aber zuversichtlich, am Samstag in Bittenfeld wieder eingreifen zu können. Das hat Bastian Krämer bereits wieder getan, der in der zweiten Halbzeit nach erfolgreicher Reha sein Comeback gab.
