Donnerstag, 15.11.2018

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Theater Kuckucksheim zeigt "Hotzenplotz"

Wild wuchernde Fantasie in Heppstädt - 07.06.2018 10:00 Uhr

Mal holzig, mal echt: Die „Hotzenplotz“-Akteure. © Andreas Riedel


Ob das neue, heftig umstrittene bayerische Sicherheitsgesetz das Land tatsächlich sicherer macht? Fragt man den im ganzen Landkreis gefürchteten Räuber Hotzenplotz, dann kann der nur lachen: "Nicht, dass ich Angst vor der Polizei hätte, da können die so viele Gesetze machen wie sie wollen!", poltert der, nachdem er der armen Großmutter die schöne, musikalische Kaffeemühle gestohlen hat, welche ihr Kasperl und Seppel gerade erst zum Geburtstag geschenkt haben. Natürlich wissen wir Erwachsenen und auch ein Großteil der Kinder im Publikum, dass Hotzenplotz damit nicht durchkommen wird, genauso wie wir wissen, dass es nicht der aufgeblasene Polizeiwachtmeister Dimpfelmoser sein wird, der ihm das Handwerk legt.

Handgeschnitzte Puppen

Was wir zu diesem Zeitpunkt im ausverkauften Theater Kuckucksheim noch nicht wissen, aber bereits ahnen, ist, dass diese Adaption des berühmten Kinderbuch-Klassikers von Otfried Preußler ein ganz besonderes Highlight werden wird unter all den wunderbaren Aufführungen, welches das kleine Theater in Heppstädt bereits auf die Bühne gebracht hat. Mit einigen handgeschnitzten Puppen und einfachen, aber wirkungsvollen Requisiten lassen Stefan Kügel und seine Söhne Benjamin und Nando Seeberger das malerische Hotzenplotz-Universum mit so viel vitalem, unschuldigem Witz auferstehen, dass man eine Stunde lang aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.

Kügel ist die Rolle des rauen, polternden Räubers freilich auf den Leib geschrieben; um so faszinierender, dass er dessen exaktes Gegenteil, die ängstlich besorgte Großmutter mit Kittelschürze und Nickelbrille genauso überzeugend verkörpert. Seine Söhne stehen dem in nichts nach: Nando als gewitzter Kasper und böser Zauberer Petrosilius Zwackelmann und Benjamin in der Dreifach-Rolle als gutmütiger, begriffsstutziger Seppel, als selbstzufriedener Wachtmeister Dimpfelmoser und zum Schluss gar als wunderschöne Fee zünden in jeder ihrer Rollen ein Feuerwerk an Wortwitz, lebendiger Mimik, Gestik, Zauberei und Akrobatik. Regisseur Dietmar Staskowiak, der auch wieder die wunderbar skurrilen Lieder geschrieben hat, welche die drei zur Auflockerung lustvoll intonieren, hat die Handlung auf eine kurzweilige Stunde komprimiert, dabei aber sorgfältig auf einen stringenten Erzählstrang geachtet und sich weitgehend an die Original-Dialoge gehalten.

Kleine Anstöße

Das Bühnenbild ist wie immer im Theater Kuckucksheim betont minimalistisch und gibt dem Zuschauer lediglich kleine Anstöße für das große Kino im Kopf: Ein einfacher, mit groben Decken verhangener Verschlag wird wahlweise zu Großmutters Häuschen, zur Räuberhöhle, zum Zaubererschloss und natürlich zur Umkleide, wenn ein Schauspieler blitzschnell das Kostüm wechselt, während eine Puppe seine Rolle übernimmt. Dieser Wechsel von Groß auf Klein und umgekehrt funktioniert deshalb so nahtlos, weil man im Kuckucksheim auf genau das zählt, was das superrealistische, computeranimierte Blockbuster-Kino auszumerzen versucht: die wild wuchernde menschliche Fantasie. Wenn der böse Räuber Hotzenplotz zum Schluss hinter Schloss und Riegel sitzt, während Kasperl, Seppel und die Großmutter endlich zu ihrem Kaffee und Pflaumenkuchen kommen, dann ist das nicht dem Polizeistaat zu verdanken, sondern ganz viel Mut, Witz und Einfallsreichtum. Und genau dafür gibt es zum Schluss donnernden Applaus von Jung und Alt.

ZWeitere Vorstellung am Freitag, 8. Juni, ab 19 Uhr Karten unter www.kuckucksheim.de 

PETER GRUNER

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