21°

Donnerstag, 16.08.2018

|

Unter Verdacht am Erlanger Poetenfest

Amnesty-Aktion stößt im Krisenjahr auf große Resonanz - 03.09.2014 16:54 Uhr

Der Stempel erinnert an Menschenrechtsverletzungen in Russland. © F.:oh


ERLANGEN — „Verdächtig“ waren am vergangenen Wochenende viele: Frauen und Männer, die mit diesem Wort auf dem Handrücken zwischen Schlossplatz und Markgrafentheater marschierten. Dieses Mal nämlich präsentierte sich die Erlanger Ortsgruppe von Amnesty International (AI) auf dem Poetenfest als besonders einfallsreich: Mit einer Stempel-Aktion erinnerte sie an die massiven Menschenrechtsverletzungen vor allem in Russland.

„Die Reaktionen darauf waren sehr interessant“, berichtet Bettina Fettich-Biernath vom AI-Arbeitskreis Russland. Der ein oder andere Passant habe zunächst irritiert gewirkt, sich aber doch noch „stempeln“ lassen. Auch die Unterschriftenlisten, mit denen die Menschenrechtsfreunde die Freilassung politisch Gefangener fordern, haben mit knapp 400 Namen vergangene Kampagnen deutlich übertroffen. „Wir haben einen Zuspruch bemerkt“, sagt die Amnesty-Mitstreiterin. Und das, fügt sie hinzu, nicht nur am sonnigen Samstag im Grünen, sondern auch am verregneten Sonntag.

Natürlich habe der Ausnahmezustand in der Ukraine die Aufmerksamkeit für das diesjährige AI-Motto Russland erhöht, meint Fettich-Biernath. Allerdings sei die russisch-ukrainische Lage nicht im Zentrum der Amnesty-Aktion gestanden. In erster Linie wollte die Erlanger Gruppe den russischen Umgang mit Missliebigen und Nichtregierungsorganisationen anprangern, die im offiziellen Moskauer Sprachgebrauch gerne als „ausländische Agenten“ diffamiert und verfolgt werden. Die unmenschlich-undemokratische Politik von Präsident Wladimir Putin ist aber nur ein Konfliktherd von vielen.

Irak, Syrien, Nahost

Ob Irak, Syrien oder Naher Osten: Die derzeitigen Kriege trieben die Menschen um: „Ich habe bei vielen eine seltsame Stimmung gespürt — im Stil von: ,Was ist nur in diesem Sommer auf unserer Welt los‘“, sagt die 30-Jährige.

Diese gefährliche Gemengelage wird sich so schnell (politisch) wohl auch nicht auflösen. Daher hält die Erlanger Amnesty Gruppe an ihrem Widerstand gegen Unrecht und Ungerechtigkeit fest— und plant schon jetzt weitere Aktionen.

So sind Mitstreiter bei der Eröffnung der Ausstellung des Dritte Welt Ladens zum Thema Flüchtlinge in der Neustädter Kirche am 30. September mit einem Informationsstand dabei und auch rund um den 10. Dezember in der Erlanger Innenstadt präsent — zum Tag der Menschenrechte. 

SHARON CHAFFIN

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Erlangen