Montag, 10.12.2018

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Prägende Erlanger Theater-Persönlichkeit

Schauspieler Winfried "Winni" Wittkopp geht nach 37 Jahren in den Ruhestand - 16.11.2014 06:54 Uhr

Entspannt lächelnd ins Pensionistendasein: Winni Wittkopp im Jahr 1981 in der Inszenierung des F. K. Waechter-Stücks „Kiebich und Dutz“ sowie bei einem Abstecher samt launigen Geplänkel mit den Bühnenarbeitern im Markgrafentheater — dem „Plüschtempel“, wie es zu Zeiten von Wittkopps Karrierestart hieß.


„150 Stücke werden es schon sein.“ Jetzt, da Winfried „Winni“ Wittkopp in den vergangenen Tagen immer wieder auf seine vier Jahrzehnte als emsiger Protagonist der Erlanger Kulturszene angesprochen wird, ist er in sich gegangen, um die Inszenierungen, an denen er mitgewirkt hat, Revue passieren zu lassen. Eine Zahl, die wohl sehr genau ist. Denn wenn es ums Theater geht, hat Wittkopp ein „fotografisches Gedächtnis“. „Wenn wir mal im Fundus unterwegs sind, weiß ich stets ganz genau, welches Kostüm von welchem Kollegen wann in welcher Aufführung getragen wurde.“

Es ist ohnehin ein Spaß, mit Winni Wittkopp in der Vergangenheit zu kramen. Nicht nur auf der Bühne kann er perfekt den Geschichtenerzähler geben, auch im privaten Gespräch hat er stets Anekdoten und Besonderheiten aus seiner langen Karriere parat. Schon sein Weg ans Theater klingt fabulös. Da ist ein junger Erlanger (Jahrgang 1951), der bei Siemens eine Lehre absolviert und nebenher in der Musik-Szene aktiv ist. Als im Theater in der Garage wilde Stücke zur Aufführung kommen, steht für Wittkopp fest: „Da will ich landen!“. Dann beginnt Manfred Neu ein Ensemble aufzubauen. „Er hat mich gesehen und wollte, dass ich mich um die Musik kümmere. Ich sagte: Ich bin dabei, aber nur als Schauspieler.“ Das war 1977. Seitdem gehört Wittkopp dazu. Innerhalb kürzester Zeit war er — nicht zuletzt fürs Erlanger Publikum — nicht mehr wegzudenken.

Es war eine wilde Zeit. Experimentelle Gastspiele sorgten regelmäßig für Aufregung beim Publikum und das Theater suchte sich seine Themen spontan aus. „Bei Neu ist so mancher Spielplan in der Gaststube der ,Kulisse‘ auf dem Bierdeckel entstanden“, berichtet Wittkopp über die ungewöhnlichen und zwanglosen Kulturplanungen Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre — und lacht dabei herzhaft. Es war eine Phase des Aufbruchs und Probierens. Auch Wittkopp inszenierte Mitte der 80er Jahre erstmals — mit viel Erfolg.

Entspannt lächelnd ins Pensionistendasein: Winni Wittkopp im Jahr 1981 in der Inszenierung des F. K. Waechter-Stücks „Kiebich und Dutz“ sowie bei einem Abstecher samt launigen Geplänkel mit den Bühnenarbeitern im Markgrafentheater — dem „Plüschtempel“, wie es zu Zeiten von Wittkopps Karrierestart hieß.


Wittkopp entwickelt sich zur Institution des Hauses. Er spielte oft die kleineren Rollen, trat regelmäßig in Erscheinung, wenn Musik gefragt war. „Hauptrollen standen für mich nie im Vordergrund. Mir ging es eher darum, dabei zu sein. Mit den Kollegen zu arbeiten, anderen beim Spielen zuzusehen.“

Uneitel erlebten ihn die Erlanger auf und jenseits der Bühne. Vielleicht ist das der Grund, weshalb er beim Publikum so beliebt war und ist. Dann sind da noch die Mundart-Stücke, bei denen er brillierte: Egal ob „Schellhammer“ oder die „Schuddgogerer“. Mit Winni Wittkopp wurden daraus stets Kassenknüller. Wittkopp, Volksschauspieler mit Profil.

Lediglich 1989 versuchte mit dem frisch nach Erlangen gewechselten Andreas Hänsel ein Intendant den Vertrag Wittkopps auslaufen zu lassen. Der Stadtrat verhinderte dies. „Danach haben wir aber wieder kollegial zusammengearbeitet.“ Ohnehin geht es am Theater oft hoch her. „Wer das von außen sieht, staunt nicht selten. Doch selbst wenn’s mal zwischen einem Regisseur und uns lautstark zugeht, bei der nächsten Premierenfeier fällt man sich wieder um den Hals und alles ist vergessen. Wir sind halt einfach eine Bagage.“

Hinaus in die weite Welt hat es „Winni“ selten gezogen. Das Zollhausviertel ist seine Heimat. In der Waldstraße wuchs er auf, seit Jahren lebt er in einer Altbauwohnung um die Ecke. „Der Achternbusch hat einmal gesagt: Heimat ist nicht größer als ein Quadratkilometer. Da hat er wohl Recht.“

In seinen eigenen vier Wänden geht er einer weiteren Leidenschaft nach: Der Bildenden Kunst. Aus Fundsachen entstehen dabei originelle Collagen und Schaukästen. Nachdem er von der Musik zum Theater kam, hat er nun wieder den Weg zurück zur Gitarre und dem Gesang gefunden. Mit seiner „Skinny Winni Band“ singt er fränkischen Rock’n’Roll. Mundart, na klar. „Das hat einfach die größte Authentizität.“ Ein Begriff, der ebenso wunderbar auf die Karriere von Winfried „Winni“ Wittkopp zutrifft. 

S. MÖSSLER-RADEMACHER

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