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Uni vom „Vertrauensbruch“ tief enttäuscht

Bittere Abrechnung mit den Sparbeschlüssen des Freistaats - 06.11. 16:15 Uhr

ERLANGEN  - Der Pulverdampf aus der Rede des Präsidenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Karl-Dieter Grüske, war noch nicht verzogen, als Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in seinem Grußwort für den bayerischen Hochschulminister Wolfgang Heubisch bereits das Weihrauchfass schwenkte: Die von Grüske beklagten Kürzungen im Hochschuletat seien so gravierend nicht, es könne wohl auch noch „nachgebessert“ werden. Gleichwohl: Harmonie war es nicht, die das Bild des 267. Gründungstags der Universität bestimmte.


Bereits im Frühjahr hatten die Studierenden der FAU gegen die unzumutbaren Studienbedingungen demonstriert. Die gerade bekannt gewordenen Sparbeschlüsse der Staatsregierung haben die Lage nicht verbessert.
Bereits im Frühjahr hatten die Studierenden der FAU gegen die unzumutbaren Studienbedingungen demonstriert. Die gerade bekannt gewordenen Sparbeschlüsse der Staatsregierung haben die Lage nicht verbessert.
Foto: Horst Linke
Bereits im Frühjahr hatten die Studierenden der FAU gegen die unzumutbaren Studienbedingungen demonstriert. Die gerade bekannt gewordenen Sparbeschlüsse der Staatsregierung haben die Lage nicht verbessert.
Bereits im Frühjahr hatten die Studierenden der FAU gegen die unzumutbaren Studienbedingungen demonstriert. Die gerade bekannt gewordenen Sparbeschlüsse der Staatsregierung haben die Lage nicht verbessert.
Foto: Horst Linke

Dabei hatte Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske ausgesprochen faktenreich die Einschnitte in Forschung und Lehre an der Universität beschrieben: Die Haushaltssperre und der Planungsstopp für den Rest des Jahres führe zu einem Rückgang der Uni-Mittel von 1,2 Millionen Euro, für den geplanten Doppelhaushalt 2011/12 seien weitere tiefe Einschnitte zu befürchten. Die verordnete sechsmonatige Sperre für die Neubesetzung von Lehrstühlen führe zu 30 fehlenden Professoren, durch „klamme“ Bauprojekte gingen allein über 250000 Euro verloren. Zudem fehlten die dringend benötigten Mittel für den Unterhalt des Baubestands.

Häme auf der HRK

Grüske sprach von einem „klaren Vertrauensbruch“ — es sei das erste Mal, dass zugesagte Mittel für die Hochschulen eingefroren oder sogar zurückgenommen würden. Der Satz unter Hochschullehrern in Deutschland, wonach man einen Ruf nach Bayern nicht ablehne, gelte schon lange nicht mehr, in der Hochschulrektorenkonferenz müsse man sich hämische Bemerkungen zur unzuverlässigen Hochschulpolitik in Bayern anhören. All das sei eigentlich kein Grund, den „dies academicus“ zu feiern, und die aktuellen Haushaltsberatungen seien einer der wenigen akzeptablen Gründe, das Fernbleiben Heubischs zu entschuldigen.

Weiter steigende Studierendenzahlen — allein die Reform der Bundeswehr beschert Bayerns Hochschulen 3600 zusätzliche Studenten — träfen auf schwindende Mittel für Lehre und Forschung, der erwartete doppelte Abiturientenjahrgang sei nicht zu bewältigen, weil die nötigen zusätzlichen Studienplätze und Studiengänge „nicht mehr geschaffen werden“ können, so Grüske. Er hat angesichts solcher Aussichten neue Einsichten: „Den Ärger der Studierenden über schlechte Studienbedingungen kann ich gut nachvollziehen“, bekannte er.

Auf diese könne er zunehmend stolz sein, da sie nach Abschluss ihrer Proteste im Frühjahr konstruktiv an Verbesserungen mitarbeiteten — eine große Hilfe, um immerhin fast 29000 Hochschülern möglichst angemessene Studienbedingungen zu bieten. Dass mit dem studentischen Senator Christian Zwanziger ein Student kritisch-solidarische Grußworte zum Jahrestag sprach, passte ganz gut in die Lagerbildung.

Diese versuchte Innenminister Joachim Herrmann durch Beschwichtigen aufzulösen: Die Sparbeschlüsse würden auf der Haushaltsklausur am Wochenende noch einmal überdacht. Dass man sich in der Hochschulleitung nicht zu viel versprechen darf, ließ er aber auch durchblicken: „Wir müssen lernen mit dem auszukommen, was erwirtschaftet wird“, mahnte er. Erlangen stehe in der bayerischen Hochschullandschaft mit außeruniversitären Einrichtungen (Fraunhofer- und Max-Planck-Gesellschaft) ganz gut da, „die FAU ist uns lieb und teuer“. 





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