Mittwoch, 26.09.2018

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Neunkirchen: Vorzüge einer Kaminkehrer-Lehre

Tim Berger macht eine Lehre: Spannender Beruf mit vielen Möglichkeiten - 10.09.2018 15:00 Uhr

Chefin Christa Butterhof-Lorenz, Azubi Tim Berger und Meistergeselle Felix Herrmann sind jetzt ein Team. © Harald Hofmann


"Ich war an der Mittelschule Neunkirchen", erzählt Tim. "Da mussten wir einwöchige Praktika machen, die wir uns selber heraussuchen konnten." Und da hat er sich eben eine Woche Praktikum bei der schwarzen Zunft herausgesucht.

Das hat ihm offenkundig auf Anhieb zugesagt. "Das hat mir besser gefallen als das andere Praktikum, das ich bei einem Optiker absolviert habe. Nur drinnen, das ist nicht meins", begründet er seine Entscheidung fürs Schornsteinfegerhandwerk.

Sofort alles machen

Und rausgehen darf er schon seit dem ersten Tag. Und alles machen. "Bei uns werden Auszubildende sofort ins kalte Wasser geworfen. Tim hat gleich alles gemacht: Abgasmessungen, er hat Rohre durchgeputzt und Daten aufgenommen — natürlich immer unter Aufsicht", ergänzt Christa Butterhof-Lorenz. Und Tim strahlt dazu. Man sieht ihm an, dass ihm die Arbeit Spaß macht.

Das war es wohl auch, was seine Chefin bewogen hat, ihn als Azubi auszuwählen. "Wissen Sie, die Chemie zwischen uns muss stimmen", sagt sie. Sie schaue sich das Auftreten und das Benehmen gegenüber Kunden an. Erst danach folge der Blick aufs Zeugnis. Natürlich sollten die Noten in Mathematik und Chemie nicht schlecht sein; denn dann hätte der Lehrling kaum eine Chance, in der Berufsschule mitzukommen, weiß die Meisterin. Kaminkehrer sei ein technischer Beruf, den Bauberufen zugeordnet.

Laut Butterhof-Lorenz muss man zwischen dem Handwerk des Kaminkehrers und dem bevollmächtigten, hoheitlich bestellten Bezirkskaminkehrermeister unterscheiden. Hoheitliche Aufgaben seien die Feuerstättenbeschau, die Ausstellung des Feuerstättenbescheides und die Bauabnahme, gegebenenfalls auch die gutachterliche Tätigkeit nach einem Brand. "Aber das ist mir in den elf Jahren meiner selbstständigen Arbeit hier erst zweimal passiert", freut sie sich. Die hoheitlichen Aufgaben sind auf einen räumlich begrenzten Bereich beschränkt, in ihrem Fall auf Neunkirchen, Dormitz und Kleinsendelbach.

Die handwerklichen Tätigkeiten darf sie auf dem freien Markt quasi überall anbieten, also etwa das Überprüfen, Messen und Reinigen von Feuerstätten und Kaminen, aber auch von Lüftungen. Brandschutz, Umweltschutz, Energie und Sicherheit sowie Beratung seien die Grundpfeiler der Arbeit eines Kaminkehrers.

Und man könne — im Gegensatz zu manch anderen Handwerksberufen, "eine Familie ernähren", betont Butterhof-Lorenz. Der Mindestlohn im ersten Jahr als Geselle belaufe sich auf 13,62 Euro je Stunde. Das macht bei einer 40-Stunden-Woche einen Verdienst von 2342 Euro im ersten Jahr nach der Ausbildung.

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Darüberhinaus gibt es zahlreiche Zusatzqualifikationen, die man sich via Fortbildung aneignen kann und die auch zu einer höheren Entlohnung führen, zum Beispiel Energieberatung, Brandschutzberatung, Lüftungs- oder auch Asbestberatung. Nach der Ausbildung könne man freilich auch das Fachabitur machen und ein fachspezifisches Studium aufnehmen, etwa im Bereich der Energie- oder Umwelttechnik. Und natürlich kann man auch die Meisterprüfung im Handwerk anpeilen und sich danach selbst um einen Kaminkehrerbezirk bewerben.

Tim der Dritte

Die Meisterprüfung hat zum Beispiel Felix Herrmann absolviert, der seit zehn Jahren bei Christa Butterhof-Lorenz arbeitet, also fast von Anfang an – und jetzt eben als Meister-Geselle. Auch weil die Chefin erwartet, dass Felix über kurz oder lang flügge wird, sprich: die Chance bekommt, einen eigenen Kaminkehrerbezirk zu übernehmen, hat sie mit Tim Berger nun ihren dritten Azubi in elf Jahren angestellt. Vor Tim hatte sie zwei Mädchen, die beide in anderen oberfränkischen Gemeinden ihrem Handwerk nachgehen.

"Wenn Du mal richtig ran musst, wirst Du abends platt ins Bett fallen", kündigt Christa Butterhof-Lorenz Tim an. Das kann Tim nicht schrecken. Er freut sich, dass er in der Arbeit hinaus kann, immer wieder Neues erlebt, neue Heizungen kennenlernt und auch mal tüfteln muss.

Zurzeit ist er jedenfalls abends noch nicht "platt" und frönt seinem Hobby, Motorrad fahren. Oder er trifft sich mit Freunden und geht mit ihnen ins Fitnessstudio. Um 7 Uhr früh aber steht er wieder in Schwarz für die Arbeit bereit. 

DIETER KÖCHEL

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