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Donnerstag, 19.04.2018

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Physik mit Cristiano Ronaldo in Erlanger E-Werk

Sechs Wissenschaftler trugen bei Science Slam ihre Ideen zu Klimaschutz vor - 10.12.2015 19:00 Uhr

Science Slam Klima Special im Großen Saal vom E-Werk: Max Gmelch aus Regensburg begeisterte die Besucher mit seinem unterhaltsamen Vortrag. © Klaus-Dieter Schreiter


Max Gmelch ist Wissenschaftler und erklärt gerne, an was er gerade arbeitet. Max Gmelch allerdings hat das Problem, dass sein Fachgebiet einen Namen hat, der so sperrig klingt, dass ihm nach der Aussprache eigentlich niemand mehr wirklich zuhören will. Deshalb schreibt er es lieber auf: Einzelmolekülfluoreszenzspektroskopie. Einfach ausgedacht hat er sich das nicht: Auf Wikipedia gibt es einen Artikel dazu. Vereinfacht geht es darum, einzelne Moleküle sichtbar zu machen. Oder wie Gmelch sagt: „Statt des Lichts können wir das Fenster anschalten.“ Wie das funktioniert, erklärt der Regensburger Physiker mit Hilfe von „CR7“. Das ist kein chemisches Element, sondern Real Madrids Star-Fußballer Cristiano Ronaldo.

Auf den ersten Blick hat das wenig gemeinsam. Beim Science Slam aber ist alles erlaubt. Dabei präsentieren junge Wissenschaftler in zehn Minuten ihr eigenes Forschungsthema allgemeinverständlich und unterhaltsam. Das Publikum bewertet die Darbietungen und kürt den Sieger. Diesmal steht die Veranstaltung als Beitrag zum „Integrierten Klimaschutzkonzept“ der Stadt Erlangen unter einem bestimmten Motto: Umwelt, Energie und Nachhaltigkeit.

Deshalb dürfen auch Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens und Lena Kaplan vom Amt für Umweltschutz und Energiefragen als „Featured Slammer“ auftreten - allerdings außer Konkurrenz. Die anderen sechs Slammer kommen aus Karlsruhe, Regensburg, Jena und Erlangen selbst. Neben dem Physiker Max Gmelch sind die Mathematikerin Anastasia August, Wirtschaftsingenieur Simon Funke, Energieökologe Benedict Schäfer, der Philosoph Matthias Warkus und Kilian Eichenseer, Student der Geowissenschaften, dabei.

Rote Karte nach zehn Minuten

Doch auch die Zuschauer spielen eine große Rolle beim Science Slam. Unter ihnen sitzt der Zeitmesser, der eine Rote Karte zeigt, wenn zehn Minuten vorbei sind, und der absolute Rausschmeißer, der mit einer Tröte lärmt, wenn es nun aber wirklich genug ist mit dem Vortrag.

Dritter wichtiger Part des Abends ist: die Welle. Der Besucher, der diesen Job ergattert, darf bei besonders lustigen Sprüchen aufstehen, „die Welle“ rufen und eine Laola anstimmen. Wie sehr ein Slammer das Publikum mitreißt, geht hinterher auch in die Bewertung ein.

Eichenseer beispielsweise probiert es mit Schaffner-Uniform, Schutzbrille sowie Regenschirm und nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise zurück zum „Mega-Klimawandel“ vor rund 252 Millionen Jahren. „Damals stieg die Temperatur um 0,01 Grad binnen 60 Jahren.“ Im gleichen Zeitraum gebe es aktuell einen Anstieg von 0,7 Grad. „Wir befinden uns auf einer Klima-Autobahn.“

Wie man darauf reagieren sollte, versuchen die anderen Slammer aufzugreifen. Dabei geht es um Einzelmolekülfluoreszenzspektroskopie, aber auch um „Micro Energy Harvesting“, also die Gewinnung kleiner Mengen elektrischer Energie aus Quellen wie Umgebungstemperatur, Vibrationen oder Luftströmungen. Was das mit dem DJ und Musikproduzenten David Guetta zu tun hat, erläutert Benedict Schäfer. Durch „Micro Energy Harvesting“ können tanzende Menschen Energie erzeugen. Da freut sich die Umwelt und auch David Guetta.

Der Eisbär darf beim Thema Klimaschutz natürlich auch nicht fehlen. Deshalb hat Anastasia August einen in Miniatur-Format mitgebracht. Die Mathematikerin erklärt, warum er nicht friert, auch im hohen Norden nicht. „Seine Haut ist schwarz.“ Das zieht die Sonne an. „Die weißen Haare sind so gebaut, dass sie die Wärme nicht mehr herauslassen.“

Ein Prinzip, das die Wissenschaftlerin nachgebaut hat. Als Prototyp gibt es bereits Häuser mit dem Wärmespeicher eines Bären. „Das ist sehr nützlich.“ Und kommt gut an. Das Publikum vergibt am Ende die meisten Punkte an die Mathematikerin. Dem knuffigen Eisbären konnte eben niemand widerstehen. 

Katharina Tontsch

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