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Ist die Stadt Erlangen eine Dependance des Weltunternehmens Siemens? Oder ist die Sturheit der fränkischen Eingeborenen ein willkommenes Korrektiv zur Innovationsfreude und Betriebsamkeit der „Nordlichter“? Existieren beide Institutionen in unterschiedlichen Welten, oder haben sie (viele? wenige?) Gemeinsamkeiten? Heinz Brenner, seit 2010 mit einem Schreibtisch und einer eigenen Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit im berüchtigten „Himbeerpalast“, näherte sich den Fragen einerseits gewollt naiv, andererseits historisch-vergleichend.
Ins leicht überfüllte Foyer des Stadtmuseums hatten erneut das Stadtmuseum, der Heimat- und Geschichtsverein, der Bund Deutscher Architekten, das Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und das städtische Planungsreferat eingeladen.
Besondere Chemie
Wer allerdings etwas Siemens-Nostalgie erwartet hatte, konnte sich, je nach Standpunkt, enttäuscht oder erleichtert sehen: Brenner umging die Fragen nach der besonderen Chemie weitgehend, die sich daraus ergeben hatte, dass das stark (auch räumlich) expandierende Unternehmen dem Gesicht der Stadt seinen Stempel aufdrückte, dass das Unternehmen auch immer wieder Einfluss auf die Stadtentwicklung nahm oder nehmen wollte, manchmal auch mehr, als es den politisch Verantwortlichen lieb war.
Ein Großteil dieses Einflusses ergab sich aber zwangsläufig durch den starken Zuzug an Unternehmensmitarbeitern vor allem nach 1948 – „Siemens war, wie die Vertriebenen auch, Teil der zweiten großen Migration in Erlangen“, wie Brenner es sieht. Und habe – nicht unähnlich der Zuwanderung durch die Hugenotten 250 Jahre zuvor – einerseits den Wohlstand der Stadt gemehrt, andererseits aber auch gegen Misstrauen und Ablehnung durch die Alteingesessenen kämpfen müssen.
Nach der leicht rückläufigen Entwicklung der Beschäftigtenzahlen zur Jahrtausendwende sei Siemens heute nur noch der zweitgrößte Arbeitgeber in Erlangen nach der Universität und ihren Einrichtungen und – trotz der starken Fluktuation in bestimmten Bereichen des Unternehmens – längst „angekommen“.
Großraum als Heimat
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sähen Erlangen längst als ihre Stadt, und dies auch dann, wenn sie — mangels Mietwohnung oder Eigenheim im Stadtgebiet — aufs Land gezogen seien.
Für Siemens-Mitarbeiter, die aus größeren Städten nach Erlangen gekommen seien, gebe es aber auch kein eng begrenztes Heimatverständnis: Der Großraum Erlangen-Fürth-Nürnberg werde – bei allen Unterschieden – immer stärker als einheitliche soziale und kulturelle Heimat empfunden.
Mo. 17.06.13
Fr. 14.06.13
Do. 13.06.13
Mo. 10.06.13
Sa. 18.05.13