Donnerstag, 17.01.2019

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Skilager: "Stand heute würde ich nicht fahren"

Der strenge Winter bereitet den Erlanger Schulen Sorgen: Die Skikurse der achten Klassen stehen an - 12.01.2019 11:00 Uhr

„Das wäre unverantwortlich“: Die meisten Schulen beobachten derzeit sehr genau die Situation vor Ort. Auch Absagen der Kurse stehen im Raum. © F.: colourbox.de


Für manche achten Klassen der weiterführenden Schulen in Erlangen steht zwischen Januar und März traditionell das Highlight ihres Schuljahres an: Statt Mathebuch oder Deutschheft gibt es Skistöcke in die Hand, es geht ins Skilager.

Die Resonanz ist wie die Vorfreude groß und auch die Anmeldebögen sind schon lange ausgefüllt. Doch leider ist 2019 kein Jahr wie jedes andere. Musste man in den vergangenen Jahren eher mit Schneemangel rechnen, herrscht heuer regelrechtes Schnee-Chaos in den Alpen: Ganze Straßen sind gesperrt, Dörfer abgeschnitten und die Lawinengefahr steht vielerorts auf der höchsten Stufe.

Dass deshalb auch bei den Erlanger Schulen Bedenken aufkommen, ist verständlich: "Stand jetzt", sagt etwa Sportlehrer Harald David, in der Werner-von-Siemens-Realschule verantwortlich für die Skikurse, "würde ich mit keiner Klasse nach Österreich fahren. Das wäre unverantwortlich." Aufgrund der Fürsorgepflicht gegenüber den Schülern und auch Referendaren würde der erfahrene Lehrer derzeit keine Skireise antreten.

Wie gut, dass die Realschule ihre Fahrt nach Ladurns in Südtirol erst für den März geplant hat. "Die Gemeinde ist traditionell sehr schneesicher", sagt Harald David, erst heuer hat er eine Auszeichnung stellvertretend für seine Schule entgegengenommen: Seit 50 Jahren schon fährt die Erlanger Realschule ins Pflerschtal zum Skifahren.

Winfried Zwick (64), Direktor des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, sieht die gegenwärtige Situation dagegen eher gelassen. Er selber würde, wenn er könnte, gleich morgen in den Skiurlaub fahren. Dabei die Verantwortung für 50 Schülerinnen und Schüler zu tragen, ist bei aktueller Wetterlage jedoch eine große Herausforderung: Die ersten beiden Klassen des ASG fahren am 20. Januar ins Skilager. Es geht also schon in etwa einer Woche nach Neukirchen am Großvenediger. Ob sich die Verhältnisse vor Ort bis dahin gebessert haben, ist nicht abzusehen. Das macht den Antritt der Fahrt nächsten Sonntag ungewiss.

Auch erste Eltern, berichtet der Schuldirektor, beschäftigt die Schneesituation in Österreich bereits: Am gestrigen Freitag hat sich bereits ein Elternsprecher nach dem Stand der Dinge erkundigt. Sollte das Skilager ausfallen müssen, würde es aber auf jeden Fall nachgeholt, verspricht Winfried Zwick.

Das Gymnasium Fridericianum kann etwas entspannter auf die Sachlage schauen. Hier geht die Reise ins Skilager erst am 23. Februar los. Und trotzdem: Zum jetzigen Zeitpunkt würde Schulleiter Gerhard Nöhring (57) seine Schülerinnen und Schüler und auch seine Kolleginnen und Kollegen nicht fahren lassen. Er sieht es wie sein Kollege Harald David von der Realschule am Europakanal: Für beide steht die Sicherheit an erster Stelle "und die ist momentan nunmal nicht ausreichend gegeben".

Nöhring geht aber davon aus, dass sich die Lage im Ahrntal in Südtirol, wohin das Fridericianum aufbrechen würde, spätestens bis zum 23. des nächsten Monats wieder beruhigt hat.

Für überwiegend überzogen und dramatisiert hält Guido Köstermeyer die Situation. Er ist bei der Sportfakultät der Universität zuständig auch für die Ausbildung der Studenten im Wintersport. Erst gestern kam Köstermeyer mit einem Langlaufkurs aus dem Bayerischen Wald zurück, "es hat halt viel geschneit, aber dramatisch war es deshalb nicht."

Parallel befindet sich noch ein Ski-Alpin-Kurs der Uni in Heiligenblut, insgesamt noch drei Kurse wird es im Februar und März von der Sport-Uni geben. "Die Situation in Heiligenblut ist relativ entspannt", sagt Köstermeyer, "allerdings ist das auch die Südseite der Alpen, wo es ja nicht ganz so schlimm ist wie andernorts." Es sei eben nunmal Winter – mal hat man da mit zu wenig, mal mit zu viel Schnee zu kämpfen. Mal bläst der Wind. "So ist eben die Natur", findet Guido Köstermeyer. 

TOBIAS FRIES UND CHRISTOPH BENESCH

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