Freitag, 22.02.2019

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Ungewöhnliches Kunstprojekt in Erlangen

Ortstafeln für "verschwundene Dörfer" sorgen für Aufsehen - 06.10.2018 12:00 Uhr

Die Ortstafeln mit der Aufschrift „Verschwundenes Dorf“ sind eine „topografisch-fiktive Installation zum Ende des Ersten Weltkriegs“. © Harald Sippel


"Was denn da los?" In den sozialen Netzwerken des Internets haben die Spekulationen bereits mächtig Fahrt aufgenommen, seit an einigen Straßen grüne Ortstafeln mit dem Zusatz "Verschwundenes Dorf" aufgestellt wurden. Was steckt nur dahinter? Kritik an der fortschreitenden Urbanisierung? Gar eine Anklage gegen die anvisierte städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) im Westen?

Weit gefehlt: "Verschwundene Dörfer" ist eine "topografisch-fiktive Installation zum Ende des Ersten Weltkriegs" in Hannberg, Kosbach, Steudach, Kleingründlach und Neunhof von Reiner F. Schulz. Diese fünf Dörfer in Mittelfranken sollen an "villages disparus" erinnern: Dörfer, die während des Stellungskrieges im Ersten Weltkrieg in Frankreich zerstört und nicht wieder aufgebaut wurden. Bereits mehrfach hat sich Schulz in seinen Kunst-Projekten mit dem Thema Erster Weltkrieg auseinandergesetzt. Mit den Ortstafeln möchte Schulz auf Schicksale aufmerksam machen, die sich mit "Narben verbinden, die der Erste Weltkrieg in der Landschaft des Nachbarlandes Frankreich hinterlassen hat". Seine Fragestellung: "Was wäre, wenn der Erste Weltkrieg auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland stattgefunden hätte?"

Diese neue Intervention von Schulz im öffentlichen Raum soll bewusst verstörend auf die Passanten wirken, da die gelieferte Information nicht mit dem sichtbaren Befund übereinstimmt. Reiner F. Schulz: "Die fünf fränkischen Dörfer gibt es noch, während ihre Pendants im Norden und Osten Frankreichs während des grausamen Stellungskrieges vor einhundert Jahren zerstört und nicht mehr aufgebaut wurden. Sie sind heute ,villages disparus‘, eben ,verschwundene Dörfer‘". Vor dem Hintergrund eines "weltweit wieder aufkeimenden Nationalismus" möchte Schulz zudem für "ein vertieftes Geschichtsverständnis als Basis einer weitergehenden Aussöhnung unter den Menschen" plädieren.

Die begleitende Ausstellung in der Galerie "Black Cube" in Erlangen (Apfelstr. 4) ist vom 26. Oktober (Vernissage ab 19 Uhr) bis zum 11. November zu sehen. 

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