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Vegane Kochkunst eröffnet neues Universum

Kultkoch Attila Hildmann will Skeptiker vom Kochen ohne tierische Produkte überzeugen - 18.10.2012 10:00 Uhr

Attila Hildmann. © privat


Herr Hildmann, warum um alles in der Welt soll man denn nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Käse, Sahne, Butter verzichten? Das Bamberger Hörnchen zum Frühstück ist dann auch tabu, oder? Alles eben, was so ganz selbstverständlich ist?

Attila Hildmann: Erst mal ist es ja so, dass man alles darf. Vegan zu sein, ist eine freie Entscheidung. Ich persönlich möchte nicht mehr anders essen, weil ich weiß, was hinter der Erstellung von tierischen Produkten steckt, und gleichzeitig halte ich es für gesundheitlich fragwürdig, so viele tierische Fette zu essen. Ich weiß heute, dass es wesentlich bessere und gesündere Alternativen gibt.

Was hat bei Ihnen den Ausschlag gegeben, die Ernährung umzustellen?

Hildmann: Das war vor zwölf Jahren der Tod meines Vaters. Mein Vater war nicht besonders übergewichtig, aber er ist mit 62 Jahren an Herzinfarkt gestorben. Das hängt natürlich mit Cholesterin zusammen. Das findet sich nur in tierischen Produkten, und ich habe mir als junger Mensch die Frage gestellt, ob mich das selbe Schicksal erwartet. Hinzu kamen die Tierskandale, von BSE über Schweinegrippe bis hin zu dioxinverseuchten Eiern. Wenn man darüber nachdenkt, vergeht einem der Appetit. Käfighaltung von Hühnern oder Milchkuhhaltung fand ich nicht besonders sexy, das ist ja letztlich alles verwoben. Ich habe auch geschmacklich keine Defizite gesehen. Und ich hatte 35 Kilogramm Übergewicht — die sind weg.

Muss man nicht befürchten, dass man Mangelerscheinungen bekommt?

Hildmann: Man hat als Veganer auf jeden Fall Mangelerscheinungen. Zum Beispiel kann es zu einem Mangel von Fettpölsterchen kommen. Aber jetzt im Ernst: Man hat einen riesigen Gewinn an Lebensfreude, an Genuss, ein besseres Körpergefühl, ein besseres Gewissen. Natürlich ist es so, dass man auf Vitamin B12 achten muss und im Winter auf Vitamin D, aber das nehme ich sehr gern in Kauf.

Macht denn Essen bzw. Kochen noch Spaß, wenn man Veganer ist?

Hildmann: Es macht mehr Spaß, weil es gesünder und vielfältiger ist. Ich kann kreativer kochen, habe neue Nahrungsmittel kennen gelernt — das macht glücklicher, als sich ein Steak in die Pfanne zu hauen. Vegane Kochkunst ist auf jeden Fall der Königsweg beim Kochen. Es ist ein ganz neues Universum. 

Eva Kettler

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