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Uropas Geige nachgebaut

Wilhelm Roth kopierte sogar die Kratzer ins neue Instrument - 21.02.12

BUBENREUTH  - Im Vorführraum der Bubenreuther Meisterwerkstatt Ernst-Heinrich Roth befindet sich eine Glasvitrine. Dort bewahren die Roths eine kostbare Geige auf, die den heutigen Meistern dieser kunstvollen Handwerkszunft immer noch Respekt und Ehrfurcht abverlangt: Die Geige fertigte kein geringer als der Urgroßvater Ernst-Heinrich Roth der I., und sie erhielt in dem Rothschen Fertigungsbuch die Modellbezeichnung „XV-R, Seriennr. C-167, gefertigt im Jahr 1922“.

Wilhelm Roth kopiert originalgetreu die Geige seines Urgroßvaters und vergleicht die Gebrauchsspuren in der Lackierung zwischen Original und Kopie.
Wilhelm Roth kopiert originalgetreu die Geige seines Urgroßvaters und vergleicht die Gebrauchsspuren in der Lackierung zwischen Original und Kopie.
Foto: Reiß
Wilhelm Roth kopiert originalgetreu die Geige seines Urgroßvaters und vergleicht die Gebrauchsspuren in der Lackierung zwischen Original und Kopie.
Wilhelm Roth kopiert originalgetreu die Geige seines Urgroßvaters und vergleicht die Gebrauchsspuren in der Lackierung zwischen Original und Kopie.
Foto: Reiß

Seit Jahren hatte der jüngste Spross der Roth Dynastie den Gedanken, dieses Instrument in exakt seiner Größe und mit allen Details nachzubauen. Je tiefer er in die Materie einstieg, umso mehr ließ ihn der Gedanke nicht mehr los, dieses Instrument mit so viel Geschichte auf den Zehntelmillimeter und mit all seinen Gebrauchsspuren nachzubauen und klanglich so zu verwirklichen, dass auch die Kopie den Namen „Roth“ mit Recht tragen kann.

Wilhelm Roth wollte nicht nur den Nachbau: Er wollte die vollendete Kopie. Die Geige seines Urgroßvaters soll sich in Form, Farbe und Aussehen vom Original nicht unterscheiden lassen. Über Monate schichtete Roth Tonhölzer, um die passende Decke und Boden zu erhalten. Erst als alle Materialien vorlagen, begann der Geigenbauer mit dem detaillierten Aufbau. Wilhelm Roth hat die Geige bis auf den Zehntelmillimeter vermessen und dokumentiert. Allein der Aufbau des Instruments füllt etliche Seiten, so hat Roth genau beschrieben, dass man auf der 206,1 mm breiten Decke genau 140 Fasern (Jahresringe) zählt.



Bereits beim Aufbau des Korpus musste Roth sich überwinden, nicht symmetrisch zu arbeiten, da das Original von der einen zur anderen Seite verschiedene Konturen aufweist, auch der Boden und die Decke gleichen sich nicht. Ebenso schwierig war die Gestaltung der Wölbungen, welche beim Original durch die vielen Jahre Verformungen aufweist.

Wilhelm Roth testete schon die weiße Rohgeige auf ihre klanglichen Eigenschaften und stellte erstaunt fest, welch großen und kräftigen Klang sie hat. Anschließend begann die Feinarbeit. Mit einem feinen Pinsel wurde Strich für Strich, wie bei einem Porträt, das Lackbild aufgetragen. Jeder Kratzer, jede winzige Beschädigung, die auf dem Original erkenntlich sind, wurde kopiert. An etlichen Geigen, die die Werkstatt durchliefen erprobte, Roth den Glanzgrad des Lackes. Auch bei den Zubehörteilen, von den Wirbeln bis zum Steg achtete Roth auf jedes Detail.

Eines steht für den Bubenreuther Geigenbauer nun fest, im Vergleich mit dem Original hat sein Nachbau einen herausragend guten und kräftigen Klang, sie darf nicht nur deshalb den Namen Roth tragen, denn sie ist ja auch eine von Roth gebaute Geige. Eine Grenze gibt es aber dennoch beim Kopieren. „Alles kann man kopieren“, sagt der Experte Roth, „aber das Alter kann man nicht ersetzen.“ 



HEINZ REISS

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